Wettbewerbsfähigkeit: Aufholbedarf für Österreich

Wettbewerbsfähigkeit: Aufholbedarf für Österreich

Alle drei Jahre veröffentlicht die EU-Kommission den Index für regionale Wettbewerbsfähigkeit. Darin werden 263 Regionen, darunter auch Österreichs Bundesländer, verglichen. Gegenüber der letzten Erhebung aus dem Jahr 2013 gab es dabei keine nennenswerten Verbesserungen.

Platz 49 und nur 72,6 von 100 möglichen Punkten für Wien und Umgebung (Niederösterreich). Das ist schon die beste Platzierung, die ein österreichisches Bundesland im neuen, von der EU-Kommission vorgelegten Vergleich von 263 Regionen der Union erzielen konnte. Die weiteren Länder liegen teilweise weit dahinter. Tirol auf Platz 95, die Steiermark gleichauf mit Vorarlberg auf Platz 98, Oberösterreich auf Rang 103, Salzburg auf Rang 105, Kärnten auf Rang 120, das Burgenland sogar nur auf Rang 125.

Angeführt wird das Ranking von London mit 100 von 100 möglichen Punkten, es folgen die Region Berkshire, Buckinghamshire, Oxfordshire (UK) mit 97,7 Punkten und Utrecht, Niederlande mit 97,6 Punkten.

Alle drei Jahre klopft die EU für die Erstellung des European Regional Competetivenes Index (RCI), dem Index für regionale Wettbewerbsfähigkeit, 263 Regionen unter verschiedensten Gesichtspunkten ab. Der Index setzt sich insgesamt aus elf Säulen zusammen, die unterschiedliche Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit beschreiben. Im Basisindex werden dabei Institutionen, die makroökonomische Stabilität, die Infrastruktur, die Gesundheit und die Grundbildung berücksichtigt. Zusätzlich werden die Effizienz und die Innovation der Regionen unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte untersucht. Die Methodik dabei ist, dass jeweils die 15 Regionen mit den ähnlichsten BIP-Werten untereinander verglichen werden.

Der Grundgedanke hinter dem 2010 eingeführten RCI ist, die Entwicklung der Regionen fortlaufend und im Vergleich mit anderen Regionen zu beobachten und zu bewerten und so auch Initiativen zur Verbesserung anzustoßen. "Der Index ist ein wertvolles Instrument für eine bessere Politikgestaltung", erklärt die für Regionalpolitik zuständige EU-Kommissarin Corina Crețu. Die Kommission biete den Regionen Unterstützung, mit den regionalen Strategien für eine intelligente Spezialisierung ihre jeweiligen Stärken und Vorteile zu nutzen."

European Regional Competitiveness Index (RCI) 2016

European Regional Competitiveness Index (RCI) 2016

Stagnation in Österreich

Verglichen mit den Daten von 2010 und 2013 haben sich Malta und mehrere Regionen in Frankreich, Deutschland, Schweden, Portugal und dem Vereinigten Königreich verbessert, wohingegen Zypern und einige Regionen in Griechenland, Irland und in jüngster Zeit den Niederlanden zurückgefallen sind. Die Wettbewerbsfähigkeit der osteuropäischen Regionen hat sich weitgehend nicht verändert.

Auch bei der Bewertung Österreichs hat sich gegenüber der vor drei Jahren durchgeführten Erhebung nicht viel verändert. Die österreichischen Regionen wurden gegenüber ihren Vergleichsregionen fast durchwegs als durchschnittlich bewertet, in einigen Punkten wurden Schwächen attestiert, nur in ganz wenigen Fällen wurden den heimischen Gebieten Stärken attestiert.

Wien, Niederösterreich (Score: 72,6/100)
In Wien hat die EU-Kommission etwa Schwächen im Bereich der Gesundheit festgestellt. Mit einem Score von 78,7 von 100 möglichen Punkten liegt Wien in diesem Punkt nur auf Platz 156 der untersuchten 263 Regionen. Besondere Stärken wurden Wien gegenüber den Vergleichsregionen Mittelfranken, Tübingen, Noord-Brabant, Valle d'Aosta/Vallée d'Aoste, Düsseldorf, Braunschweig, Oberösterreich, Vorarlberg, Zuid-Holland, Tirol, Köln, Karlsruhe, Prov. Antwerpen, Lombardia und Åland dagegen in keinem Punkt bescheinigt.

Burgenland (Score: 57,9/100)
Das Burgenland, das mit aufgrund des deutlich geringeren BIP mit ganz anderen Regionen verglichen wurde (Bretagne, Corse, Dorset and Somerset, Umbria, Centre, South Western Scotland, Bourgogne, Lüneburg, Kent, Prov. Liège, East Wales, PoitouCharentes, Border, Midland and Western, Abruzzo and West Yorkshir), kann gegenüber diesen Regionen zumindest mit einer größeren Stabilität punkten, hat aber im Bereich der Höheren Bildung Aufholbedarf.

Kärnten (Score: 60/100), Steiermark (Score: 65,1/100), Oberösterreich (Score: 64,5/100)
Dem Bundesland Kärnten wurden Schwächen in den Bereichen der Infrastruktur und der Grundbildung attestiert, in allen anderen Punkten wurde Kärnten als durchschnittlich bewertet. In der Steiermark wurde ebenfalls die Grundbildung bemängelt, in Oberösterreich war es dagegen die Infrastruktur.

Tirol (Score: 65,6/100), Vorarlberg (Score: 65,2/100), Salzburg (Score: 63,8/100)
Während Tirol und Vorarlberg gegenüber ihren Vergleichsregionen keine besonderen Stärken oder Schwächen aufweisen, liegt das Bundesland Salzburg in der EU-Erhebung gegenüber der Peer-Group gleich in drei Punkten zurück. Wiederum wird vor allem der Bildungssektor, hier sowohl in der Grundbildung als auch im Bereich der Höheren Bildung kritisiert. Gegenüber den Vergleichsregionen zeigt Salzburg außerdem eine Innovationsschwäche.


Service

Download

Die Detailergebnisse des European Regional Competitiveness Index (RCI) 2016; Daten aller 263 Regionen. Zum Download klicken Sie hier.

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