Windkraft: EU will Fördererparadies für Austro-Betreiber ein Ende setzen

Windkraft: EU will Fördererparadies für Austro-Betreiber ein Ende setzen

Die EU fordert mehr Wettbewerb von Betreibern für Windkraftanlagen.

In Deutschland wackeln bei Windparkbetreibern rund 20.000 Jobs. Die Goldgräberstimmung der vergangenen Jahre ist seit 2017 vorbei. Seither verlangt die Regierung, dass sich Anlagenbauer dem Wettbewerb stellen. Diese Entwicklung ist auch in Österreich absehbar, denn die EU will die Förderlandschaft der Branche schon bald mit schärferen Regeln umkrempeln.

Im Bereich Windenergie weht seit dem Vorjahr ein strenger Wind. In diesem Fall zum Missfallen der Branche. Vorerst allerdings nur in Deutschland, wenn auch vereinzelt mit Auswirkungen auf Österreich. So ging Ende März 2018 die Firma WKF, ein burgenländischer Zulieferer für Windenergiekomponenten, pleite. Einer der Hauptgründe: Rückläufige Aufträge aus Deutschland.
Doch der raue Wind, der in der Branche losgebrochen ist, könnte schon bald auch in Österreich wehen, wenn die nun vorgestellte Klima- und Energiestrategie der Regierung einen weiteren Ausbau alternativer Energie vorsieht.

20.000 Jobs wackeln

In Deutschland gerät die Branche, nach gewaltigen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren, ordentlich ins Wanken. Selbst große Windparkbetreiber wie Prokorn, mit 340 Anlagen, schlitterten bereits in die Pleite. Alleine von dieser Insolvenz waren 75.000 Anleger in Form von 1,4 Milliarden Euro Genussrechten betroffen. Das Geschäft ist längst ein Milliarden-Business geworden, in dem viel Geld verdient worden ist. Die Goldgräberstimmung ist nun aber auch beim Hamburger Windkraftanlagenbauer Senvion vorbei. 650 Mitarbeiter sollen abgebaut werden. Senvion begründet den Stellenabbau damit, dass sich der Markt dramatisch verändert habe.
Laut Berechnungen des deutschen Bundesverbandes für Windenergie wackeln in der Branche 20.000 Jobs. Denn der Markt wird reifer, die globale Konkurrenz nimmt zu, Innovationen werden wichtiger und nun dürften neue gesetzliche Regelungen den deutschen Windparkbetreibern massiv zusetzen. "Das liegt vor allem an den großen Unsicherheiten, die das neuen Fördersystem mit sich bringt", sagt Martin Fliegenschnee von der österreichischen Interessensvertretung IG Windkraft.

Der billigste Anbieter erhält den Zuschlag

In Deutschland herrscht mittlerweile aufgrund der neuen Vergabe-Regeln, die seit Anfang 2017 gelten, ein harter Wettbewerb. Das Grundprinzip: „Wer am billigsten Windstrom in das Netz einspeist, kriegt den Zuschlag für ein neues Projekt“, erläutert Harald Proidl, Leiter der Abteilung Energieeffizenz der E-Control. Das bedeutet: Erstmals gibt es damit einen Wettbewerb unter den Anbietern. Die Folge: Die Einspeistarife der Windanlagenbetreiber sind, da die Kosten für den gesamten Lebenszyklus einer Anlage berechnet werden, auf deutlich unter 8 Cent/kWh gesunken.
Derzeit wird Strom, der nicht aus erneuerbaren Energie stammt, im Großhandel im Schnitt um drei Cent/kWh verkauft.

Bisherige Förderung nicht mehr zeitgemäß

Hintergedanke der deutschen Regierung bei der neuen Vergabe-Regel: Viele Windparkbetreiber haben sich bereits etabliert. Betreiber würden nur noch den staatlich festgelegten Abnahmepreis fordern und den eigenen Gewinnanteil herausrechnen. Das ist nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums, - nach der großen Förderwelle der vergangenen Jahre, nicht mehr zeitgemäß. Und Kostendruck sei auch ein Innovationstreiber. Dem widerspricht IG-Windkraft-Sprecher Fliegenschnee: "Vielmehr waren Innovationen in den vergangenen Jahren durch den rasch fortschreitende Ausbau indiziert." Durch die vielen neuen Erfahrungen mit Windkrafttechnik sei die Entwicklung sogar schneller vorangetrieben worden, als ursprünglich erwartet. Eine Folge hat die neue Ausschreibungspraxis jedoch bereits gezeitigt: Die Strompreise für neue Windanlageobjekte sind gefallen.

Neuer Ausbaurekord nur Vorzieheffekt?

Die Windkraftbetreiber in Deutschland haben in den vergangenen Jahren massiv Geld in den Ausbau von Windstrom gebuttert. Zwischen 2014 und 2016 wurden 12.500 Megawatt in Betrieb genommen. Die deutsche Regierung hatte nur 7.500 Megawatt eingeplant. Heuer dürfte mit rund 5.000 Megawatt sogar ein neuer Rekordzuwachs erreicht werden. 2019 könnte sich das Blatt jedoch wenden. "Die jüngsten Rekorde sind nur wegen des neuen Fördersystems zustande gekommen und waren Vorzieheffekte ", glaubt Fliegenschnee. Die Entwicklung 2019 ließe sich nur schwer prognostizieren. Die Schätzungen der Branche schwanken zwischen einem Ausbau zwischen 300 und 1000 Megawatt. Denn die Projekte, die nach den neuen Fördergesetzen umgesetzt werden, sollen erst in vier Jahren an den Start gehen.

