Wizz Air CEO: "Ich wünsche jeder Airline einen CEO, der das schafft"

JÓZSEF VÁRADI, Chef der Wizz Air, verteidigt im Gespräch mit dem trend seinen Millionenbonus und die Arbeitsbedingungen beim größten osteuropäischen Billigflieger.

Wizz-Air-Gründer József Váradi

Wizz-Air-Gründer József Váradi

trend: Wizz Air expandiert wie keine andere europäische Airline. Wie finanzieren Sie das?
JÓZSEF VÁRADI: Als Covid ausbrach, waren wir, gemessen an unserer Cash-Position, eine der liquidesten Fluglinien der Welt und gleichzeitig verursachen wir die niedrigsten Kosten. Wir finanzieren uns auch über den Markt, aber nur in geringem Ausmaß. Heute haben wir sogar mehr Cash als im März 2020. Auch im letzten Quartal waren wir bereits wieder Cashpositiv. Im Sommer konnten wir die Kapazitäten enorm steigern und gehen aktuell wieder durch eine profitable Phase. Was uns zugutekommt, ist die Diversifikation unserer Strecken. Dabei ist wichtig, zu betonen, dass wir zu keiner Zeit staatliche Unterstützung bekommen haben.

Wie sehen jetzt Ihre Expansionspläne speziell für Wien aus?
Als eine der wenigen Fluglinien weltweit wachsen wir. Auch während der Pandemie haben wir unsere Flotte von 119 auf 143 Flugzeuge vergrößert. Wir sind heute größer als noch vor 18 Monaten. Unsere neuen Flugzeuge sind ein wichtiger Schlüssel für zukünftiges Wachstum, weil sie technologisch am letzten Stand und sehr umweltfreundlich sind. Das verschafft uns einen massiven Wettbewerbsvorteil. In Wien haben wir sechs A321neo-Flieger stationiert. Das heißt, wir haben hier das technologisch beste und effizienteste Flugzeug von allen Anbietern. Wien war während der Pandemie einer der am härtesten getroffenen Märkte, aber jetzt wachsen wir wieder kontinuierlich und liegen bei einer Kapazität von 124 Prozent gemessen an 2019. Von Wien aus fliegen wir jetzt 64 Destinationen an. In den nächsten zwei Wochen werden sieben bis acht neue Routen neu eröffnet.

Sie sprechen immer davon, neue Strecken aufzusperren, aber Sie schließen ja auch welche, was kaum kommuniziert wird. Was ist etwa mit Salzburg?
Salzburg wurde besonders hart getroffen, aber wir wollen Salzburg im Dezember wieder mit drei Verbindungen aufsperren. Dadurch, dass die Österreicher gut durchgeimpft sind, sollte es auch mit dem Fliegen wieder leichter werden.



"Die AUA verschlingt das Geld österreichischer Steuerzahler."

JÓZSEF VÁRADI, WIZZ-AIR-CEO


Sie rechnen nach der Pandemie mit einer Konsolidierung in der Luftfahrt. Haben Sie für Wien da schon Anzeichen?
Die Regierungen haben sehr viel Geld in die Fluglinien gepumpt. Diese haben ihren Lieferanten während der Pandemie die Rechnungen nicht bezahlt, sprich, sie haben eine Zeit lang nichts an Leasingfirmen, Flughäfen oder Luftfahrtbehörden bezahlt. Auch die Kurzarbeit hat dazu beigetragen, diese Situation mit unproduktiven Arbeitsplätzen zu konservieren. Nach der Krise müssen die Rechnungen aber wieder bezahlt werden, und die Regierungen werden die Maßnahmen zurückfahren und die Realität wird sichtbar werden. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten zwölf Monaten etliche Pleiten und generell ein starkes Schrumpfen der Luftfahrt erleben werden. Dieses Schwinden anderer Airlines eröffnet für Wizz Air natürlich neue Möglichkeiten, zu wachsen. Was die AUA macht, ist nichts anderes als das Verschlingen österreichischer Steuergelder.

Sie haben sich kürzlich mit Jobangeboten speziell an Piloten der AUA gewandt. Wie viele haben sich gemeldet?
In Österreich konnten wir während der Krise nahezu alle Piloten behalten und jetzt suchen wir weitere Mitarbeiter für unsere Expansion. Unsere Stellenausschreibung läuft weltweit. Insgesamt wollen wir 5.000 neue Mitarbeiter (Piloten und Crew) in den nächsten drei Jahren rekrutieren.

Warum sollten sich AUA-Piloten ausgerechnet bei Wizz Air bewerben? Sie sollen nicht unbedingt gut zahlen und die Arbeitsbedingungen gelten als nicht besonders gut.
Unsere Arbeitsbedingungen sind nicht schlechter als bei der AUA. Bei Austrian Airlines braucht man als Pilot 20 Jahre, bis man als Captain arbeiten kann, auch weil ihr Business nicht wächst. Wenn man bei Wizz Air als First Officer anfängt, ist es möglich, in vier bis fünf Jahren Captain zu werden. Und als Captain bei Wizz Air verdient man natürlich deutlich mehr als als First Officer bei der AUA.

Sie wurden heftig kritisiert, dass Sie sich einen Bonus von 100 Millionen Pfund ausgehandelt haben, während Wizz- Air-Mitarbeiter gekündigt wurden.
Ich möchte festhalten, dass wir diese Mitarbeiter wieder eingestellt haben. Wizz Air hat sich durch meine Tätigkeit in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Das hat sich auch im Aktienkurs niedergeschlagen. Ich wünsche jeder Airline einen CEO, der das schafft. Selbst die besten europäischen Airlines schaffen pro Jahr ein Wachstum von fünf Prozent. Von mir wird für den Bonus, der erst in fünf Jahren gilt, ein Wachstum von 20 Prozent jährlich erwartet. Ja, es ist viel Geld, aber aus meiner Sicht ist es zu den Konditionen mehr als gerechtfertigt. Wenn ich nur zehn Prozent Wachstum pro Jahr schaffe, bekomme ich keinerlei Bonus. Mir ist zudem wichtig, zu betonen, dass sich das Wachstum im Gehaltsschema der ganzen Wizz-Air-Gruppe widerspiegelt. Wir ziehen alle an einem Strang. Dieser Wachstumsplan bedeutet auch, dass wir statt heute 4.500 Mitarbeiter im Jahr 2029 20.000 beschäftigen. Wizz Air wäre damit eine Wachstumsmaschine für die gesamte Volkswirtschaft.

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