WKO: Leitl übergibt Präsidenten-Amt an Harald Mahrer

Ein Salut zum Abschied: Der neue WKO Präsident Harald Mahrer beklatscht seinen Vorgänger Christoph Leitl

Ein Salut zum Abschied: Der neue WKO Präsident Harald Mahrer beklatscht seinen Vorgänger Christoph Leitl

Nach 18 Jahren ist die Ära Christoph Leitls als Wirtschaftskammer-Präsident zu Ende. Der frühere Wirtschaftsminister Harald Mahrer übernimmt. Er tritt an, um die Position der Wirtschaftskammer als Partner für die Zukunft stärken. Die Pläne des neuen WKO-Präsidenten.

18 Jahre lang, seit dem Jahr 2000, war der Oberösterreicher Christoph Leitl Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer (WKO). Der promovierte Sozial- und Wirtschaftswissenschafter und Sohn des Eferdinger Bauunternehmers Karl Leitl (Leitl-Werke) übernahm das Präsidentenamt damals von Leopold Maderthaner und wurde in der Folge zweimal wiedergewählt.

Nun hat der 69-jährige Leitl das Präsidentenamt an den früheren Wirtschaftsminister und persönlichen Freund von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Harald Mahrer, übergeben. Der 1973 geborene Mahrer, der bereits seit Dezember 2017 Präsident des Österreichischen Wirtschaftsbundes ist, will die WKO in die Zukunft führen und streckt den Sozialpartnern auch im Sinne einer "Zukunftspartnerschaft" die Hände aus. Für seine Bestellung reichte der Vorschlag der stimmenstärksten Fraktion in der WKO, dem Wirtschaftsbund.

Wirtschaft ist für Mahrer "unteilbar": Er macht keinen Unterschied zwischen Branchen und sieht die Arbeitnehmer als wichtigen Teil der Gesamtheit. "Für jemanden, der mit Leib und Seele Unternehmer ist, für den ist das eine ganz besondere Aufgabe, die österreichische Wirtschaft repräsentieren und in ihrem Namen sprechen zu dürfen", betont der neue WKO-Chef.

Mahrer will jedoch künftig nicht nur mit etablierten Sozialpartnern, sondern auch mit Experten, Thinktanks und NGOs zusammenarbeiten und eine starke Vertretung für Österreichs Unternehmer sein. Damit die WKO dieses Position auch weiterhin wahrnehmen kann schließt er eine von der FPÖ, den NEOS und auch einzelnen Mitgliedern immer wieder geforderte Aufhebung der Kammer-Pflichtmitgliedschaft aus. Auch die Kammerumlage 2 soll erhalten bleiben.

Das Ende eines Kapitels, der Beginn eines neuen

"Ein Kapitel geht zu Ende", sagte Leitl in seiner letzten Ansprache als Wirtschaftskammer-Präsident. Die Kammer stehe gut da, betonte Leitl. Zur Sozialpartnerschaft sagte Leitl, dass es ein Stück österreichische Identität sei, durch ein Miteinander die Dinge besser zu machen. Auch bei ihnen bedankte sich Leitl. "Sie haben nicht alles 'deppat' gemacht." So könne man mehr bewegen, auch mehr bewegen als mit guten Einzelstücken.

Leitl hob auch die organisatorischen Änderungen in der Kammer in seiner Ära hervor. Trotz der Änderungen sei der Geist der Kammer erhalten geblieben. Zur Lage zwischen Europa und den USA zeigte er sich alarmiert: "Wir sind keine Hampelmänner und wir dürfen uns schon gar nicht erpressen lassen." Es brauche eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Sein Nachfolger denkt hinsichtlich er US-Sanktionen an eine "solidarische Fondslösung" auf europäischer Ebene. Ein Fonds könnte betroffene Firmen unterstützen. "Jetzt ist ein klares, lautstarkes Auftreten der EU nötig. Es geht um die Zukunft Europas. Die EU darf sich nicht erpressen lassen."

Herausforderungen

Mahrer fordert einen neuen Stil im Umgang der Regierung, der Wirtschaft und der Sozialpartner miteinander. "Das alte ideologische Match hat ausgedient." Alle müssten gemeinsam an einem Strang ziehen, um Sicherheit, Wohlstand und Wachstum zu sichern und die großen Zukunftsfragen zu lösen.

Als größte Herausforderung sieht Mahrer die Verschiebung der internationalen Marktmacht - von Europa und den USA Richtung Asien. "Es ist nicht nur China, es ist der gesamte Raum von Indien über China nach Südostasien." Die rasante Weiterentwicklung dort sei ein Faktum, mit dem sich die heimische Wirtschaft auseinandersetzen müsse. Gepaart mit der Digitalisierung müsse man die Chancen sehen. Mahrer lenkt den Blick gern weg von Ängsten. Die großen Themen beträfen alle.

"Wir haben extreme Chancen, weil wir bedingungslos qualitätsorientiert sind." Innerhalb der nächsten fünf Jahre würde sich der kaufkräftige Mittelstand in China verdoppeln und damit die Größe Europas erreichen. "Wir müssen als Pfadfinder und Wegbegleiter dorthin gehen, wo die größten Geschäftschancen sind. Diese Aufgabe werden wir weiter intensivieren. Wir müssen so etwas wie die wirtschaftspolitischen Trüffelschweine auf den Weltmärkten sein." Es könnte zu Verschiebungen bei der Außenwirtschaftsarbeit mit mehr Fokus auf die asiatischen Märkte kommen, kündigte Mahrer an.

Die wichtigsten Reformvorhaben, die die Regierung umsetzen müsse, sei ein Abschaffen von "Sinnlosregelungen". "Der Vorschriftendschungel ist zu lichten. Ich hoffe auf schnelle erste Ergebnisse. Wir unterstützen bei dem Mammutprojekt." Die Steuer- und Abgabenquote müsse runter, sowohl für Betriebe als auch für die Mitarbeiter. Einkommenssteuer und Unternehmenssteuer müssten runter. Des Weiteren werde die Regierung daran gemessen, wie viele Vorschriften sie abschaffe, nicht wie viele neue Gesetze sie erlasse. Dabei sei Justizminister Josef Moser "auf einem guten Weg".


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Lesen Sie auch den Artikel "Digitaler Kammerdiener" von Andreas Lampl in der trend-Ausgabe 20/2018 vom 18. Mai 2018

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