Weltpremiere: Alle Fed-Chefs an einem Tisch

Weltpremiere: Alle Fed-Chefs an einem Tisch

Fed-Chefs unter sich: Von Finanzkrisen und "Blasen-Ökonomien".

Yellen, Bernanke, Greenspan und Volcker - die obersten US-Währungshüter der letzten 37 Jahre haben sich zu einer Diskussionsrunde zusammengefunden und redeten über den Zustand der US-Wirtschaft, die Macht der Fed-Chefs und die Frage, ob die Notenbank es allen recht machen kann.

"Ich habe mir die ganze Zeit über Sorgen gemacht", sagt Paul Volcker über seine achtjährige Amtszeit als Vorsitzender der US-Zentralbank Federal Reserve. Er ist in guter Gesellschaft, an diesem Abend in New York. Neben Volcker bilden die amtierende Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Vorgänger Ben Bernanke und Alan Greenspan die Diskussionsrunde. Die Spitzenkräfte aus mehr als einem Drittel US-Zentralbankgeschichte debattieren über Wirtschaftsrisiken, Konjunktur und die Verantwortung der Fed - das gab es noch nie.

Yellen räumt hinter Bernanke auf

"Zum Glück muss ich mich nicht drum kümmern", scherzt Bernanke und lenkt die Blicke auf Sitznachbarin Yellen. Es geht darum, wie die Fed die Geldschwemme aus seiner Amtszeit je wieder unfallfrei aus dem Finanzsystem abziehen will. Um sich nach dem Crash von 2008 gegen den Totalabsturz der US-Wirtschaft zu stemmen, hatte die Notenbank massenhaft Liquidität in die Märkte gepumpt und ihre Bilanz um fast 3 auf 4,5 Billionen Dollar (4 Billionen Euro) aufgebläht.

Obwohl sich die US-Wirtschaft erholt hat, ist die schwindelerregende Summe noch immer auf den Büchern der Notenbank. Für Yellen ist das kein Problem: "Es läuft alles glatt", sagt sie. Die "schrecklichen Dinge", vor denen gewarnt wurde, seien bisher nicht eingetreten.

Rückblick

Unter Bernanke musste sich die Fed beim Krisenmanagement neue Rezepte ausdenken. Als der Leitzins, der die Konditionen für kurzfristige Kredite steuern soll, die Null-Linie erreichte, waren die herkömmlichen Mittel der Geldpolitik ausgeschöpft.

Um die Konjunktur zusätzlich anzuschieben, begann die Fed ein gewagtes Experiment und flutete das Finanzsystem von Ende 2008 bis Oktober 2014 über Anleihekäufe mit Zentralbankgeld. Das birgt Risiken und Nebenwirkungen: Zuviel Liquidität kann Spekulation anheizen und die Preise etwa für Aktien, Anleihen oder Immobilien aufblähen, was direkt zum nächsten Kollaps führen kann. Davon will Bernanke aber nichts wissen, die Sorgen vor Dollar-Crash und Hyperinflation hätten sich als unbegründet entpuppt.

Yellen stimmt zu: Von einer "Blasen-Ökonomie" und überbewerteten Preisen könne keine Rede sein. Yellen hat ohnehin andere Sorgen. Angesichts der ungewissen Aussichten der US-Wirtschaft werfen ihr Kritiker vor, im Dezember überhastet die Zinsen erhöht zu haben - es war die erste Anhebung seit fast zehn Jahren. Das sei kein Fehler gewesen, sagt Yellen. Die Konjunktur habe seitdem Fortschritte gemacht. Sie nehme an, dass die Zinsen schrittweise weiter steigen.

Beim Treffen der "Top 4" der US-Geldpolitik wird vor allem eines deutlich: Die Verantwortung, die auf den Schultern der obersten Währungshüter lastet, ist riesig. Ob sich die Notenbank der Bedeutung ihrer Maßnahmen für andere Länder bewusst sei, will ein Student aus dem Publikum wissen. "Wenn es den USA gut geht, ist das tendenziell ein Plus für die Weltwirtschaft", antwortet Yellen. Schwellenländer zittern, wenn die Fed ihren Kurs strafft, weil Geld dann in die USA zurückfließt. Man kann es nicht allen recht machen, meint Bernanke.

Davon kann auch Volcker ein Lied singen - er hob die Zinsen Anfang der 1980er Jahre im Kampf gegen die galoppierende Inflation auf über 20 Prozent und mutete der US-Wirtschaft damit einiges zu. Doch die breite Bevölkerung habe den Kurs unterstützt, sagt er heute. "Die Leute hatten genug von der Malaise und steigender Inflation". Der einzige, dem zu Amtszeiten gehuldigt wurde, ist Greenspan.

Doch der einstige "Magier der Märkte", der per Videoschalte teilnahm, hat inzwischen den schlechtesten Ruf der vier. Sein Hang zu lockerer Geldpolitik gilt rückblickend als Wegbereiter für die Krise 2008. Vorwürfe mochte Greenspan, der jüngst 90 wurde und über 18 Jahre an der Fed-Spitze stand, aber keiner machen. Es seien ohnehin immer viele Leute unzufrieden, man könne nur "versuchen, das Richtige zu tun", fasste Bernanke das Dilemma der Fed-Chefs am Ende zusammen.

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