Wirecard: 20 Millionen Euro für Ex-Vorstand Marsalek aus Libyen-Deal

Wirecard-Ex-Vorstand soll von der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) 20 Millionen Euro erhalten haben. Marsalek wollte eine Söldnertruppe in Libyen finanzieren. ÖVP und FPÖ bestreiten nun einst sehr gute Beziehungen zu den Wirecard-Vorständen Markus Braun und Jan Marsalek.

Wirecard: 20 Millionen Euro für Ex-Vorstand Marsalek aus Libyen-Deal

Wien/Aschheim. Der untergetauchte Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, der vor Jahren auch die Absicht zum Aufbau einer Miliz in Libyen gehabt haben soll, hat der "Financial Times" (FT) zufolge über einen durch die Kontrollbank besicherten Zementfabrik-Deal in Libyen 20 Mio. Euro erhalten. Bis 2015 soll die Libyan Cement Company (LCC) dem österreichischen Baustoffunternehmen Asamer gehört haben.

Bei den 20 Mio. Euro soll es sich um einen Schuldenerlass gehandelt haben, den - so die "FT" am Wochenende - "der österreichische Staat", also die auf Außenhandelsfinanzierungen spezialisierte Oesterreichische Kontrollbank (OeKB), im Jahr 2017 als Darlehen für LCC gewährt habe. Das Geld sei an den Österreicher Marsalek ausgezahlt worden, geht laut der Zeitung aus Unterlagen der Münchner Beratungsfirma Wieselhuber & Partner hervor, die für das Baustoffunternehmen Asamer gearbeitet habe.

Eine "Abschreibung wegen Uneinbringlichkeit" im Ausmaß von 20,768 Mio. Euro für Libyen scheint auch tatsächlich im Kontrollbank-Jahresbericht für das Jahr 2017 auf Seite 24 auf. "Ja, es hat damals einen Schadensfall in Libyen gegeben - der ist so wie alle Schadensfälle in verschiedenen Ländern im Geschäftsbericht ersichtlich", hieß es am Montag aus der OeKB zur APA.

Nähere Angaben zu Kundengeschäften oder Schadensfällen dürfe man nicht machen, man unterliege dem Bankgeheimnis, hält die OeKB schriftlich fest. Als Bevollmächtigte der Republik Österreich sei man mit der banktechnischen Behandlung von Haftungsübernahmen des Bundes betraut.

Indes haben in Wien am Montag sowohl ÖVP und FPÖ eigene Pressekonferenzen verantaltet, in denen die Parteien jeweils dem anderen die Nähe zu den wirecard mitsamt den Vorständen Markus Braun sowie Jan Marsalek vorgeworfen wurde. Die intensive Kontakte reichen demnach bis in die gemeinsame türkise-blaue ÖVP/FPÖ-Koaltion hinein. Braun wurde lange Zeit vor allem von den Türkisen hofiert. Braun hatte die ÖVP im Wahlkampf 2017 mit 70.000 Euro unterstützt, trat gemeinsam mit Sebastian Kurz auf und wurde nach dessen Einzug ins Kanzleramt Mitglied des dort eingerichteten "Think Tanks" des ÖVP-Chefs, der von der ehemaligen Boston Consulting Geschäftsführerin Antonella Mei-Pochtler bis heute geleitet wird.

Dicke Freunde für die Politik

Die türkise Vizegeneralsekretär Gaby Schwarz hat die Vorwürfe zurückgewiesen, dass Wirecard-Chef Braun als wirtschaftlichler Einflüsterer in der ÖVP Gewicht hatte. Schwarz meint, "dass Markus Braun kein ÖVP-Mann ist, sondern sich auch mit vielen anderen Menschen vernetzt hat". So habe Braun auch den NEOS 125.000 Euro gespendet und sei auch bei Veranstaltungen der Gattin des früheren SPÖ-Kanzlers Christian Kern aufgetreten.

Welche Verbindungen Brauns Kollege im Wirecard-Vorstand, Jan Marsalek, in der Zeit der türkis-blauen Regierung zu FPÖ-geführten Ministerien hatte, will Schwarz im "Nationalen Sicherheitsrat" besprechen. Die ÖVP hat dieses - geheim tagende und auf eine reine Beraterrolle reduzierte - Gremium einberufen. Es muss nun binnen zwei Wochen tagen. Ob Marsalek auch in den Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen werden könnte, ließ Schwarz offen.

Wie FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker trug Schwarz in der Pressekonferenz bereits bekannte Informationen vor. Etwa, dass Marsalek den früheren FP-Politiker Johann Gudenus mit Informationen über das BVT versorgt haben soll

Die Söldner-Connection

Nach REcherchen von "Financial Times" soll der flüchtige Wircard Ex-Vorstans Jan Marsalek wiederholt angegeben haben, an einer Zementfabrik in Libyen beteiligt gewesen sein, auf der 2017 russische Söldner stationiert waren. Dabei soll es sich um die Libyan Cement Company (LCC) im Osten des Landes gehandelt haben. Für Minenräumaktionen in diesen Industrieanlagen sei die russische RSB-Group, eine private Militärfirma, unter Vertrag genommen worden. Ein RSB-Sprecher erklärte, man wisse nichts über Marsalek und habe nur mit dem Direktor der LCC Kontakt.

