"Wir verpulvern Millionen ohne ökologischen Erfolg"

Leo Windtner, Chef der Energie AG

Leo Windtner, Chef der Energie AG

Leo Windtner stand 22 Jahre an der Spitze des oberösterreichischen Energieversorgers Energie AG. Ende Februar tritt er in den Ruhestand. Im trend-Interview kritisiert er überbordende Umweltauflagen bei Wasserkraftwerken.

trend: Die Regierung will 100 Prozent Eigenstromversorgung bis 2030. Und das noch dazu aus möglichst erneuerbaren Quellen. Ist das machbar aus Ihrer Sicht?
Leo Windtner: Wir sind schon bereit, den Weg zu gehen. Aber dazu müssten Kostentransparenz und Technologieneutralität bei den Förderungen einkehren. Manche alternativen Energieträger wurden in der Vergangenheit massiv überfördert. In Deutschland sind die Ökostromförderungen höher als der Strompreis. Auch in Österreich geht die Tendenz in diese Richtung, da gibt es keine Zweifel. Obman damit tatsächlich bis 2030 vollkommen auf erneuerbare Energien umstellen kann, lasse ich mal offen.

trend: Also Förderungen für alle Arten der Stromerzeugung -ist das die Konsequenz, die Sie wollen?
Windtner: Wenn man berücksichtigt, welchen Beitrag gerade die Wasserkraftwerke zur nachhaltigen Absicherung der Stromaufbringung leisten, dann ist die Forderung absolut legitim.

trend: Das würde das System aber noch teurer machen.
Windtner: Natürlich - wir sind ja auch eigentlich der Ansicht, dass die Förderlandschaft eher verflacht werden muss, und zwar für alle. Der wesentliche Punkt ist aber eher, dass die Rahmenbedingungen in der E-Wirtschaft vernünftig gestaltet werden.

trend: Was meinen Sie da konkret?
Windtner: Dass etwa die Genehmigungsverfahren Jahrzehnte dauern, das ist ein heller Wahnsinn. Die Parteienstellung kann nicht so erweitert werden, dass etwa jeder Unbeteiligte aus dem Burgenland beeinspruchen darf, was bei einem Kraftwerk in Salzburg zu geschehen hat. Das ist total überzogen, da hat man sich in den letzten Jahren geradezu verrannt. Man muss zurückkehren zum Hausverstand.

trend: Geben Sie uns doch ein praktisches Beispiel.
Windtner: Wir haben Auflagen, die teils fernab jeder Praxisnähe sind, und verpulvern zig Millionen für Maßnahmen, die vollkommen jenseits jeder Proportionalität zum ökologischen Erfolg sind. So mussten wir etwa für ein Wasserkraftwerk um fast eine Million Euro eine echte Liftanlage bauen, mit der Fische hydraulisch über ein Wehr gehoben werden. Ich habe volles Verständnis für alle Anliegen der Umweltschützer, aber es muss doch ein verträgliches Maß einfließen. Wenn man sich vorstellt, dass etwa das Kraftwerk Sohlstufe Lehen wegen eines einzigen Bibers jahrelang verzögert wurde, fragt man sich wirklich: Wo ist der Hausverstand geblieben?

trend: Eine intakte Umwelt sollte uns doch etwas wert sein, sagt zumindest der Hausverstand vieler Naturschützer.

Windtner: Es geht eher um fortgesetzte widersprüchliche Anforderungen an die E-Wirtschaft, da ist auch das neue Koalitionsprogramm keine Ausnahme. Auf der einen Seite verlangt man von uns die Erfüllung der Wasserrahmenrichtlinie, die österreichweit 400 Millionen Euro und den Strom für 60.000 Haushalte kostet. Andererseits will man bis 2030 mehr Strom aus Wasserkraft. Da beißt sich die Politik in den Schwanz.

Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft

Operation Siemens: CEO Kaeser will Konzern agiler machen

Ex-VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech: Unter ihm wurde Ducati im April 2012 übernommen.

Wirtschaft

Umbau im VW-Konzern: Ducati-Verkauf wird überlegt

Wirtschaft

Air Berlin im Tal der Tränen: 782 Millionen Verlust