Wirtschaftsnobelpreis geht an drei Arbeitsmarktökonomen

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an die Arbeitsmarktforscher David Card, Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens. Card widerlegte mit Experimenten die Meinung, dass eine Anhebung des Mindestlohns die Beschäftigung sinken lässt.

Die Wirtschafts-Nobelpreis-Preisträger 2021. Von links: David Card, Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens

Die Wirtschafts-Nobelpreis-Preisträger 2021. Von links: David Card, Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens

Die Arbeitsmarktforscher David Card, Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens werden mit dem Wirtschaftsnobelpreis 2021 ausgezeichnet. Alle drei Forscher "haben uns neue Erkenntnisse über den Arbeitsmarkt geliefert und gezeigt, welche Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung aus natürlichen Experimenten gezogen werden können", begründete die Akademie ihre Entscheidung. "Ihr Ansatz hat auf andere Bereiche übergegriffen und die empirische Forschung revolutioniert."

Viele der großen Fragen in den Sozialwissenschaften hätten mit Ursache und Wirkung zu tun - etwa, wie sich Einwanderung auf das Lohn- und Beschäftigungsniveau auswirke. Diese Fragen seien schwer zu beantworten, weil es dazu keine Vergleiche gebe. "Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn es weniger Zuwanderung gegeben hätte", so die Akademie. Die Preisträger hätten jedoch gezeigt, dass es möglich sei, solche und ähnliche Fragen mit natürlichen Experimenten zu beantworten.

Hauptpreisträger David Card

David Card erhält den Preis zu 50 Prozent. Der Wirtschaftsprofessor an der University of California in Berkeley kam 1956 im kanadischen Guelph in der Nähe von Toronto zur Welt. Für seine wissenschaftliche Karriere zog es ihn in die USA, wo er 1983 seinen Doktor an der Elite-Uni Princeton machte. Heute ist er neben seiner Professur an der University of California Direktor des Programms für Arbeitsstudien am wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitut NBER. Seine Forschungsinteressen umfassen unter anderem Einwanderung, Löhne, Bildung sowie geschlechts- und hautfarbenbedingte Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt. Der mehrfach ausgezeichnete Ökonom hat die amerikanische und kanadische Staatsbürgerschaft inne.

Ausgezeichnet wird Card für seine empirischen Beiträge zur Arbeitsökonomie. Er widerlegte mit seinen Experimenten die Meinung von Ökonomen, dass eine Mindestlohnanhebung zwangsläufig eine sinkende Beschäftigung zur Folge hat.

1993 veröffentliche Card gemeinsam mit Alan Krueger seine seither über 4.000 Mal zitierte Forschungsarbeit zu Mindestlöhnen und Beschäftigung. Basis dafür war eine vorangegangene Anhebung des Mindestlohns im US-Bundesstaat New Jersey von 4,25 Dollar auf 5,05 Dollar pro Stunde. Um die Auswirkungen des Gesetzes zu bewerten, analysierten Card und Krueger 410 Fast-Food-Restaurants in New Jersey und Pennsylvania vor und nach der Erhöhung des Mindestlohns. Sie verglichen Veränderungen bei Löhnen, Beschäftigung und Preisen in Geschäften in New Jersey im Vergleich zu Geschäften in Pennsylvania, wo der Mindestlohn bei 4,25 Dollar pro Stunde blieb. Die empirischen Ergebnisse der beiden Ökonomen stellte die Annahme der Standardtheorie infrage, dass eine Erhöhung des Mindestlohns zu einem Rückgang der Beschäftigung führt.

Zwei weitere Preisträger

Joshua Angrist vom Massachusetts-Institut für Technologie (MIT) erhält den mit zehn Millionen Kronen (knapp 1 Million Euro) dotierten Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften zu 25 Prozent. Angrist kommt aus dem US-Staat Ohio und machte seinen Doktor 1989 ebenfalls in Princeton. Der 1960 geborene Wissenschaftler lehrte bereits in Harvard und an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Er ist amerikanischer und israelischer Staatsbürger. Seit 1996 arbeitet er am renommierten MIT in der Nähe von Boston, wo er 2008 den Ford-Lehrstuhl als Professor für Wirtschaftswissenschaften übernahm. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Bildungsökonomik und Schulreformen, auf Sozialprogramme und den Arbeitsmarkt sowie die Auswirkungen von Einwanderung und Arbeitsmarktregulierungen.

Guido Imbens von der Stanford-Universität erhält den Preis ebenfalls zu 25 Prozent: Wie seine Mitpreisträger ist Imbens doppelter Staatsbürger: Er hat neben dem amerikanischen den Pass seiner niederländischen Heimat inne. Der in Eindhoven geborene 58-Jährige ist Fachmann für Ökonometrie und Statistik. Im Zentrum seiner Forschung stehen unter anderem kausale Zusammenhänge und die Entwicklung der Forschungsmethodik. Seit 2012 ist er in Stanford Professor für Angewandte Ökonometrie und Professor für Wirtschaftswissenschaften. Er ist seit fast zwei Jahrzehnten mit der Ökonomin Susan Athey verheiratet - Angrist war damals Trauzeuge auf der Hochzeit des Paares.

Der Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften wird seit 1968 verliehen. Traditionell geht er vor allem an aus den USA stammende oder dort forschende Wissenschaftler. Bisher war erst ein Österreicher unter den Preisträgern: Der liberale Ökonom Friedrich August von Hayek erhielt 1974 den Preis gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal für Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie. Im vergangenen Jahr erhielten die US-Wissenschaftler Paul Milgrom und Robert Wilson die Auszeichnung. Beide forschen auf dem Gebiet der sogenannten Auktionstheorie.

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