Wie sich die Anschläge von Paris ökonomisch auswirken

Wie sich die Anschläge von Paris ökonomisch auswirken

Zeichen der Solidarität bei einem Eishockeyspiel in Chicago.

Die Anschläge von Paris haben nicht nur politische Konsequenzen, sondern auch wirtschaftliche. Ein Überblick:

Treffen die Anschläge Paris wirtschaftlich?

Ja. Viele Touristen dürften um Paris erst einmal einen Bogen machen, vielleicht auch um ganz Frankreich. Das Land ist mit jährlich mehr als 80 Millionen Besuchern das beliebteste Tourismusziel weltweit. Etwa sieben Prozent trägt der Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt bei. Luftfahrt- und Hotelaktien gaben am Montag deutlich nach. "Anleger fürchten, dass die Attentate Auswirkungen auf den Tourismus haben und die Leute weniger reisen werden", sagt ein Händler. An der französischen Börse rutschten die Titel des größten europäischen Hotelbetreibers Accor und der Fluggesellschaft Air France-KLM um 6,2 und 4,2 Prozent ab. Die Aktien der Betreibergesellschaft des Eurotunnels verloren knapp vier Prozent.

Trifft das auch den Konsum?

Kurzfristig wohl schon. Die Pariser meiden derzeit Restaurants, auch die großen Einkaufszentren sind leerer als gewohnt. Aktien der Luxusgüterkonzerne Hermes, LVMH und Kering, die einen Großteil ihres Umsatzes durch ausländische Touristen in Paris machen, verloren jeweils mehr als ein Prozent. "Die Verunsicherung in Paris ist massiv", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Menschen werden weniger ausgehen." Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York war dies ebenfalls zu beobachten. Die Umsätze im US-Einzelhandel etwa gingen damals im September um 1,4 Prozent nach unten.

Droht Frankreich nun eine Wirtschaftskrise?

Nein, sagen Ökonomen. "Die Erfahrung zeigt, dass solche Terrorakte die konjunkturelle Entwicklung in den westlichen Volkswirtschaften nicht aus der Spur bringen", betont der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. In den USA etwa seien die Umsätze im Einzelhandel nach 9/11 in den Monaten nach dem September wieder angezogen. Unmittelbar nach den Anschlägen in London 2005 habe der private Konsum in Großbritannien im Sommer genauso kräftig zugelegt wie im Schnitt der vier Vorquartale. Ähnlich sei dies auch 2004 nach dem Anschlag auf einen Bahnhof in Madrid gewesen.

Wird der Welthandel leiden?

Wegen der Anschläge sichern Länder wie Frankreich, die Niederlande und Deutschland die eigentlich unkontrollierten Grenzen nun stärker ab. Für die Logistikbranche bedeutet das längere Wartezeiten und höhere Kosten, besonders für deutsche Unternehmen. Denn Frankreich war in den letzten Jahrzehnten ihr größter Exportkunde. 2014 wurden Waren im Wert von rund 168 Milliarden Euro nach Frankreich geschickt und von dort hierher importiert. Aber belasten noch schärfere Grenzkontrollen den Welthandel? "Die Daten sprechen dagegen", sagt Commerzbanker Krämer. "So ist der Welthandel in den Jahren nach 2001 in der Grundtendenz weiter kräftig gestiegen." Den Rückgang im Jahr des Anschlags führen Experten eher auf die Rezession nach dem Platzen der Aktienmarktblase zurück.

Laut Einschätzung des österreichischen Ökonomen Ulrich Schuh würden die europäischen Volkswirtschaften durch die Anschläge in Paris nicht destabilisiert werden. "Ich sehe keine größeren wirtschaftlichen Auswirkungen, sofern nicht weitere Anschläge folgen", sagt Schuh. Er erwartet auch nicht, dass der Ölpreis aufgrund der Terroranschläge deutlich nach oben klettert.

Was macht die EZB?

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat die US-Notenbank versucht, die Märkte mit dem Versprechen zu beruhigen, so viel Geld wie nötig bereitzustellen. Viele Experten erwarten eine Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember - allerdings nicht wegen der Anschläge, sondern wegen der chronisch niedrigen Inflation im Euro-Raum. "Da wird sich durch eine mögliche Konjunkturdelle in Frankreich nichts ändern", sagt der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. "Für die Geldpolitik der EZB dürften die Anschläge in Paris wohl keine wesentliche Rolle spielen", pflichtet Commerzbank-Kollege Krämer bei.

Langfristige Folgen der Terrorangriffe von Paris auf die Finanzmärkte sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch nicht absehbar. "Es ist zu früh zu beurteilen, welche Auswirkungen die Anschläge auf die Wirtschaft und Finanzmärkte haben werden", sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio

Verschiebt die US-Notenbank die Zinswende?

Die Federal Reserve hat für Dezember die erste Zinserhöhung seit rund einem Jahrzehnt signalisiert. "Sie wird dann die Zinsen im Dezember nicht erhöhen, wenn sich die finanziellen Bedingungen deutlich eintrüben", erwartet Sandte - also entweder der Dollar kräftig aufwertet oder die Aktienmärkte einbrechen. "Davon würde ich nicht ausgehen, aber es ist natürlich schwer zu sagen."

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