WIFO-Studie: Digitalisierung ist kein Jobkiller

WIFO-Studie: Digitalisierung ist kein Jobkiller
WIFO-Studie: Digitalisierung ist kein Jobkiller

Das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) hat die Auswirkungen der Digitalisierung untersucht. Die Angst vor einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen ist demnach unbegründet. Im Gegenteil: Die Studie zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen Digitalisierung und regionalem Beschäftigungswachstum.

Unaufhaltsam hält die Digitalisierung Einzug in alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Und entzweit damit die Menschheit. Während die einen den Fortschritt feiern, befürchten die anderen dadurch schlimmes.

"Die volkswirtschaftlichen Effekte der Digitalisierung kann man auf lange Sicht tatsächlich schwer überschätzen", kommt das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) in seiner neuen Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung zum Schluss. Ähnlich der Elektrizität im vergangenen Jahrhundert werde sie zunehmend allgegenwärtig und bilde die technologische Grundlage für eine bereits unüberschaubare Vielfalt von Anwendungen. Als "Dritte Industrielle Revolution", so das Wifo, wird ihre Bedeutung zu Recht im historischen Maßstab gemessen.

Was aber passiert mit unseren Arbeitsplätzen? Wird die Welt in Zukunft tatsächlich von Robotern regiert? Müssen wir um unsere Daseinsberechtigungen fürchten? Nein, kommen die Studienautoren zum Schluss und geben Entwarnung. Durch die Digitalisierung werden bestehende Berufe in der Regel nicht obsolet, aber es verschieben sich Arbeitsinhalte von Routine zu Nicht-Routine Tätigkeiten. Berufe mit vornehmlich analytischen und interaktiven Tätigkeiten stellen dabei höhere Ansprüche an die Kompetenzen und formale Qualifikation der Beschäftigten.

Bildung als Wettbewerbsfaktor

Der Wert der beruflichen Ausbildung steigt dagegen weiter an. Eine Polarisierung der Beschäftigung zu Lasten der Arbeitskräfte mit mittlerer Qualifikation zeichnet sich der Studie zufolge in Österreich bisher nicht ab. Als wahrscheinlicher Grund dafür wird ist die gute Differenzierung der mittleren Ausbildung gesehen. Weiter unter Druck werden dagegen manuelle Routine-Tätigkeiten geraten. Viele dieser heute noch von vorwiegend gering qualifizierten Arbeitskräften geleisteten Tätigkeiten werden wegfallen, wodurch ein weiterer Rückgang der Beschäftigung und Druck auf den Arbeitsmarkt zu erwarten ist.

Ein Vergleich von Kennzahlen zum Grad der Digitalisierung mit den Pro-Kopf Einkommen sowie anderen Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit wie zum Beispiel der Arbeitsproduktivität oder dem Humankapital zeigt, dass die Digitalisierung ein unabdingbarer Bestandteil leistungsfähiger Wirtschaftssysteme ist. Umso schwerer wiegt dem WIFO zufolge, dass Österreich im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung im Rückstand liegt und gemessen am Pro-Kopf Einkommen nur unterdurchschnittliche Werte aufweist.

Eine wesentliche Folge der Digitalisierung besteht darin, dass der Wirkungsradius von Unternehmen aufgrund der geringeren Kosten für Information und Kommunikation größer, aber dadurch auch die Konkurrenz intensiver wird. Entsprechend steigen die Anforderungen an die „Digitale Intelligenz“ als Wettbewerbsfaktor.

In Zukunft werden Effizienz, Effektivität und Geschwindigkeit bei der Umsetzung der diversen Maßnahmen entscheiden, welche Wirtschaftsräume zunehmend unter Druck geraten und welche Länder und Regionen die Chancen der Digitalisierung für mehr Wachstum, höhere Realeinkommen und gesellschaftlichen Wandel nutzen können.

Problemfeld Breitbandausbau

Im Zuge der von der Telekom Austria in Auftrag gegebenen Studie wurden auch die Bedeutungen von Technologie und verfügbarer Infrastruktur untersucht. Das Breitband-Internet gilt als das Rückgrat der Digitalisierung schlechthin. Michael Peneder, Experte für Industrieökonomie und Innovation, erklärte, dass die Investitionen der Telekom-Branche in Österreich über dem Durchschnitt anderer Branchen liegen. Im internationalen Vergleich liegen die Investitionen jedoch deutlich hinter Ländern wie Schweden oder der Schweiz zurück.

Am weiteren Ausbau der Breitband-Infrastruktur führe kein Weg vorbei. Generell seien Länder mit hohen Einkommen auch höher digitalisiert. Gemessen am BIP-pro-Kopf liege Österreich hier aber zurück. Vor allem der Anteil von schnellem Breitband sei gering. Statt nach neuen Förderungen ruft Peneder jedoch nach mehr Effizienz, Effektivität und Geschwindigkeit bei der Umsetzung der bereits in Aussicht gestellten Maßnahmen.

Wifo-Chef Karl Aiginger betonte, dass die mit der Digitalisierung einhergehenden Änderungen nicht abrupt eintreten würden und gestaltbar seien, besonders die gesellschaftlichen Auswirkungen. Digitalisierung könne gesellschaftliche Probleme verschärfen - aber auch lösen. Bei der Digitalisierung Österreichs sieht Aiginger ein ähnliches Bild wie bei Forschung, Bildung und Umwelt. Österreichs Position liege im europäischen Mittelfeld - mit zu wenig Ehrgeiz, ins Spitzenfeld vorzudringen. Der Wifo-Chef hofft, dass der Breitband-Ausbau künftig schneller als bisher vorankommt: "Ich sehe mehr Verständnis, mehr Bewusstsein, dass wir ein Problem haben."

Als enorm hilfreich für den Fortschritt des Landes wird die derzeit in der Ausschreibung befindliche Breitband-Milliarde des Infrastrukturministeriums gesehen. Laut der Wifo-Studie könnte sie bis zu 1,2 Milliarden Euro an verbundener Wertschöpfung bringen und 14.700 Beschäftigte auslasten.


Service

Studie "Österreich im Wandel der Digitalisierung

Studie von Michael Peneder, Julia Bock-Schappelwein, Matthias Firgo, Oliver Fritz, Gerhard Streicher; Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung; August 2016; 131 Seiten

Download der Studie

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