Wiener Stadtwerke steigen bei EVN ein

Die Wiener Stadtwerke beteiligen sich mit 28,35 Prozent an der niederösterreichischen EVN. Der Wiener Stromversorger übernimmt die Anteile der deutschen EnBW.

Wiener Stadtwerke steigen bei EVN ein

Wien/Maria Enzersdorf/Karlsruhe. Die Wiener Stadtwerke steigen mit 28,35 Prozent bei der niederösterreichischen EVN ein. Sie erwerben den Anteil vom deutschen Energiekonzern EnBW, wie EnBW und Wiener Stadtwerke am Donnerstag mitteilten. Zwischen den Vertragsparteien Wiener Stadtwerke und EnBW Trust e.V. sei Stillschweigen zu Details des Kaufvertrags vereinbart worden. Kolportiert wird ein Kaufpreis von 870 Millionen Euro.

EVN ist seit Ende 1989 an der Wiener Börse notiert und auch international tätig. In Südosteuropa hat die EVN in Bulgarien und Nordmazedonien seit Mitte des Jahres 2000 Tochtergesellschaften. Mit ihrer Tochter WTE sind die Niederösterreicher auch im internationalen Projekt- und Umweltgeschäft mit Trinkwasser- und Abwasseranlagen aktiv.

Haupteigentümer der EVN ist mit 51 Prozent das Land Niederösterreich. Zweitgrößter Aktionär war seit langem der deutsche Energiekonzern EnBW. Die Wiener Stadtwerke treten nun an die Stelle der Deutschen als zweitgrößter Aktionär (28,35 Prozent). Die restlichen 20,65 Prozent der Aktien sind in Streubesitz. Die EnBW war im Jahr 2001 bei der EVN eingesteigen und hatte zwischenzeitig bis zu mehr als einem Drittel der EVN-Aktien gehalten.

Am börsennotierten Stromkonzern Verbund halten EVN und Wiener Stadtwerke zusammen knapp über der Sperrminorität von 25 Prozent zu in etwa gleichen Teilen. Seit Herbst 2010 haben die beiden Unternehmen ihre Stimmrechte gebündelt. An der EnergieAllianz halten EVN und Wien Energie je 45 Prozent, mit 10 Prozent ist auch die Energie Burgenland bei dieser gemeinsamen Vertriebsgesellschaft an Bord.

Die Wiener Stadtwerke sind Österreichs größter regionaler Energieversorger, zu ihnen gehören neben dem Energiebereich unter anderem auch die Wiener Linien, die Bestattung Wien und die Garagenfirma Wipark. Eigentümer der Wiener Stadtwerke GmbH ist zu 100 Prozent die Stadt Wien. Beschäftigt sind im Konzern mehr als 15.000 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 2018 über 3,4 Mrd. Euro. Der größte Teil davon stammte mit rund 2,85 Mrd. Euro aus dem Energiegeschäft. Investiert wurde 2018 fast 1 Mrd. Euro. Bis 2023 sind 4,15 Mrd. Euro Investitionen vorgesehen, davon werden rund 1,7 Mrd. Euro in den U-Bahn-Ausbau sowie in neue Öffi-Fahrzeuge fließen. 1,343 Mrd. Euro sind für Erweiterungen bei den Wiener Netzen geplant. In erneuerbare Energien sollen 943 Mio. Euro fließen, Schwerpunkt ist dabei die Photovoltaik. Ausgebaut werden auch die Ladestationen für E-Autos.

Im Energiebereich beliefern die Wiener Stadtwerke knapp 2 Millionen Kunden mit Strom, Gas und Fernwärme. Zwei Tochtergesellschaften sind in dem Bereich tätig: Die Wien Energie ist für die Produktion und den Vertrieb zuständig, die Wiener Netze für die Leitungen. Der Energieabsatz betrug 2018 mehr als 20.600 Gigawattstunden (GWh). Davon entfielen 8.760 GWh auf Strom, der Rest rund je zur Hälfte auf Gas und Wärme. Erzeugt wurden rund 6.000 GWh Strom und mehr als 5.300 GWh Wärme. In den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt die Wien Energie gleichzeitig Strom und Wärme in Simmering und Donaustadt vor allem in Gaskraftwerken und auch in Österreichs größtem Biomassekraftwerk.