EU moniert fehlenden Wettbewerb in Österreich

Eine ähnlicher Wettstreit unter den Anlagenbetreibern um neuen Projekte ist auch in Österreich absehbar. „Die EU empfiehlt seinen Mitgliedsstaaten seit längerem für neue Projekte einen Auktionsmechanismus einzuführen“, so der Energieprofi von E-Control. Ein Bieterverfahren ist deshalb auch in Österreich absehbar. Bewegung in die Sache kommen dürfte spätestens Ende 2018, wenn die EU unter dem Titel „Clean Energy Package“, neue Richtlinien zur Umsetzung der Energieunion ausgibt, die dann in nationales Recht umzusetzen sind. „Dabei werden wohl auch für Österreich bei der Vergabe von Projekten Regeln, die auf einer marktwirtschaftlichen Auswahl basieren, erfolgen“, erwartet Proidl.
Die fix garantierten Einspeistarife könnten, im Gegensatz zu Deutschland, aber weiterhin bestehen bleiben. Doch aufgrund strengerer Vergaberichtlinien dürfte der Wind über kurz oder lang dennoch auch in der österreichischen Windenergiebranche rauer werden.

Bieterwettstreit sorgt für Konsolidierung in der Branche

Eine ähnliche Entwicklung ist auch für österreichische Windkraftanlagenbetreiber denkbar. Denn auch die EU fordert, dass potentielle Betreiber untereinander in einen Wettbewerb treten sollen. Deutschland ist dieser Empfehlung Brüssels, die derzeit noch nicht in einer rechtsverbindlichen Richtlinie gegipfelt ist, freiwillig gefolgt. Derzeit reicht es eine Windanlage von der Ökostromabwicklungsstelle nach den entsprechenden Vorgaben ordnungsgemäß einzureichen, um eine Förderung zu lukrieren. Sich im Zuge dessen einem Bieterwettbewerb oder ähnlichem zu stellen, ist derzeit nicht vorgesehen.

Fördertöpfe in Österreich bereits leergeräumt

Das Geschäft mit den Windanlagen in Österreich floriert jedenfalls. Um neue Windanlagen bauen zu können, hat die Regierung zuletzt einen Sondertopf von 45 Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, genehmigt. Betreiber, die einen Zuschlag erhalten, bekommen nicht nur eine Förderung für die Errichtung, sondern auch einen über 13 Jahre garantierten fix festgelegten Einspeistarif. Dieser beträgt, wenn die Anlage 2018 genehmigt wird, 8,20 Cent/kWh. In der Vergangenheit betrug der Tarif 9,27 Cent.
Trotz sinkender Einspeistarife scheint sich das Geschäft nach wie vor zu lohnen. „Sonst wären die Fördertöpfe nicht bereits leergeräumt“, resümiert erklärt Harald Proidl, Leiter der Ökoenergiestelle der Energieregulierungsbehörde E-Centrol. Nicht nur der Preis für den Ökostrompreis ist fix auch dass dieser während der 13-jährigen Laufzeit abgenommen wird. „Ökostrom wird vorrangig ins Netz eingespeist, egal ob der Strom gebraucht wird oder nicht“, so Proidl.


Gute Planbarkeit von Projekten ist damit dahin

Vom neuen Fördersystem in Deutschland hält Interessensvertreter Fliegenschnee wenig. "Die bisher gute Planbarkeit von Projekten ist damit dahin." Das sei den vielen unterschiedlichen Ausgangslagen bei jedem einzelnen Projekt geschuldet und dem unterschiedlichen Planungszeitraum für jedes Projekt. So hänge die Realisierung eines Windparks davon ab, ob es im Gebirge oder in der Ebene gebaut wird, der Windstärke oder etwa von den Pachtverträgen. Ein Projekt dauert bis es eingereicht werden kann zwischen zwei und im Extremfall bis zu neun Jahre. Weltweit gibt es rund 30 Ausschreibungssysteme und keines ist effizient", so der IG-Windkraft-Sprecher.

Windenergiebetreiber soll Strom selbst über Börse handeln

"Die IG Windkraft wehrt sich jedoch nicht gegen eine Annäherung an die Marktgegebenheiten", so Fliegenschnee, plädiert aber darauf, dass sich der Markt wie Strombörse nahezu selbst regelt. Auf diesen Preis sollen Anbieter von Windstrom vom Staat einen Aufschlag bekommen. "In Europa wird dieses Modell in einzelnen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt". Derzeit ist der Großhandelspreis stark vom stark subventionierten Kohlestrom getrieben. Die Förderungen für Kohle ist laut Fliegenschnee doppelt so hoch wie für Ökostrom. Auch Atomstrom, durch den rund ein Viertel des Strombedarfs in Europa deckt, wird übrigens subventioniert. "Einen Ausstieg aus diesen Förderungen ist nicht einmal geplant", ärgert sich der IG-Windkraft-Mann.

Ganz ohne Förderung wird es auch in Zukunft in jedem Fall für den Windstrom nicht gehen, schätzt Öko-Energieprofi Proidl. „Da es laut Regierungsprogramm Ziel ist den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie zu erzeugen, werden auch weniger effiziente Standorte für den Betrieb von Windanlagen benötigt werden.“ Das wiederum führe an diesen Standorten zu höheren Kosten. Derzeit ist der weitaus überwiegende Teil der Windparkanlagen im Burgenland und dem östlichen Niederösterreich.

Betreiber alter Anlagen müssen jedoch nicht um Förderungen bangen. Denn Anlagenbetreiber erhalten den Fixabnahmepreis jeweils für 13 Jahre garantiert. Wenn also jemand 2015 eine neue Windenergieanlage in Betrieb nimmt, bekommt er bis 2028 die garantierte Unterstützung. In Summe subventionieren Österreichs Stromverbraucher die Wind-Branche mit 250 Millionen Euro jährlich.

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