Wirtschaftsnobelpreis geht an US-Ökonomen Nordhaus und Romer

William D. Nordhaus und Paul M. Romer, 2018 Laureates in Economic Sciences

William D. Nordhaus (li.) und Paul M. Romer, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2018

Die beiden US-Ökonomen wurden für ihre Arbeiten zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum geehrt. William D. Nordhaus und Paul M. Romer untersuchten in ihrer Forschung zuletzt vor allem den Einfluss von Klimawandel und technologischer Innovation auf das Wirtschaftswachstum. Ein Österreicher bleibt weiterhin nur Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis.

Stockholm. Der Nobelpreis für Wirtschaft geht in diesem Jahr an die beiden US-Ökonomen William D. Nordhaus und Paul M. Romer. Das gab die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm bekannt.

Nordhaus und Romer werden gemeinsam für ihre Arbeiten rund um Klimawandel und technologische Innovation ausgezeichnet. Ihre Forschung habe erheblich zu einem besseren Verständnis von nachhaltigem Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit Klimawandel und technischem Fortschritt beigetragen, erklärte die Akademie. Beide lehren an bekannten US-Universitäten. Der 1941 geborene Nordhaus ist Professor an der Yale University, Romer arbeitet an der Stern School of Business der New York University.

Die mit 9 Mio. schwedischen Kronen (862.000 Euro) dotierte Auszeichnung geht nicht auf das Testament des Erfinders Alfred Nobel zurück. Sie gilt daher nicht als klassischer Nobelpreis. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968 nachträglich. Verliehen wird er zusammen mit den traditionellen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

William D. Nordhaus erhielt im Jahr 2015 den Thomas C. Schelling Award des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ). Der Preis wird Personen verliehen, die mit ihrer Arbeit einen transformativen Einfluss auf die Politik haben.

Nordhaus hielt auch einen Vortrag im Jahr 2012 auf der IIASA-Konferenz. Er beschäftigte sich damals mit Klimaverträgen und der zentralen Rolle von Kohlenstoffpreisen.

Romer blickt neben seiner akademischen Laufbahn ebenfalls auf eine längere Berater-Karriere zurück. Er beschäftigte sich zum Beispiel mit Problemen der Wirtschaft in Entwicklungsländern, den besonderen Effekten der Verstädterung auf das Wachstum dort, Folgen technischer Neuerungen sowie der Verteilung des wirtschaftlichen Wohlstands.

Mit der Verleihung will die Stockholmer Akademie auch ein Zeichen setzen: "Wir müssen zusammenarbeiten, um globale Probleme zu lösen", sagte Komitee-Mitglied Per Strömberg. Nordhaus' und Romers Arbeiten seien wichtige Werkzeuge auch im Kampf gegen weitere Erderwärmung. Wie passend dazu veröffentlichte der Weltklimarat am Montag einen Report, der massive Schritte zur Begrenzung des Klimawandels fordert.

Romer gab sich zuversichtlich, dass die Menschheit die CO2-Emissionen reduzieren könne. "Es ergeben sich dabei einige Einschränkungen. Aber wenn wir einmal damit anfangen und versuchen, weniger Kohlendioxid freizusetzen, werden wir erstaunt sein, dass es nicht so schwierig ist wie gedacht." Mit richtigen Entscheidungen könne eine nachhaltige Wirtschaft entstehen, ohne dabei auf Wachstum verzichten zu müssen.

Die Basisliteratur

Für die Ökonomie-Studenten an den österreichischen Hochschulen ist Nordhaus ebenso kein Unbekannter. Seine "Volkswirtschafts-Bibel" namens "Economics", das Nordhaus als Co-Autor von Paul A Samuelson herausgibt, zählt auch an den heimischen Hochschulen zu den Standardwerken. Dem Großteil der Wirtschaftsstudenten in Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft oder Handelswissenschaften ist das im Jargon kurz als Werk "Samuelson/Nordhaus" bezeichnete Werk bestens bekannt, zählt es bereits im Grundstudium zur Basisliteratur. Samuelson, der im Jahr 2009 im Alter von 94 Jahren verstorben ist, hatte den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bereits im Jahr 1970 erhalten.

Das einst von Samuelson im Jahr 1948 geschriebene Lehrbuch wird weltweit an Universitäten eingesetzt.

Nordhaus habe "relativ früh" makroökonomische Kennzahlen, wie etwa das Bruttoinlandsprodukt (BIP) infrage gestellt und die Umwelt in die wirtschaftliche Betrachtung hingebracht, sagte IHS-Chef Martin Kocher .

Romer und Nordhaus haben nach Ansicht von IHS-Chef Kocher mit ihren Arbeiten zu Wachstum und Umwelt einen wichtigen Beitrag für die angewandte Ökonomie geliefert. Grundlagen der endogenen Wachstumstheorie von Romer würden beim IHS in der Praxis verwendet, etwa bei der Evaluierung von Politikmaßnahmen, sagte Kocher zur APA.

Die von Romer in den 1980er-Jahren mitbegründete endogene Wachstumstheorie erkläre, wie Wachstum auf der Mikroebene der Volkswirtschaft entstehe, so der IHS-Chef. Die Theorie beschäftige sich unter anderem mit technischem Fortschritt und Humankapital.

Seit der ersten Verleihung 1969 wurden vor allem Ökonomen aus den USA ausgezeichnet. Nur ein Österreicher wurde bisher geehrt: Friedrich August von Hayek wurde 1974 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und seine Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen ausgezeichnet

Einmal mehr leer ausgegangen ist der österreichische Verhaltensökonomen Ernst Fehr. Die Arbeiten des 62jährigen Wirtschaftsprofessor an der Universität Zürich werden in vielen Top-Journalen zitiert. Fehr sei "nobelpreiswürdig" und habe "gute Chancen", den Preis einmal zu bekommen, glaubt auch der IHS-Chef Kocher.

Im vergangenen Jahr hatte der US-Forscher Richard Thaler für seine Arbeiten zur Verhaltensökonomie die Auszeichnung bekommen. Seine Forschung, so die Jury, habe bedeutsam zum Verständnis der Psychologie im Wirtschaftsleben beigetragen.

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