Die EVN hat insgesamt 4,7 Millionen Kunden - davon 2 Millionen in Österreich, 1,8 Millionen in Bulgarien und rund 900.000 in Nordmazedonien. Umgesetzt wurden im Geschäftsjahr 2018/19 rund 2,2 Mrd. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 6.900, davon sind rund 35 Prozent in Österreich tätig. Der Stromverkauf an Endkunden lag im vergangenen Geschäftsjahr bei fast 20.000 GWh. Der Erdgasverkauf betrug rund 5.000 GWh, bei Wärme waren es rund 2.200 GWh. An Investitionen hat die EVN in den nächsten vier Jahren bis zu 400 Mio. Euro jährlich geplant, davon rund 300 Mio. Euro in Niederösterreich, hatte es im Dezember geheißen.

Am börsennotierten Stromkonzern Verbund halten EVN und Wiener Stadtwerke zusammen knapp über der Sperrminorität von 25 Prozent zu in etwa gleichen Teilen. Seit Herbst 2010 haben die beiden Unternehmen ihre Stimmrechte gebündelt. An der EnergieAllianz halten EVN und Wien Energie je 45 Prozent, mit 10 Prozent ist auch die Energie Burgenland bei dieser gemeinsamen Vertriebsgesellschaft an Bord.

NEOS unf FPÖ gegen den Deal

Die Wiener NEOS haben am Donnerstag bekräftigt, dass sie den Einstieg der Wiener Stadtwerke beim Niederösterreichischen Energieversorger EVN ablehnen. Er sei nach Gesprächen auf der "Freundschafts- und Vertuschungsachse" zwischen Wien und Niederösterreich besiegelt worden, mutmaßte Wiens NEOS-Chef Christoph Wiederkehr. Wirtschaftlich und strategisch mache er keinen Sinn.

"Das Geld wäre wo anders viel besser zu investieren gewesen", befand Wiederkehr. Die kolportierte Summe von "unvorstellbaren" 870 Mio. Euro kritisierte er als zu hoch. Die Stadtwerke selbst haben keine Details zur Kaufsumme genannt.

Nach Ansicht der NEOS haben die beiden Bundesländer einen "Geheimdeal" eingefädelt, um "überteuerte Anteile" zu kaufen. Dabei wären Investitionen in die Infrastruktur, also etwa in den Solarausbau, sinnvoller gewesen, hieß es. Wiederkehr vermutete, dass die Angelegenheit für die Stadtwerke sogar noch teurer werden könnte. Denn es könnte ein verpflichtendes Übernahmeangebot für Kleinanleger ins Haus stehen, gab er zu bedenken. Zwar sei dies erst aber einem Anteil von 30 Prozent nötig, angesichts der bestehenden Verflechtungen mit der EVN über die EnergieAllianz (die gemeinsame Vertriebstochter von EVN, Wien Energie und Energie Burgenland, Anm.) könnte der Gesamtanteil aber höher liegen.

"Es ist ein schlechter Deal", hielt der Wiener NEOS-Politiker fest. Auch energiepolitisch seien die engen Verbindungen der Anbieter in Österreich problematisch. Laut Wiederkehr wird kolportiert, dass der deutsche Energiekonzern EnBW wochenlang mit einem anderen Investor über die Übernahme der Anteile verhandelt hat - der offenbar weitreichendere Kontrollrechte verlangte. Dies sei der Anlass gewesen, dass Niederösterreich mit Wien einen Einstieg vereinbart habe, zeigte sich Wiederkehr überzeugt.

Auch die Wiener FPÖ hat am Donnerstag die Beteiligung der Wiener Stadtwerke an der EVN kritisiert. Zugleich wurde die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) via Pressemitteilung aufgefordert, den Stadtwerke-Ausschuss einzuberufen.

Dieser wurde 2015 von Sima konstituiert - hat aber seitdem nicht ein einziges Mal getagt, berichtete FPÖ-Mandatar Udo Guggenbichler, der stellvertretender Vorsitzender dieses Ausschusses ist: "Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, den Ausschuss einzuberufen und den Beteiligungs-Deal zu besprechen."

Die FPÖ-Wien spreche sich gegen irgendwelche Beteiligungen der Wiener Stadtwerke an anderen Unternehmen aus, hielt er fest. Die Gebühren seien in den vergangenen Jahren für die Wiener Bevölkerung unnötig angehoben worden: "Wenn die Wiener Stadtwerke 800 Millionen zu viel haben, dann sollen sie diese den Bürgern Wiens zurückgeben - zum Beispiel in Form einer Gebührensenkung. Das würde ich gerne im Ausschuss vorschlagen."

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