Martin Winterkorn bleibt VW-Chef

Martin Winterkorn bleibt VW-Chef

So sieht ein Sieger aus: Martin Winterkorn bleibt der Chef bei Volkswagen.

Die Würfel im Machtkampf des VW-Konzerns sind gefallen. Der bisherige CEO Martin Winterkorn bleibt Konzernchef. Er bekommt sogar noch eine Vertragsverlängerung. Der Aufsichtsrat hat ihm die "uneingeschränkte Unterstützung" zugesagt. Für den Chef im VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piech ist das just an seinem 78. Geburtstag eine herbe Niederlage.

Salzburg/Wolfsburg. Das sechsköpfige Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen hat Donnerstag auf Freitag einen Schlussstrich gezogen um den mittlerweile eine Woche tobenden Machtkampf um die Führungsspitze zu beenden. Martin Winterkorn bleibt Chef von Europas größtem Autokonzern, der weltweit knapp hinter Toyota noch auf Rang zwei liegt. Und noch eine Überraschung: Der 67-jährige Winterkorn bekommt noch eine Vertragsverlängerung über das bisheriger Vertragsende 2016 hinaus.

Damit ist Winterkorns Position gestärkt, der bereits seit über 35 Jahren im VW-Konzern beschäftigt ist. Er geht aus dem Machtkampf mit dem VW-Patriarchen Ferdinand Piech sogar gestärkt hervor, der just heute an seinem 78. Geburtstag eine Schlappe einstecken muss.

VW hat einer einer Aussendung erklärt, das "Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist". Das VW-Präsidium hat Winterkorn "uneingeschränkte Unterstützung" zugesichert. Winterkorn solle seine Funktion weiter "so aktiv und erfolgreich verfolgen" wie bisher. In der Februar-Sitzung 2016 des Aufsichtsrats soll Vertrag des VW-Chefs verlängert werden.

Zum inneren Zirkel des VW-Aufsichtsgremiums mit seinen insgesamt 20 Aufsichtsräten zählen sechs starke Männer, die die Geschicke des VW-Konzern mitlenken: Ferdinand Piech (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Osterloh-Vize Stephan Wolf.

5 : 1

Die Familien Porsche und Piech haben eine Vereinbarung, dass keiner den anderen überstimmen kann. Winterkorn bekam in den vergangenen Tagen von den anderen fünf Aufsichtsräten zum Teil offene Sympathie und Rückendeckung zugesprochen. Piech war zuletzt mit der Performance der VW-Kernmarke vor allem in den USA, aber auch in Brasilien, China und Russland unzufrieden und hatte Winterkorn schon seit Jahresbeginn zum Teil auch in der Öffentlichkeit immer wieder widersprochen. Dies hatte Beobachter aufgeschreckt, schienen Piech und Winterkorn das perfekte Duo zu sein.

Zuletzt hatte somit auch die Ertragskraft der Kernmarke VW das Ziel verfehlt: Statt sechs Prozent blieben zuletzt nur magere 2,5 Prozent vom Umsatz als Betriebsgewinn hängen. Und das Ziel, Toyota als Weltmarktführer abzulösen, schien bereits zu bröckeln. Nur noch einen Hauch trennt den deutschen Automobilriesen vom Spitzenplatz. Was aber auch ein Verdienst von Winterkorn ist. Er hatte sei 2007, als es vom Chefposten bei Audo in die Konzernzentrale wechselt, den Konzern kräftig ausgebaut. Zwölf Automarken sind heute unter dem Dach des VW-Konzerns.


Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG stellt fest, dass Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist.

Fünf von sechs Mitgliedern im sechsköpfigen Präsidium des Aufsichtsrats hätten sich demnach auch am Donnerstagabend in der außerordentlichen Sitzung des Präsidiums des VW-Aufsichtsrats für den Konzernchef ausgesprochen. Und damit gegen Piech gestellt, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. "Das ist offenkundig eine klare Niederlage für Herrn Piech", sagte eine weitere Person.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Weil hat die Debatte um die Führungsspitze bei Volkswagen für beendet erklärt. "Die Diskussionen der vergangenen Woche waren nicht gut für Volkswagen", sagte Weil, der Mitglied im Präsidium des VW-Aufsichtsrats ist, am Freitag in Köln. "Ich glaube, mit dem gestrigen Beschluss ist diese Diskussion nun beendet."

Der heute 78 Jahre alt gewordene VW-Patriarch Piech hatte den Machtkampf angezettelt. Vorige Woche hatte der VW-Grande seinem einst kongenialen Partner Winterkorn über die Medien das Vertrauen entzogen und die größte Führungskrise in der Geschichte des deutschen Autokonzerns ausgelöst. Dem deutschen Magazin "Spiegel" hatte Piech verraten, er sei "auf Distanz zu Winterkorn" gegangen. Eine Aussage, die VW-Kenner, vor allem Manager und Aufsichtsräte des Konzerns als klare Kampfansage betrachtet haben an dessen Ende nur ein Gewinner namens Piech stehen würde.

Am gestrigen Donnerstag war das Präsidium des VW-Aufsichtsrats am Sitz des 78-jährigen Firmenpatriarchen in Salzburg zusammengekommen, um eine Lösung zu finden. Zuvor wurden die Chancen Winterkorns für einen Verbleib im Unternehmen gering eingeschätzt. Es wurden bereits sechs Kandidaten aus dem VW-Konzern als verheißungsvolle Nachfolger gehandelt - darunter Audi-Chef Rubert Stadler sowie Porsche CEO Matthias Müller.

Die Börse hat die Entscheidung zugunsten Winterkorns zunächst goutiert: Der Aktienkurs von VW hat kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung um drei Prozent zugelegt. Bis 13 Uhr ist der Kurs jedoch wieder abgesackt und notierte mit rund 0,5 Prozent niedriger als zum Schlusskurs am Donnerstag.

"Schlacht" bei VW nicht zu Ende

Der Machtkampf bei Volkswagen ist aus Sicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer trotz des Festhaltens an Vorstandschef Martin Winterkorn noch nicht zu Ende. "Die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen", sagte der Experte von der Uni Duisburg-Essen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Dudenhöffer hatte Winterkorn in den vergangenen Tagen bereits abgeschrieben. Nun bezeichnete er die geplante Vertragsverlängerung als "Etappensieg" für Winterkorn.

Die VW-Mitteilung sei ein "Signal, um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen". Wie es nun mittelfristig weitergehe, müsse sich allerdings erst noch zeigen. "Noch ist ja kein Vertrag unterzeichnet, das ist nur eine Willensbekundung. Piech wird sich das bis dahin weiter genau angucken." Winterkorn sei noch immer angezählt und stehe unter genauester Beobachtung Piechs.

"Winterkorn hat erstmal gewonnen - das ist eine Überraschung. Offenbar hat man keinen geeigneten Kandidaten als Alternative gefunden, und der Konzern-Betriebsrat hat sich vielleicht mit der Porsche-Familie verbündet. Sie wollten Martin Winterkorn wohl nicht so einen Abschied bescheren nach dieser Lebensleistung", kommentierte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management die Personalia. Es sei eine Überraschung, dass Piech zurückstecken muss. Aber es sei klar, dass es ein gewisser Makel sei, dass er offenbar weiter nicht mehr hinter ihm stehe. Das sei nach wie vor eine Belastung für Winterkorn.

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