WIFO: Abgabenlast für Wenigverdiener trotz Steuerreformen gestiegen

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat errechnet, dass trotz der jüngsten Steuerreformen die Gesamtbelastung aus Einkommenssteuern, indirekten Steuern und Sozialbeiträgen für die Bezieher geringerer Einkommen seit 2010 um gestiegen ist. Die Wenigstverdiener müssen nun um 1,5 Prozent mehr Abgaben leisten.

WIFO-Chef Karl Aiginger
WIFO-Chef Karl Aiginger

WIFO-Chef Karl Aiginger

"Eine Steuerreform, die eine echte Entlastung bringt." So wurde vergangenes Jahr die per 1.1.2016 in Kraft getretene Steuerreform von der österreichischen Bundesregierung bezeichnet. Um satte 5,2 Milliarden Euro, rechnete das Bundesministerium für Finanzen vor, werde sich die Gesamtbelastung der heimischen Einkommen reduzieren. Über sechs Millionen Lohn- und Einkommensteuerpflichtige sollten davon profitieren und im Schnitt jährlich rund 1.000 Euro weniger Steuern zahlen.

Doch eine Steuerreform alleine macht noch keinen Sommer. Das zeigt eine neue Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, für die die Gesamtbelastung der österreichischen Einkommen, also die Einkommens- respektive Lohnsteuer, die indirekten Steuern sowie die Sozialabgaben berücksichtigt wurden. Als Vergleichswert hat das WIFO die Abgabenquote aus dem Jahr 2007 herangezogen. Die Berechnung des WIFO zeigt, dass die Gesamtbelastung für die Bezieher geringer Einkommen sogar gestiegen ist. Am meisten belastet wurden die Wenigstverdiener. Für diese ist die Abgabenquote in den vergangenen zehn Jahren um 1,5 Prozent gestiegen. Profitiert haben hingegen die Bezieher mittlerer Einkommen. Für diese ist die Gesamtbelastung um durchschnittlich ein Prozent gesunken.

Die Ursache für die gestiegene Belastung der Wenigverdiener, die das WIFO in den ersten drei von zehn Einkommensdezilen sieht, ist hauptsächlich in den im letzten Jahrzehnt gestiegenen Sozialabgaben zu finden. Die untersten Einkommensschichten müssen nun von ihren Einkommen um bis zu 1,6 Prozent höhere Sozialbeiträge leisten als das zuvor der Fall war. Dadurch werden die positiven Effekte aus der Einkommensbesteuerung zunichte gemacht (siehe Tabelle).

Veränderung der Abgabenbelastung 2007/2016
Dezil Einkommenssteuer Indirekte Steuern Sozialbeiträge Summe
1. Dezil - 0,2% + 0,7% + 0,9% + 1,5%
2. Dezil - 0,1% - 0,7% + 0,8% + 0,1%
3. Dezil - 0,7% - 0,2% + 1,6% + 0,7%
4. Dezil - 0,2% - 0,9% + 0,0% - 1,0%
5. Dezil - 0,4% - 0,6% - 0,2% - 1,1%
6. Dezil - 0,9% - 0,3% + 0,2% - 1,0%
7. Dezil - 0,5% - 0,4% + 0,0% - 0,9%
8. Dezil - 0,6% - 0,2% - 0,4% - 1,2%
9. Dezil - 0,6% - 0,2% - 0,4% - 1,1%
10. Dezil + 1,5% - 0,3% - 1,0% + 0,3%
Quelle: WIFO

Die Steuerreformen 2009/10 und 2015/16 haben außerdem, so das WIFO, den Progressionsgrad der Einkommensteuer jeweils erhöht. Die Durchschnittsbelastung durch die Einkommensteuer blieb zwischen 2007 und 2016 konstant bei rund elf Prozent des Bruttogesamteinkommens. Die Belastung der Einkommen privater Haushalte durch Einkommensteuer, indirekte Steuern und Sozialbeiträge beziffert das WIFO für das Jahr 2010 mit durchschnittlich 39 Prozent der Gesamteinkommen (Bruttomarkteinkommen zuzüglich staatlicher und privater Transferzahlungen wie Familienbeihilfen etc.) aus. Der Anteil der entrichteten indirekten Steuern am Gesamteinkommen fällt mit zunehmendem Haushaltseinkommen geringer aus.

In den letzten Jahren wurden die niedrigen Einkommen laut WIFO auch durch den starke Anstieg der Lebensmittel- und Mietpreise und daraus resultierenden indirekten Steuern zusätzlich belastet. Insgesamt, kommen die Wirtschaftsforscher zum Schluss, nahm die Umverteilungswirkung des Steuersystems (Einkommensteuer und indirekte Steuern)
zwischen 2007 und 2010 sowie zwischen 2010 und 2016 zu.

Hohe Sozialabgaben

Die Abgaben mit dem höchsten Gewicht sind allerdings nicht die Steuern, sondern die Sozialabgaben. Im Durchschnitt belasten sie die Einkommen der österreichischen Privathaushalte mit knapp 20 Prozent. Sie wirken in Relation zum Erwerbseinkommen ab der Geringfügigkeitsgrenze proportional und ab der Höchstbeitragsgrenze regressiv.

Die Belastung durch Sozialbeiträge erhöhte sich in den unteren Dezilen zwischen 2007 und 2016 und sank aufgrund des überproportionalen Wachstums der hohen Einkommen bei ab der Höchstbeitragsgrundlage konstanten Sozialbeiträgen in den oberen Dezilen. Die Progressions- und Umverteilungswirkung der Sozialbeiträge schwächte sich daher ab.

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Zu den Personen:
Caroline Palfy (r.) ist neue Geschäftsführerin in der Handler Holding GmbH und verantwortet den Bereich Sustainable-Strategie. Das Familienunternehmen HANDLER ist Spezialist für hochwertige Bau- und Immobilienprojekte in Österreich.
Marieluise Krimmel ist Partnerin bei Deloitte in Wien im Bereich Audit & Assurance und ist in der Prüfung und Beratung tätig. Ihre Branchenschwerpunkte liegen neben der Industrie in der Immobilien- und der Bauwirtschaft.

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