Weltweite Hausse bei Börsengängen - Österreichs Unternehmen zögern

Weltweit haben im ersten Halbjahr 2017 um 70 Prozent mehr Unternehmen den Sprung auf das Börsenparkett gewagt als im Jahr zuvor. In China ist der Appetit auf die Finanzmärkte besonders groß, Österreichs Unternehmen sind dagegen noch sehr zurückhaltend.

Der Börsengang von Snap Inc. war der größte der insgesamt 772 IPOs des ersten Halbjahres 2017.

Der Börsengang von Snap Inc. war der größte der insgesamt 772 IPOs des ersten Halbjahres 2017.

Aktien liegen wieder im Trend. Angesichts der guten Konjunkturaussichten und der Rekordstände an den internationalen Börsen wagen sich Unternehmen wieder an die Finanzmärkte. Weltweit sind im ersten Halbjahr des Jahres 2017 insgesamt 772 Unternehmen neu an die Börsen gegangen - so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die Zahl der IPOs ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent gestiegen, das Emissionsvolumen hat sogar um 90 Prozent auf 83,4 Milliarden US-Dollar zugelegt. Gemessen an der Zahl der Börsengänge handelte es sich um das stärkste erste Halbjahr seit 2007 – damals wurden in der ersten Jahreshälfte weltweit 948 IPOs gezählt.

Weltweit mehr IPOs

„Der weltweite IPO-Markt zeigt sich derzeit sehr stark“, kommentiert Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich. „Alle wichtigen Märkte verzeichnen Zuwächse, die allerdings in China besonders massiv ausfallen. Dort bemühen sich die Aufsichtsbehörden derzeit, die IPO-Pipeline zügiger abzuarbeiten und Zulassungen zu beschleunigen. Aber auch der US-Markt kommt nach einer längeren Durststrecke wieder in Fahrt.“

Insgesamt gab es an den chinesischen Börsen - einschließlich der Börse Hong Kong 317 Neuzugänge – nach nur 100 im Vorjahr. Damit fanden 41 Prozent aller weltweiten IPOs in China statt. Das Emissionsvolumen an den chinesischen Börsen stieg von 10,0 auf 25,4 Milliarden US-Dollar. Auch in den Vereinigten Staaten zeigt der Trend nach oben: Die Zahl der Börsengänge wuchs um 82 Prozent auf 80, das Emissionsvolumen hat sich von 7,0 auf 22,0 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht.

Etwas verhaltener war die Entwicklung in Europa. Hier lag das Emissionsvolumen mit 17,5 Milliarden US-Dollar nur leicht – um fünf Prozent – über dem Vorjahresniveau. Die Zahl der IPOs stieg um acht Prozent auf 122. In Europa habe sich die Situation in den letzten Monaten aufgehellt, so Schwartz: „Zurzeit entwickeln sich sowohl die Börsen als auch die Konjunktur in Europa positiv. Die politischen Risiken sind spürbar gesunken, und trotz der Unwägbarkeiten, die mit den anstehenden Brexit-Verhandlungen verbunden sind, sehen wir ein hohes Konsumentenvertrauen, steigende Unternehmensgewinne und eine zunehmende Investitionsbereitschaft aufseiten der Unternehmen. Das sind gute Rahmenbedingungen für den IPO-Markt.“

Die größten Börsengänge des ersten Halbjahres 2017

Die weltweit größten Börsengänge im ersten Halbjahr waren die Erstnotiz des Instant-Messaging-Dienstes Snap (ISIN US83304A1060) im Volumen von 3,9 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Netmarble, einem südkoreanischen Entwickler von Online-Spielen, der 2,3 Milliarden US-Dollar einbrachte. An dritter Stelle steht der chinesische Broker Guotai Junan, der bei seinem Börsengang 2,2 Milliarden US-Dollar einnahm.

Bei Snap ist nach dem Feuerwerk der ersten Tage allerdings der Zund etwas weg. Aktuelle notiert das Papier bei 17,34 Dollar. Zum IPO Anfang März wurde es zwischenzeitlich auch um 29,44 Dollar gehandelt.

Snap Inc.(US83304A1060); aktienkurs ovm 28. Juni 2017: 17,34 $. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Snap Inc.(US83304A1060); aktienkurs ovm 28. Juni 2017: 17,34 $. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Von den zehn größten Börsengängen weltweit fanden drei in Nordamerika statt, fünf in Asien und zwei in Europa: Die IPOs des Schweizer Apothekenbetreibers Galenica Santé (ISIN CH0360674466) im Volumen von 1,9 Milliarden US-Dollar sowie des französischen Autoleasing-Anbieters ALD (ISIN FR0013258662), der 1,3 Milliarden US-Dollar einbrachte.

In Österreich gab es im Jahr 2017 bislang zwei Neunotierungen. Die Cleen Energy AG (ISIN AT0000A1PY49) hat am 20. April den Sprung auf das Börsenparkett gewagt. Das Papier wurde um 4,19 Euro ausgegeben und notiert aktuell bei 4,51 Euro, bei sehr schwachem Handelsvolumen. Am 23. Juni folgte die britische "The Just Loans Group Plc" (ISIN GB00BYX60J11). Sie ist seither am dritten Markt gelistet. Als bester Kandidat für einen weiteren, weitaus größeren Börsengang im Jahr 2017 gilt der Glücksspiel-Konzern Novomatic.

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