Wifo: Keine rosigen Zeiten für Österreichs Wirtschaft

Wifo: Keine rosigen Zeiten für Österreichs Wirtschaft

Einen Tag nach der Prognose für die Weltwirtschaft stellt das Wifo die konjunkturellen Aussichten für Österreich bis 2020 vor: Und auch die sind nicht rosig. Österreichs Konjunktur wird sich mit 1,5 Prozent Wachstum pro Jahr nur mäßig erholen, in den kommenden Jahren ist mit einer hohen und steigenden Arbeitslosigkeit zu rechnen. Immerhin: Die Steuerreform wird sich positiv auf die private Nachfrage auswirken.

Trüb sind die Aussichten nicht nur für die Weltwirtschaft und den Euroraum: Auch in Österreich wird sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren nur mäßig entwickeln. Zu dieser Einschätzung kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo einen Tag nach seiner Prognose für die Weltwirtschaft bis 2020.

Nach der eher stotternden Entwicklung von 2012 bis 2015 dürfte der Motor langsam wieder anlaufen: In den kommenden fünf Jahren erwartet das Wifo eine BIP-Steigerung um 1,5 Prozent - Österreich entwickelt sich damit in etwa wie der Euroraum. "Die österreichische Wirtschaft befindet sich aber nach wie vor in einer Phase der konjunkturbedingten Unterauslastung", heißt es im Wifo-Bericht.

Nicht halten können wird Österreich seine Marktposition bei den Exporten. Bereits jetzt wirkt sich das abgeschwächte Wirtschaftswachstum und der Wandel in China auf die Geschäfte der heimischen Exporteure aus. Das Außenhandelsdefizit stieg im ersten Halbjahr 2015 auf 2,14 Milliarden Euro von 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr. In den Jahren 2016 bis 2020 werden realen Exporte voraussichtlich um 3,7 Prozent pro Jahr ausgeweitet - gut ein Prozentpunkt stärker als in der vorhergehenden Fünfjahresperiode. Der Außenhandel wird dennoch etwas zum Wirtschaftswachstum beitragen, da sich die Importe abschwächen werden.

Realeinkommen wächst

Die österreichischen Haushalte werden in den kommenden fünf Jahren mehr Geld zur Verfügung haben: Das verfügbare Realeinkommen wächst um 1,5 Prozent pro Jahr und damit um 1,5 Prozentpunkte stärker als im Durchschnitt zwischen 2011 und 2015. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von der Tarifanpassung in der Lohn- und Einkommensteuer, die 2016 in Kraft tritt und einen Anstieg der verfügbaren realen Nettohaushaltseinkommen um ein Prozent bedeutet. Außerdem dürften die Bruttolohneinkommen nicht mehr schrumpfen und die Selbständigeneinkommen werden sich günstiger entwickeln.

Weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben wird die Sparquote, also der Anteil des verfügbaren Einkommens, das gespart wird. Von 2007 bis 2013 sank sie von 12,1 auf 7,3 Prozent. In den Jahren danach stieg sie nur geringfügig an auf 7,7 Prozent 2015. Da das niedrige Zinsniveau wenig Anreiz bietet, das Geld zu sparen, wird die Sparquote auch weiterhin nur geringfügig steigen. Bis 2020 ist mit einer Sparquote von 8,5 Prozent zu rechnen - sie ist in erster Linie der Einkommenssteigerung durch die Steuerreform 2016 zu verdanken.

Dem Konsumrückgang seit dem Ausbruch der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wirkt die Entlastung der verfügbaren Einkommen durch die Steuerreform entgegen. Der private Konsum dürfte von 2016 bis 2020 real um 1,3 Prozent gesteigert werden.

Flüchtlingsstrom wird anhalten

Die leichte Expansion der Wirtschaftsleistung ermöglicht zwar eine Ausweitung der Beschäftigung – um 1,0 Prozent plus im Durchschnitt von 2016 bis 2020 – sie bringt jedoch keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Denn in den kommenden Jahren wird die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte zunehmen. Die internationalen Krisenherde - vom Bürgerkrieg in Syrien bis hin zu einem instabilen Afghanistan - führen dazu, dass der Zustrom an Asylsuchenden auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Allein für 2015 rechnet die Bundesregierung mit 80.000 Flüchtlingen. Dadurch wird die österreichische Bevölkerung stärker wachsen als ursprünglich angenommen.

Am Arbeitsmarkt wird es vorerst zu keiner Entspannung kommen. Derzeit sind in Österreich 391.417 Personen auf Arbeitssuche (Stand: September 2015). Laut Wifo wird die Zahl der Arbeitslosen bis 2018 auf 397.000 Personen ansteigen - das sind 185.000 mehr als noch im Vorkrisenjahr 2008. Daraus ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent nach AMS-Definition beziehungsweise 6,1 Prozent nach Eurostat-Definition. Bis 2020 könnte die Arbeitslosenquote auf 9,4 Prozent zurückgehen.

Für die Periode 2016 bis 2020 rechnet das Wifo mit einer Teuerungsrate laut Verbraucherpreisindex von durchschnittlich 1,8 Prozent.

Die Entwicklung der Haushalte wird von der im Jänner 2016 in Kraft tretenden Steuerreform geprägt. Diese umfasst im Wesentlichen eine umfangreiche Senkung der Lohn- und Einkommensteuer. Die Gegenfinanzierung soll primär durch Steuererhöhungen erfolgen, die Steuerentlastung beträgt 2016 1,5 Milliarden Euro, ab 2018 erreicht sie 1,9 Milliarden Euro jährlich.

Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte kommt hingegen nur verhalten voran. 2014 verschlechterte sich der Maastricht-Saldo primär durch umfangreiche Bankenhilfen auf minus 2,7 Prozent des BIP. 2015 wird er sich auf -1,9 Prozent verbessern. Erst ab 2017 ist mit einer schrittweisen weiteren Verringerung auf -0,3 Prozent des BIP im Jahr 2020 zu rechnen.

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