"Ich hoffe auf ein höheres Niveau in der Politik"

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder

Voestalpine CEO Wolfgang Eder formuliert im Interview mit dem "trend" seine Wünsche an die nächste Bundesregierung. Der Chef des Stahlkonzerns hält eine Standort-Agenda für dringend notwendig.

Ende September gab der Voestalpine-Konzern bekannt, 350 Millionen Euro in den Standort Kapfenberg zu investieren und damit langfristig 3.000 Arbeitsplätze in Österreich zu sichern. "Nur auf Basis einer nachhaltig kalkulierbaren Industriepolitik, die mehr ist als ein wahltaktisches Versprechen, werden wir als Unternehmen in der Lage sein, dauerhaft sichere und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten", mahnte Eder bei diesem Anlass in Richtung der Politik, die sich damals mitten im Wahlkampf befand.



Zwei Wochen nach der Wahl führt Eder nun in einem Interview mit dem trend seine Wünsche an die nächste Regierung präziser aus. Die ihm wohl wichtigste Forderung ist, dass sich die Regierung auf eine Standort-Agenda festlegt. Eine sei zwar schon unter Wirtschaftsminister Mitterlehner angestoßen, dann aber von den Sozialpartnern nicht konstruktiv begleitet worden. Dieses Gespräche müssten konstruktiv fortgesetzt werden. "Wobei klar sein muss, das macht nur Sinn, wenn die Ergebnisse auch umgesetzt werden - das ist in Österreich ja nicht so selbstverständlich", meint Eder.

Ganz oben auf Eders Wunschliste steht auch eine Reform des Bildungssystems. Er beklagt, dass manche Politiker nicht einmal "den Unterschied zwischen Ganztags- und Gesamtschule kennen. Ich hoffe, wir kommen da auf ein anderes Niveau." Alleine um die bestehenden Wissensdefizite von jungen Leuten wettzumachen, braucht es laut Eder eine Schülergeneration - um das Gesamtsystem zu reparieren, zwei bis drei Schülergenerationen.

Das Ziel, die Abgabenquote in der nächsten Legislaturperiode auf unter 40 Prozent zu senken, hält Eder für "nicht überambitioniert, sondern durchaus darstellbar". Vor allem die Sozialpartner müssten sich endlich bewegen. "Sie werden sich ihre künftige Rolle überlegen müssen, anstatt im Verständnis der 60er-, 70er- und 80er-Jahre weiterzumachen. Die Sozialpartner verwalten in hohem Maße Aufgaben, die heute so gar nicht mehr bestehen."

Eder beklagt in dem Gespräch mit dem "trend" auch, dass der österreichische Staat die Nullzinsphase viel stärker zur Entschuldung genutzt hat: "Das war offenbar politisch nicht opportun." Und er warnt: "Wir werden ein dauerhaftes Ansteigen der Staatsverschuldung nicht akzeptieren können." Budgets müssten konservativ erstellt werden. Mehr leisten solle sich die Volkswirtschaft nur, wenn es dann doch besser kommt. "Bisher galt in Österreich immer: Wir leisten uns in jedem Fall mehr, im Zweifel lassen sich ja die Steuern erhöhen - oder neue einführen.“


Das vollständige Interview mit Voestalpine CEO Wolfgang Eder finden Sie in der trend-Ausgabe 43/2017 vom 26. Oktober 2017.

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