LCC gehört laut "FT" heute der Libya Holding Group (LHG) in London und behauptet, von 15 Investoren aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt zu werden. Die LHG geht Partnerschaften mit Drittinvestoren ein, die eine Möglichkeit für Geschäftsbeteiligungen in Libyen suchen, bestreitet aber jegliche Verbindung zu Marsalek.

Jan Marsalek ist auf der Flucht und wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Als Wirecard-Manager hatte er offenbar weitreichende Kontakte in alle Richtungen - in die Politik, in die Wirtschaft und angeblich zu Geheimdiensten. Für Österreich wollte er das Migrationsproblem an der Südflanke Libyen mit einer eigens neu aufgestellten Söldnertruppe lösen. 15.000 Mann sollten mit seiner Hilfe unter Waffen gestellt dort aktiv eingesetzt werden. Eine Vorhut bildete demnach bereits eine russische Söldnertruppe. Auf einer Zementfabrik in Libyen, die Marsalek als Miteigentümer gehört hat, sollen die Russen bereits Camp bezogen haben.

Vor dem Kauf durch LHG 2015 soll die Zementfabrik Asamer gehört haben. Die "FT" schreibt, dass fünf verschiedene Quellen in Österreich, Deutschland, Libyen und Russland sagen würden, Marsalek habe angegeben, er sei einer der neuen Eigentümer der LCC.

Die LCC gehörte früher tatsächlich mehrheitlich zu Asamer. Das oberösterreichische Unternehmen war in früheren Jahren - vor der dortigen Revolution - mit drei Zementwerken in Libyen aktiv: in Benghazi, Hawari und Al-Fataiah, wie Recherchen der APA ergaben. "Die Geschäftstätigkeiten in Libyen wurden von der Asamer Holding AG (Rechtsnachfolgerin QuadraCir AG "in Liqu.") betrieben und stehen in keinem Zusammenhang mit der Asamer Baustoffe AG", teilte eine Unternehmenssprecherin am Montag auf Anfrage mit.

Die Zement-Connection von Marsalek

2014 gab es eine Restrukturierung bei Asamer - die Gruppe stand vor der Pleite, wurde filetiert und mit Hilfe von Banken saniert. Im Zuge der Neuformierung wurde die Asamer Baustoffe AG (ABAG-Gruppe) gegründet, die ihren Sitz im oberösterreichischen Ohlsdorf hat. Alle gewinnbringenden Teile wurden darin zusammengefasst, die anderen Unternehmen inklusive Libyen-Geschäft gingen an die QuadraCir.

Im Zuge der Sanierung von Asamer ging die Libyan Cement Company (LCC), die zu 50,4 Prozent der Asamer-Gruppe gehörte (der Rest sei von Mitarbeitern und dem libyschen Staatsfonds ESDF, Economic and Social Development Fund gehalten worden), an die Libya Holding Group (LHG), einen Finanzinvestor mit Sitz in London, wie ein Sprecher der QuadraCir Group der APA Montagnachmittag bestätigte. "Und der Marsalek ist in dem Zusammenhang nie aufgetaucht", dementierte der Sprecher zugleich einen Konnex zu dem international gesuchten Manager aus Österreich. "Unser Ansprechpartner bei LHG war Ahmed Ben Halim, der Chef von dem, und wen er als Investoren dahinter hat, entzieht sich unserer Kenntnis und ist uns ehrlich gesagt egal", so der Sprecher lapidar.

Laut ABAG-Homepage wurde aus der ehemaligen Asamer Holding AG die QuadraCir AG "in Liqu.", also in Liquidation. Ein Blick ins Firmenbuch ("Wirtschafts-Compass") zeigt, dass die QuadraCir AG "in Liqu." nicht mehr existiert: "Firma gelöscht", heißt es da. Allerdings gibt es noch eine QuadraCir Beta GmbH, eine QuadraCir Beteiligungs GmbH, eine QuadraCir Delta GmbH und eine QuadraCir Gamma GmbH.

Die Ausgliederung der Asamer Baustoffe AG begleitete der frühere Asamer-Baustoffe-AG-Finanzvorstand Jörn Trierweiler, der dann Vorsitzender der Geschäftsführung der QuadraCir-Gruppe wurde, wie aus einer Pressemitteilung vom 3. März 2015 auf der ABAG-Homepage hervorgeht. "Da dieser Prozess nun erfolgreich abgeschlossen ist, wird er (Trierweiler, Anm.) sich nun ausschließlich auf "die Abwicklung der QuadraCir-Gruppe konzentrieren". Durch die Ausgliederung der Asamer Baustoffe AG im Rahmen der Restrukturierung in 2014 "wurden sämtliche Verflechtungen zur QuadraCir-Gruppe, der ehemaligen Asamer Holding, gelöst", heißt es in der Aussendung vom März 2015 weiters.

Das damals neu etablierte Management bei der Asamer Baustoffe AG - Klaus Födinger war Vorstandssprecher und Markus Richter Finanzvorstand - wurde inzwischen ausgetauscht. Seit 2017 ist Harald Fritsch Alleinvorstand.

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