Weniger Schüler, deutlich mehr Gehalt für Lehrer

Klassen mit nur wenigen Schülern, viele Zulagen für Lehrer. Das summiert sich.

Klassen mit nur wenigen Schülern, viele Zulagen für Lehrer. Das summiert sich.

Das Gehalt der Pflichtschullehrer ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Warum das nach Einschätzung von Agenda Austria so ist und was laut dem Think Thank dringend geändert gehört und was die Autoren des Nationalen Bildungsberichts fordern und warum sie für eine einheitliche Schulverwaltung durch den Bund plädieren und warum die Landesverwaltung eine Blackbox ist.

Die neue Regierung hat sich vorgenommen das Bildungssystem zu verbessern. Die Agenda Austria hat deshalb die Ausgabenentwicklung für die allgemein bildenden Pflichtschulen (APS) der vergangenen zehn Jahre verglichen. Die Entwicklung zeigt zwei gegensätzliche Tendenzen.

Weniger Schüler, mehr Gehalt

Die Zahl der Schüler in den Volks-, Haupt- und Sonderschule, der Neuen Mittelschulen (NMS) und des Polytechnischen Lehrgangs sind seit 2005 um gut 13 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig sind die Ausgaben für die Pflichtschulen um 33 Prozent gestiegen. „Eine beträchtliche Differenz, die auch die einberechnete Inflation von seither insgesamt 20 Prozent nicht erklärbar macht“, analysiert Wolfgang Feller vom österreichischen Think Thank Agenda Austria.

„Undurchschaubares System an Zulagen“


Der größte Kostenbrocken besteht aus Personalkosten. Bildungsexperte Feller: „Dass diese so stark gestiegen sind, liegt am Lehrerdienstrecht.“ Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werde die Arbeit der Lehrer in Österreich über die Anzahl der Unterrichtsstunden definiert. Die Konsequenz: Jede Tätigkeit eines Lehrers, die nicht aus Unterricht bzw. Vor- oder Nachbereitung besteht, wird als Mehrdienstleistung abgegolten. Das ergibt mittlerweile ein undurchschaubares System an Zulagen“, kritisiert Feller. Das wertet sie als Ergebnis des Verhandlungsgeschicks der Lehrergewerkschaft. „Jede Veränderung in der Arbeitsleistung wurde mit der einen oder anderen Zulage ausgeglichen, was am Ende für so manche Lehrer zu einer Gehaltserhöhung geführt hat“, so der Agenda-Austria-Experte weiter.

Geringe Anzahl von Schülern in einer Klasse


Ein weiterer Grund für die gestiegenen Personalkosten ortet die Agenda Austria in den niedrigen Klassenschülerzahlen. In Volksschulen beträgt sie durchschnittlich 18, in den Hauptschulen und den Neuen Mittelschulen 20. Auch das Teamteaching in den Neuen Mittelschulen hat die Personalkosten nach oben getrieben. Feller: „Dass diese Maßnahmen zu besseren Ergebnissen bzw. Leistungen der Schüler führen, wurde bisher nicht nachgewiesen.“

Um das teure und zum Teil nicht ausreichend erfolgreiche Bildungssystem zu ändern, fordert das Think Thank zwei Maßnahmen: „Teure und dennoch nicht effektive Neuerungen wie das Teamteaching wieder abzuschaffen.“ Das würde auch die nötige verstärkte Förderung der Brennpunktschulen in den Städten möglich machen.

Kernarbeitszeiten ohne Extrazulagen und leistungsabhängiger Gehalt gefordert


Vor allem aber müsse es darum gehen, ein modernes Lehrerdienstrecht einzuführen. „Das Gehalt eines Lehrers soll nicht in erster Linie von der Unterrichtszeit und der automatischen Vorrückung abhängen. Wie andere Arbeitnehmer auch sollen Lehrer verpflichtet sein, in einer bestimmten Kernarbeitszeit bestimmte Aufgaben zu erledigen - ohne Extrazulagen", so Feller. Ein neues Lehrerdienstrecht müsse die individuelle Leistung der Pädagogen berücksichtigen: Bildet sich der Lehrer fort? Wie schneidet er in einer Evaluierung ab? Diese Maßnahmen würden automatisch zu einer besseren Qualität des Unterrichts führen – ohne dass die Ausgaben noch weiter steigen.

Bis zu 20 Prozent Kostenunterschied zwischen den Bundesländern

Der heute Mittwoch präsentierte Bildungsbericht wiederum ortet hohe Differenzen bei den Kosten pro Kind zwischen den einzelnen Bundesländern. So unterscheiden sich die Kosten pro Volksschüler zwischen den Bundesländern um fast 20 Prozent. In Kärnten liegen sie um knapp 800 Euro über und in Wien um knapp 500 Euro unter dem Bundesschnitt von 6.956 Euro pro Jahr. Über die gesamte Volksschulzeit werden für einen Kärntner Schüler 30.968 Euro aufgewendet, für einen steirischen Schüler 30.738, für einen burgenländischen 30.351, für einen Vorarlberger 27.797, für einen niederösterreichischen 27.787, für einen oberösterreichischen 26.699, für einen Tiroler 27.596, für einen Salzburger 26.710 und für einen Wiener 25.927 Euro. Der Österreich-Schnitt liegt bei 27.824 Euro.

Schulen, die vom Bund geführt werden, arbeiten ökonomisch effizienter

In den Haupt- und Neuen Mittelschulen zeigen sich sogar noch größere Unterschiede zwischen den Ländern. Die Maximaldifferenz zwischen den Ländern beträgt sogar 1.950 Euro bei einem Bundesschnitt von 10.760 Euro, in den AHS-Unterstufen sind die Unterschiede dagegen moderater (680 Euro). "Die Kosten der Schulen, die unter Bundesverwaltung stehen, sind tendenziell gleichmäßigerer. Das kann als Indiz gewertet werden, dass die einheitlichere Verwaltung durch den Bund, die auch die Kosten übernimmt, gerechter ist", heißt es im Bericht.

Ausgaben der Landesschulverwaltungen eine "Blackbox"

Wie die Ausgaben in den Ländern genau verwendet werden, ist für die Forscher eine Art Black Box. Die Vergabe und Verteilung sei extrem intransparent - es lasse sich weder belegen, dass es einen Mangel an Mitteln gebe noch einen Überfluss. Die Wissenschafter sehen vor allem eine "Bruchlinie zwischen Bund und Ländern in der Finanzierungsregelung, die gegensätzliche Grundinteressen ergibt: beim Bund möglichst Minimierung, bei den Ländern möglichst Maximierung der Ausgaben. Das logische Resultat ist Informationszurückhaltung durch die Länder mit der Folge, dass die nötigen Informationen nicht nur dem Bund, sondern auch der Öffentlichkeit vorenthalten werden." Als Option wird daher für die Agenda-Experten die Vereinheitlichung der Zuständigkeiten vorgeschlagen, zum Beispiel für die Sekundarstufe 1 (derzeit: Hauptschule/Neue Mittelschule beim Land, AHS-Unterstufe beim Bund).

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