Wie sich CFO’s für die digitale Zukunft rüsten

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastkommentar von Peter Schentler von Horváth & Partners Österreich, über den zunehmenden Transformationsdruck, der CFO’s wie Finanzverantwortliche in Unternehmen fordert.

Thema: Management Commentary
Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

Peter Schentler - Unternehmenssteuerungsexperte bei Horváth & Partners

Der zunehmende Transformationsdruck hält CFO’s wie Finanzverantwortliche zahlreicher Unternehmen auf Trab. Gerade jetzt – in Zeiten der Pandemie – zeigt sich, dass rechtzeitige und zielgerichtete Investitionen in die digitale Zukunft jeden Euro wert sind. Denn auch die Unternehmenssteuerung wird künftig anders funktionieren. Die digitale Reise geht weiter als bisher vermutet.

Die Corona-Krise wird der Digitalisierung Rückenwind verleihen. Zum einen, weil sich daraus notwendige Maßnahmen mit Kosten- und Performance-Vorteilen umsetzen lassen. Und zum anderen, weil die Unternehmen quasi über Nacht gelernt haben, damit angstbefreit umzugehen. Vor allem die häufig effizientere Projekt-, Team- und Führungsarbeit via Homeoffice, Videokonferenzen und mit digitalen Kollaborationstools hat bisherige Skeptiker von den Digitalisierungspotenzialen überzeugt.

Daten sind das Maß der Dinge

Waren es früher die Produktionsmittel, auf die es in der Wertschöpfung ankam, so sind es heute die Daten sowie deren ständige Verfügbarkeit und bestmögliche Verknüpfung, die aus einem Geschäftsmodell erst einen Geschäftserfolg machen. Unternehmens- und wertschöpfungsübergreifende Daten ermöglichen nicht nur eine ganzheitlichere, sondern auch eine verbesserte Steuerung. „From data to value“ ist auch der Leitgedanke bei der Bereitstellung der geeignetsten und aktuellsten Informationen zur Entscheidungsunterstützung für das Management.

Was dabei schon länger klar scheint: Die Unternehmenssteuerung wird sich von der bisher reaktiv-analytischen Perspektive zu einer proaktiv-prognostizierenden Disziplin weiterentwickeln. Algorithmenbasierte Datenauswertung, Machine Learning und künstliche Intelligenz sind hier nur einige der Methoden, um Geschäftsentwicklungen vorherzusagen und in die Zukunft gerichtete Entscheidungen vorzuschlagen. Immer neue, datengetriebene und dynamischere Bots und Agents werden folgen.

Und die Dinge ändern sich

Die Ursachen hierfür sind nachvollziehbar: Der Effizienzdruck auf Management und Produktion nimmt weiter zu. Routineprozesse müssen radikal verschlankt werden und auf klaren Entscheidungsregeln basieren. Dem folgt ein immer stärkerer Aktivitäten-Split von bisher durch Mitarbeiter ausgeführten Arbeiten hin zu roboter- bzw. algorithmenbasierten Tätigkeiten. Damit werden Ressourcen frei, die entweder reduziert oder in noch wertschöpfendere Prozesse überführt werden können.

Logische Folge: Die Rollen- und Kompetenzverteilung ändert sich auch im Einflussbereich des CFOs. Auf der einen Seite wird der Finanzbereich zur Bewältigung der digitalen Transformation neue Kompetenzen und Fähigkeiten integrieren bzw. aufbauen müssen. Auf der anderen Seite drängen junge Talente in Jobs, in denen sie ihre digitalen Skills und ihr Know-how entfalten können. Gefragt sind „Data Science“-Spezialisten, aber auch „Governance“-Profis, um einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen – gerade in Bezug auf neue Digitalisierungsinitiativen.

Wie erfolgreiche CFOs arbeiten

Es ist kein Geheimnis, dass die digitale Transformation im CFO-Bereich sehr unterschiedlich vorangetrieben, in manchen Unternehmen sogar sträflich vernachlässigt oder in zunächst vielversprechenden Pilotprojekten stecken bleibt. Aus der aktuellen CFO-Studie 2020 der Managementberatung Horváth & Partners geht indes hervor, woran erfolgreiche Finanzabteilungen perspektivisch arbeiten, um die Vorteile und Möglichkeiten der Digitalisierung vollständig zu realisieren und so besser gestärkt als der Wettbewerb aus der jetzigen Corona-Krise herauskommen.

Zur Bewältigung der digitalen Transformation braucht es jedenfalls die geeigneten Kompetenzen, das entsprechende Wissen und ein adäquates Mindset. Statt isolierte individuelle Anwendungen (Use Cases) zu verfolgen, arbeiten erfolgreiche Finanzabteilungen mit ganzheitlichen Strategien, gestalten die digitale Transformation aktiv und übernehmen idealerweise eine visionäre Vorreiterrolle. Da sie um die Bedeutung einer fundierten Transformation wissen, stellen sie aber auch die nötigen Ressourcen und finanziellen Mittel bereit.

Fazit: Digitalisierung nutzen

Erfolgreiche Finanzorganisationen nutzen die Digitalisierung gezielt für sich selbst. Wer zu lange zögert, verschenkt unnötig Potenziale. Hinzu kommt, dass die meisten Unternehmen – wenn sie schon investieren – oft einen anwendungsfallbezogenen Ansatz verfolgen. Besser wäre es jedoch, auf eine digitale Strategie und Roadmap zu setzen. Denn eine ganzheitliche, zielbildorientierte Digitalisierungsstrategie hat sich in der Praxis bisher eindeutig bewährt. Schon deshalb, weil mit steigenden Investitionsbudgets für Transformationsinitiativen gerechnet werden muss.


Der Autor


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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