Wifo-Prognose: Schleppendes Wirtschaftswachstum bis 2019

Wifo-Prognose: Schleppendes Wirtschaftswachstum bis 2019

OMV-Arbeiter im Bezirk Gänserndorf: Bis 2018 erwartet das Wifo eine Arbeitslosenzahl von 327.000, 53.000 mehr als noch 2014.

Durchwachsene Aussichten für Österreichs Wirtschaft: In den kommenden fünf Jahren wird das BIP jährlich um rund 1,25 Prozent wachsen, so eine mittelfristige Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Die Arbeitslosenzahlen werden bis 2019 ansteigen, die Position am Exportmarkt wird Österreich nicht halten können.

Das reale BIP dürfte sich damit ähnlich wie im Durchschnitt der Eurozone entwickeln. Für die Periode 2010 bis 2014 wird der durchschnittliche Anstieg des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 1,3 Prozent pro Jahr angegeben.

"Das geringe Tempo der Erholung in Österreich geht in erster Linie auf eine schwache Exportdynamik zurück, bedingt durch das niedrige Wachstum bei den Haupthandelspartnern", heißt es beim Wifo. Dadurch bleibe die Investitionsbereitschaft der Unternehmen trotz niedriger Zinssätze gedämpft und die Entwicklung der Einkommen und des privaten Konsums verhalten.

Arbeitslosigkeit wird ansteigen

Rund 40 Prozent der österreichischen Exporte gehen in den Euro-Raum. Das WIFO erwartet für diesen Wirtschaftsraum weiterhin eine schwächelnde Entwicklung. Von 2015 bis 2019 werden die realen Exporte um 3,2 Prozent pro Jahr ausgeweitet. Von 2010 bis 2015 waren es noch 4,4 Prozent jährlich. Deshalb wird die österreichische Exportwirtschaft die internationale Marktposition nicht halten können.

Die leichte Expansion der Wirtschaftsleistung ermögliche zwar eine Ausweitung der Beschäftigung um 0,8 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019, bringe aber keine Entspannung am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen werde bis 2018 auf 372.000 steigen, ein Plus von 53.000 gegenüber 2014 und von 159.000 gegenüber dem Vorkrisenjahr 2008. Die Arbeitslosenquote dürfte auf 9,4 Prozent (AMS-Definition) bzw. 5,4 Prozent (Eurostat-Definition) steigen. Bis 2019 könnte die Arbeitslosenquote dann konjunkturbedingt auf 9,2 Prozent zurückgehen. Für heuer prognostiziert das Wifo eine Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent.

Die niedrigen Zinsen reichen nicht für eine Ausweitung der Investitionen aus, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen werde "gedämpft" bleiben, heißt es in der Mitteilung des Wifo. Auch Einkommen und Konsum bleiben "verhalten". Über fünf Jahre dürfte das verfügbare Einkommen ("Kaufkraft") der privaten Haushalte um jährlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Periode 2010-2014 wachsen. Dabei legen aber praktisch nur die Einkommen aus Vermögen und Transferleistungen zu, den die Bruttoreallöhne pro Kopf dürften im Schnitt nur um 0,1 Prozent pro Jahr steigen. Für 2015 und 2016 erwartet das Wifo sogar eine Stagnation der Bruttoreallöhne.

Defizit sinkt langsamer

"Ein ausgeglichener Staatshaushalt - sowohl nach der Definition von Maastricht als auch strukturell - kann durch das in der Prognose unterstellte Konjunkturszenario und die unterstellten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (selbst ohne Steuerreform) nicht erreicht werden", so das Wifo. Angesichts der Verschlechterung der Konjunktur rechnet das Wifo mit einem Budgetdefizit von 3,0 Prozent - nach Maastricht-Kriterien berechnet. Darin seien Einmaleffekte von Netto 4 Mrd. Euro enthalten. Ab 2015 sollte das Defizit schrittweise sinken, bis auf 0,5 Prozent im Jahr 2019.

Auch das sogenannte "strukturelle Defizit" wird nach der Prognose des Wifo "erheblich langsamer" verringert als vorgesehen und auch langsamer, als nach dem Regeln des Fiskalpaktes erforderlich wäre. Es dürfte auch 2019 noch 0,5 Prozent des BIP betragen, noch ohne Einrechnung einer Steuerreform, die zusätzliche Ausgaben bedingt. "Der von der Bundesregierung angestrebte strukturelle Budgetausgleich bis 2016 dürfte ... nicht realisiert werden können", vermerkt das Wifo.

Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass das strukturelle Defizit von 1,2 Prozent im Jahr 2014 heuer noch auf 1,4 Prozent steigt, um dann langsam zurückzugehen auf 1,1 Prozent (2016), 1,0 Prozent (2017), 0,7 Prozent (2018) und 0,5 Prozent (2019).

Das Wifo hat weder die angekündigte Steuerreform noch Einnahmen aus einer angestrebten Finanztransaktionssteuer eingerechnet.

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