Wenig Frauen im Toppositionen - Firmen kümmert das wenig

Wenig Frauen im Toppositionen - Firmen kümmert das wenig

Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern, ist Führungskräften in KMUs kein Anliegen.

Gleich zwei Studien weisen auf das selbe Problem hin: Frauen in Führungspositionen sind sowohl in großen als auch in kleinen Firmen äußerst selten. Warum die Firmenchefs glauben keine geeigneten Frauen zu finden und was nach Einschätzung der Experten der wahre Grund ist. Wie Österreich im EU-Vergleich da steht und wie sehr sich die Führungsriege für Gleichstellung von Männern und Frauen beim Gehalt einsetzt.

Unternehmen und Frauen in Führungspositionen passen offenbar nicht so recht zusammen. Das legen zumindest gleich zwei Studien nahe. EY befragte zu diesem Thema rund 900 Führungskräften von KMUs mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter. Die Arbeiterkammer recherchierte dazu in den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich sowie in börsennotierten Konzernen. Das Ergebnis beider Studien: Die Führungsetagen bleiben in Männerhand. Laut der EY-Studie überwiegen in mittelständischen Unternehmen mit 86 Prozent die Männer in der Chefetage. Nur im Handel ist der Frauenanteil in Führungspositionen mit 30 Prozent vergleichsweise hoch. Im Bereich Bau/Energie ist dieser mit 19 Prozent besonders niedrig.

Firmenchefs finden keine geeigneten weiblichen Fachkräfte

Firmenchefs von KMUs und von den größten 200 Firmen Österreichs eint damit eines: Sie finden, laut ihren Angaben, einfach keine geeigneten weiblichen Führungskräfte. Und das obwohl bei den Uniabsolventen im Schnitt längst Frauen dominieren. Über ein Drittel (37%) der Befragten der KMU-Studie gibt an, dass die Rekrutierung qualifizierter weiblicher Fachkräfte für sie schwierig sei. Besonders betroffen davon sind laut eigener Aussage Unternehmen im Bau-/Energiesektor (42%) und der Industrie (41%). Im Bundesländervergleich sehen insbesondere Mittelstandsunternehmen in Salzburg (43,3%), Vorarlberg (43%) und Tirol (41,1%) Probleme bei der Rekrutierung von geeigneten weiblichen Fachkräften.
In den Vorstandsetagen großer Firmen kommt man offenbar zum selben Ergebnis wie die KMU-Bosse. Weit und breit keine geeignete Frau in Sicht. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen liegt bei nur 7,2 Prozent. Auch börsennotierte Firmen bleiben eine Männerbastion. Nur in sieben von ihnen ist überhaupt ein weibliches Vorstandsmitglied bestellt, so die AK. Jedes vierte der 200 größten Unternehmen kommt in Geschäftsführung und Aufsichtsrat gänzlich ohne Frauen aus.

Einstellungs- und Beförderungspolitik das wahre Problem

Laut Einschätzung von EY mangelt es jedoch vielfach nicht an qualifizierten Frauen sondern vielmehr an der Einstellungs- und Beförderungspolitik der Unternehmen. Baumann von EY: „Es ist im Interesse von Unternehmenslenkern, eine offene Unternehmenskultur zu entwickeln. Es ist klar, dass dieser Prozess nicht von heute auf morgen gelingt. Aber gerade auch in Hinblick auf den Unternehmenserfolg sollte die aktive Förderung von Gleichstellung die oberste Maxime sein.“

Ein Viertel glaubt nicht an Vorteile gemischter Teams

Immerhin mehr als die Hälfte der Befragten der EY-Umfrage ist überzeugt, dass ein größerer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Unternehmenserfolg tendenziell erhöht. Nur jeder Vierte (24 Prozent) verneint einen möglichen derartigen Zusammenhang kategorisch. Elfriede Baumann, Partnerin bei EY: „In den Chefetagen im österreichischen Mittelstand geben zwar immer noch die Männer den Ton an, Unternehmensverantwortliche sind sich allerdings vielfach bewusst sind, wie wichtig gemischte Führungsteams für den Erfolg sind."

Je höher der Umsatz, umso eher führen Manager das auf Frauen in Toppositionen zurück

Erfolgreiche Mittelstandsunternehmen sehen laut EY-Studie dennoch einen positiven Zusammenhang zwischen einem hohen Frauenanteil und einer guten wirtschaftlichen Entwicklung: „Je höher der Umsatz eines Unternehmens, desto eher führen Unternehmensverantwortliche diesen Erfolg auf Frauen in Führungspositionen zurück.“

Dienstleister fördert Frauen am häufigsten

Das gestiegene Bewusstsein für die Vorteile von gemischtgeschlechtlichen Führungsteams zeigt sich auch zunehmend in der Personalarbeit. „Inzwischen wird in vielen Unternehmen daran gearbeitet, Frauen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen. Jedes vierte Mittelstandsunternehmen engagiert sich für die Gleichberechtigung im eigenen Betrieb und setzt Initiativen zur Förderung von Frauen. Am stärksten betreiben Dienstleister aktive Frauenförderung: Hier gibt immerhin jedes dritte Unternehmen (33%) an, eine derartige Politik zu praktizieren. In der Industrie ist der Anteil mit 23 Prozent aktuell am niedrigsten.

Frauenförderung: Meist keine gelebte Praxis

Auch bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen ist es mit der aktiven Frauenförderung nicht weit her. 75 Prozent der befragten Firmen setzen keine derartigen Maßnahmen. Die wenigen, die Frauen gezielt fördern, setzen am ehesten auf flexible Arbeitszeitmodelle (11 Prozent), die "aktive" Verringerung von Gehaltsunterschieden zwischen Frauen und Männern in gleicher Position sowie Führungskräftetrainings zur Sensibilisierung für das Thema Gleichstellung (je 8 Prozent).

Nur acht Prozent setzen sich aktiv für Verringerung von Gehaltsunterschieden ein

Die am weitesten verbreiteten Instrumente zur Förderung von Frauen sind flexible Arbeitszeitmodelle (11%), die aktive Verringerung von Gehaltsunterschieden zwischen Frauen und Männern in gleicher Position sowie das Anbieten von Trainings zur Sensibilisierung von Führungskräften (je 8%). Sieben Prozent veranstalten Trainings für Frauen zur Förderung ihrer Karriere in ihrem Unternehmen. Vier Prozent haben ein eigenes Frauennetzwerk.

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