Wifo: Lockdowns könnten Wachstum heuer auf 1,5 Prozent bremsen

Gemäß "Öffnungsszenario" ist ein BIP-Anstieg von 2,3 Prozent möglich. Das IHS geht von 2,6 Prozent Plus aus. Die Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit bleiben hoch, aber niedriger als 2019. Jede Lockdown-Woche kostet 400 bis 800 Mio. Euro.

Wifo: Lockdowns könnten Wachstum heuer auf 1,5 Prozent bremsen

Ein kräftiger Lockdown im Frühjahr könnte das Wirtschaftswachstum heuer auf 1,5 Prozent abbremsen, befürchtet das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Es hat erstmals zwei Szenarien für das BIP errechnet - laut dem "Öffnungsszenario" könnte es 2,3 Prozent Wachstum geben. Das Institut für Höhere Studien (IHS) geht von 2,6 Prozent realem BIP-Plus aus. Die Arbeitslosigkeit sehen die Experten weiter hoch, aber unter 2020, ebenso das Budgetdefizit, wie sie am Freitag erklärten.

Das Lockdownszenario unterstellt eine erneute Schließung des Handels und der personennahen Dienstleister im April - und zwar für die Dauer von vier Wochen -, was auch Öffnungen in Gastronomie und Beherbergung sowie die Konjunkturerholung insgesamt verzögern würde. Gemäß Öffnungsszenario dagegen würde die Wirtschaft schon im Frühjahr wieder in Schwung kommen, wenn die Einschränkungen im Lauf des Frühjahrs vollständig aufgehoben werden, erklärte das Wifo zu seiner Frühjahrsprognose. Für 2022 erwartet das Wifo im Öffnungs-und im Lockdownszenario 4,3 bzw. 4,7 Prozent Plus, das IHS 4,3 Prozent Anstieg.

Mit der Belebung der Wirtschaft dürfte die Arbeitslosenquote, die voriges Jahr kräftig auf 9,9 Prozent gestiegen war, heuer auf 9,3 Prozent und kommendes Jahr auf 8,5 Prozent zurückgehen, schätzt das IHS. Das Wifo geht im Öffnungsszenario von 9,2 und 8,4 Prozent Arbeitslosenrate für die beiden Jahre aus, befürchtet aber im Lockdownszenario mit 9,3 und 8,5 Prozent etwas höhere Werte.

Ebenso könnten sich das Defizit des Gesamtstaates (laut Maastricht) laut Wifo-Lockdownszenario heuer nur auf 7,7 Prozent des BIP sinken und kommendes Jahr auf 4,0 Prozent - nach 8,9 Prozent Minus im Vorjahr. Im Öffnungsszenario werden 7,1 bzw. 3,7 Prozent negativer Saldo erwartet. Das IHS schätzt die negativen Saldi für 2021 und 2022 auf 6,6 bzw. 3,5 Prozent und hat für 2020 ein Minus von 10,4 Prozent errechnet.

Die Gesundheitspolitik ist der Schlüssel

Der Schlüssel für die Beseitigung der Wirtschaftskrise liegt in der weiteren Entwicklung der Pandemie, insofern liege die Wirtschaft in den Händen der Gesundheitspolitik, gab Wifo-Chef Christoph Badelt am Freitag zu verstehen. "Für die Gesundheitspolitik heißt das 'testen und impfen'", betonte er bei der Präsentation der neuen Konjunkturprognose.

Testen und impfen könne "gar nicht so teuer sein, dass es nicht billiger ist als eine Verlängerung der Wirtschaftskrise", unterstrich Badelt. Eine Sicherheit, wann die Krise zu Ende sei, gebe es nicht, das sei abhängig von der Entwicklung der Pandemie. "Die Unsicherheit ist sicher etwas, was uns alle am meisten nervt. Oft ist die Unsicherheit größer als eine klar formulierte Belastung."

Aus dem Grund hat das Wifo diesmal auch zwei Prognose-Szenarien gerechnet, die für heuer 2,3 Prozent oder 1,5 Prozent reales Wirtschaftswachstum sehen, je nachdem ob es Öffnungen gibt oder doch zum Beispiel ab April vier Wochen Lockdown. Die Differenz zwischen den beiden Szenarien entspreche einem BIP-Unterschied von 3 Mrd. Euro fürs Gesamtjahr, das sei "ein ausgewachsener Elefantenbulle" und "nicht nur ein Babyelefant", so Badelt.

An sich sei klar: Je massiver Lockdown-Maßnahmen mit Einschränkungen ausfallen, desto stärker sei die Einbremsung der Wirtschaft. Für ihn, Badelt, sei es dabei aber schon ein "Mysterium" - nicht ökonomisch, aber sozial -, warum etwa die Schweiz trotz ähnlicher oder teils höherer Infektionszahlen mit geringeren Einschränkungen auskommen konnte.

Der IHS-Prognosezuständige Michael Reiter sagte, dass sich bei einem zusätzlichen vierwöchigen Lockdown im Frühjahr die Erwartung für das heurige BIP-Wachstum natürlich ebenfalls reduzieren würde - und zwar von den derzeit errechneten 2,6 auf 2,0 Prozent. Denn jede weitere Woche Lockdown würde sich mit 400 bis 800 Mio. Euro oder 0,1 bis 0,2 Prozent aufs BIP niederschlagen. "Der Elefant wächst jede Woche weiter, je nachdem wie gut wir ihn füttern", so der Ökonom im gemeinsamen Online-Pressegespräch.

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