Wirtschaftskammer und IV: „Machtapparate mit Werbeeinschaltungen“

Wirtschaftskammer und IV: „Machtapparate mit Werbeeinschaltungen“

Cord Prinzhorn, Geschäftsführer der Prinzhorn Holding

Cord Prinzhorn, Chef der niederösterreichischen Prinzhorn Holding, Neos-Unterstützer und Sohn des früheren FPÖ-Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn, wettert im trend-Interview gegen die ineffizienten und überbürokratisierten Interessensvertretungen der Wirtschaft und der Industrie.

Cord Prinzhorn, Jahrgang 1972, leitet die Recycling-, Papier- und Verpackungsgruppe Prinzhorn Holding mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 5.700 Mitarbeitern in 14 Ländern. Er ist der Sohn des früheren FPÖ-Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn, der Anfang der 1990er-Jahre auch Präsident der Wiener Industriellenvereinigung war. Im Interview mit dem trend macht er seinem Unmut über ineffizienten und überbürokratisierten Interessensvertretungen der Wirtschaft Luft.

"Österreichische Behörden und Institutionen klammern sich an jede Möglichkeit, mehr zu verwalten", klagt Prinzhorn, der nun seiner eigenen Interessensvertretung, der Industriellenvereinigung (IV) Druck macht. Er zahlt bis auf weiteres nur noch ein Zehntel seines Mitgliedsbeitrags, Prinzhorn: "Ich habe ihnen mitgeteilt: Nur wenn ihr die neun Länderorganisationen auf drei reduziert, zahle ich wieder den vollen Beitrag. Die IV muss Vorbild sein und kann nicht für Strukturvereinfachung stehen, wenn sie selbst an neun Dienststellen mit Präsident und Geschäftsführer festhält. Ich kann es mir vor meinen Kunden und Mitarbeitern nicht erlauben, diese Verschwendung zu unterstützen.“

Auf die Frage, ob er auch mit den inhaltlichen Positionen seiner Interessensvertretung unzufrieden ist antwortet Prinzhorn, dass er eher mit der Vorgangsweise unzufrieden sei. Die IV neige dazu, Teil des Systems zu werden, sich mit der Politik ins Bett zu legen. Wenn man das mache, könne man von der Politik leichter vereinnahmt werden

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Eine Reaktion der IV auf die Reduzierung seiner Beitragszahlungen habe es bisher nicht gegeben, erklärt Prinzhorn. Doch auch die Arbeit der Wirtschaftskammer, die von der Wirtschaft über Umlagen finanziert wird befindet der Unternehmer für unzureichend. Prinzhorn: "Bei den Umlagen für die Wirtschaftskammer werde ich staatlich gezwungen. Aber wenn Herr Leitl von neuen Jobs spricht, kann ich nur sagen: Gäbe es eine Beamtenhaftung, dann würde sie in seinem Fall schlagend. Die Aufgabe der Wirtschaftskammer wird falsch wahrgenommen, die ist nur noch ein Machtapparat mit Werbeeinschaltungen. Die Wirtschaft profitiert von ihr schon lange nicht mehr. So wurde ein riesiger Verwaltungsapparat aufgebaut und wird jetzt mit Verfassungsrang erhalten. Das ist absurd.“

Lösungsvorschläge für die wirtschaftspolitischen Probleme des Landes gäbe es, meint Prinzhorn. Der Rechnungshof oder Agenda Austria hätten entsprechende Berichte vorgelegt. Er hält Österreich aber noch für zu bequem, um auf diese Vorschläge zu reagieren. Prinzhorn: "Ich fürchte, erst wenn der Leidensdruck groß genug ist, werden wir die Komfortzone verlassen."

Lesen Sie das ganze Interview mit dem Unternehmer Cord Prinzhorn in der trend-Ausgabe 06/2016.

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