Wienerberger leidet unter Brexit-Votum: Aktie stürzt ab

Wienerberger leidet unter Brexit-Votum: Aktie stürzt ab

Der Ziegelhersteller Wienerberger muss sein Jahresziel nach unten korrigieren - die Wiener leiden nach dem Brexit-Votum unter dem schwachen britischen Pfund. Die Aktie verliert 7,2 Prozent.

Der österreichische Ziegelhersteller Wienerberger schraubt wegen des Einbruchs des britischen Pfunds nach dem Brexit-Votum und anderen Währungseffekten sein Jahresziel nach unten. Im ersten Halbjahr hätten die Währungseffekte das Ergebnis um 5 Millionen Euro nach unten gedrückt, "für das ganze Jahr werden es ungefähr 10 Millionen sein", so Konzernchef Heimo Scheuch: "Das war nicht vorherzusehen. Wir hoffen, dass sich die Währungseffekte in diesem Bereich einpendeln." Bisher wurde für 2016 ein Ebitda von 405 Millionen Euro erwartet. Gegensteuern will das Unternehmen mit Kosteneinsparungen in der Produktion, im Vertrieb und in der Verwaltung. Die Wienerberger-Aktie (ISIN AT0000831706) verlor kurz nach Eröffnung der Wiener Börse 7,2 Prozent auf 13,90 Euro und ist am Mittwochmorgen somit der größte Verlierer im heimischen Leitindex ATX (ISIN AT0000999982).

Die Ziegel des Wiener Konzerns kommen hauptsächlich in Ein- und Zweifamilienhäusern zum Einsatz. Zu den wichtigsten Märkten des Unternehmens zählen Großbritannien, Deutschland, Belgien, Frankreich oder Polen. Bereits im Vorfeld des EU-Referendums in Großbritannien sei Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwicklung zu spüren gewesen, erklärte der Konzern. Die Kursschwankungen nach der Abstimmung hätten dann auch Wienerberger getroffen. Nachdem die Briten Ende Juni für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten, war das Pfund auf ein 31-Jahres-Tief gefallen.

Ohne Währungseffekte wäre es besser gelaufen

"Wir haben trotz der Turbulenzen in den einzelnen Märkten ein sehr ordentliches und gutes Ergebnis hinlegen können", sagte Scheuch. Der Umsatz blieb mit 1,469 Milliarden Euro praktisch stabil. Bereinigt um einmalige Währungseffekte habe es einen Anstieg um ein Prozent gegeben, sagte Scheuch. "Die negativen Währungseffekte haben den Umsatz mit fast 30 Millionen negativ beeinflusst."

Das operative EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ist im ersten Halbjahr um ein Prozent auf 178 Millionen Euro gesunken. Auch hier hätten sich die negativen Währungseinflüsse des englischen Pfund und des polnischen Zloty ausgewirkt. Organisch sei das operative EBITDA um 9 Prozent gewachsen.

Zu bedenken sei auch, dass man im Vergleichszeitraum des Vorjahres mehr Liegenschaften verkauft habe, nämlich um 15 Millionen Euro. Heuer habe man auf diese Weise nur 4 Millionen Euro erlöst. Der Cashflow aus dem Ergebnis sei um 10 Prozent auf 147 Millionen Euro gestiegen.

Restliche Westeuropa kompensiert britische Unsicherheit

Das Geschäft in Westeuropa sei im ersten Halbjahr "etwas durchwachsener" gewesen und durch das Referendum in Großbritannien geprägt. "Diese Unsicherheit, was die Entscheidung betrifft und die weitere wirtschaftliche Entwicklung Englands, hat dazu geführt, dass es am englischen Markt zu einem Rückgang gekommen ist, was den Wohnungsneubau betrifft." Das habe man mit anderen Märkten in Westeuropa kompensieren können. In den Niederlanden wachse der Markt beim Wohnungsneubau, und Zuwächse gebe es auch in Deutschland und Frankreich bei den Ein- und Zweifamilienhäusern. Negativ sei hingegen die Entwicklung beim Wohnungsneubau in Belgien, sagte Scheuch. Etwas rückläufig seien in Westeuropa auch die Märkte in der Schweiz und in Italien, stabil oder leicht wachsend seien Österreich, Tschechien und die Slowakei.

"In Osteuropa ist es uns gelungen, in einem leicht wachsenden Markt starke Zuwachsraten zu erzielen, was den Umsatz betrifft", so Scheuch. Das operative EBITDA habe man um fast 50 Prozent gesteigert, da die Werke besser ausgelastet seien. Vor allem in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen seien die Absatzmengen gesteigert worden. "Der einzige Markt in dieser Großregion, der rückläufig war, war Russland im ersten Halbjahr, aber auch hier sehen wir, dass es in den letzten Monaten zu einer Bodenbildung gekommen ist, was den russischen Wohnungsneubau betrifft."

Briten machen ein Zehntel des Umsatzes aus

Der Wienerberger-Konzern hat derzeit 201 Fabriken, Werksschließungen werde es aus derzeitiger Sicht nicht geben, sagte Scheuch. In England sei der Markt etwas schwächer, daher reduziere man dort einzelne Schichten. "Da gibt es temporäre Anpassungen, die dazu führen, dass die Auslastung um ein paar Prozentpunkte sinkt." Die Folgen des Brexit-Referendums würden sich einpendeln. Großbritannien mache etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes von Wienerberger aus, sagte Finanzvorstand Willy Van Riet.

Mit einer Belebung der Märkte in Zentral- und Osteuropa im zweiten Halbjahr rechnet Scheuch nicht. "Polen ist im Regierungsumbildungsprozess im heurigen Jahr. Das führt dazu, dass alle lokalen und regionalen Stellen auch umbesetzt werden." Es werde mindestens ein Jahr dauern, bis sich die neuen Leute eingearbeitet hätten und wieder Normalbetrieb herrsche. In Rumänien habe es eine "Riesenwelle der Antikorruption bei öffentlichen Aufträgen gegeben. Dieser Reinigungsprozess ist jetzt im Abklingen, und es wird noch einige Zeit dauern, bis sich neue Stabilität einstellt." Das neue Förderprogramm der EU werde aber in den nächsten Jahren bis 2020 nachhaltig zu einer Belebung führen.

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