„Die fortlaufende Weiterentwicklung steckt in unserer DNA“

AUSTRIA’S BEST MANAGED COMPANIES. Produktivität und Innovation gehen Hand in Hand: Die Leistung nachhaltig zu steigern und neue Ideen umzusetzen, ist der Motor, der Unternehmen zukunftsfit hält.

„Die fortlaufende Weiterentwicklung steckt in unserer DNA“

Sie beraten seit vielen Jahren führende österreichische Unternehmen. Wie gelingt es, die Kernthemen Produktivität und Innovation im Fokus zu halten?
Georg Jurceka: Der österreichische Mittelstand ist langfristig orientiert und hat die Zukunft auch strategisch im Blick. Ein gutes Beispiel dafür sind unsere Hidden Champions im produzierenden Bereich. Hier wird im B2B-Bereich eng verzahnt mit Kunden an innovativen Lösungen für neue Herausforderungen gearbeitet. Somit wächst die eigene Innovationskraft mit den Fragen, die der Markt für das einzelne Unternehmen bereithält. Eine Garantie dafür, dass Innovation und Produktivität immer ausreichend Aufmerksamkeit bekommen, gibt es natürlich keine. Eine hohe Markt- und Kundenorientierung sind aber gute Voraussetzungen dafür, am Ball zu bleiben.

Viele stellen sich Innovation als kreativen Akt vor. Wie passiert Innovation in Ihrer Organisation?
Franz Mathi: Innovation bei KNAPP ist tatsächlich etwas, das mittlerweile fast automatisch passiert. Die fortlaufende Weiterentwicklung steckt in unserer DNA. Das Besondere an unserem Unternehmen ist, dass von jedem einzelnen Mitarbeitenden Innovation gelebt wird. Ideenfindungen unterliegen dabei grundsätzlich einem kreativen Prozess, und das ist unbestritten eine der spannendsten Phasen. Nur eine offene Kultur im Umgang auch mit den ungewöhnlichsten Einfällen führt zu erfinderischen Ansätzen. Die Umsetzung all dieser Ideen mündet dann in harte Arbeit, die koordiniert und wiederum sehr strukturiert klaren Methodiken folgt. Nur so schaffen wir es, all unsere strategischen Initiativen in der Gruppe umzusetzen. Und nur so konnte der lange Weg von der Krapfenfüllmaschine über die erste industrialisierte Software hin zum Value-Chain-Partner und Technologieunternehmen bewältigt werden.

Ist der Produktivität irgendwann ein Ende gesetzt? Kann Arbeit immer noch produktiver werden?
Jurceka: Die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Grenzen des Möglichen in der Wirtschaft immer weiter hinausgeschoben wurden. In der vierten industriellen Revolution erleben wir gerade technologisch neue Wege zur Gestaltung von Arbeit und gleichzeitig innovative Arbeitsformen, die auch die soziale Interaktion des Arbeitslebens verändern. Bei beiden Themen haben viele Unternehmen eine Reise gestartet, deren Ende noch nicht absehbar ist. Ein ­Limit an Produktivitätssteigerung gibt es sicherlich, aber das liegt aus heutiger Sicht noch in weiter Ferne.

Mathi: Produktivität im Sinne von Leistungsfähigkeit kann nicht unendlich gesteigert werden. Aber jeder, der danach strebt, sein ganzes Unternehmen oder einzelne Prozesse zu optimieren, ist dazu angehalten, eingetretene Pfade zu verlassen. Nur durch das Verschieben und Verändern von Systemgrenzen kann Leistung gesteigert werden. Da schließt sich dann der Kreis zur erwähnten Innovationskultur. Selbstverständlich streben auch wir danach, unser Unternehmen zu optimieren. Deshalb ist es wichtig, dass Innovation sehr stark aus dem Unternehmen selbst getrieben wird. Unsere Mitarbeitenden verschieben aus eigenem Antrieb immer wieder Grenzen, um unsere Vision und die daraus abgeleitete Strategie zu verwirklichen.

Welchen Stellenwert müssen Produktivität und Innovation im Unternehmen haben, um nachhaltig erfolgreich zu sein?
Mathi: Innovation ist das wesentliche Element des menschlichen Handelns und muss daher auch als wesentliches Element im Unternehmen verankert sein, wenn man in dieser sich ständig wandelnden Wirtschaftswelt bestehen will. Die Kombination aus Innovation und Produktivität ist demnach zentraler Bestandteil von erfolgreichen Unternehmen.

Welche Leading Practices zeichnen erfolgreiche Unternehmen aus?
Jurceka: Produktivität und Innovation leben davon, dass es die richtigen Ressourcen und Kompetenzen in der Organisation gibt, die beides ermöglichen. Diese Voraussetzungen sind oft schwer zu imitieren und stellen damit auch einen echten Wettbewerbsvorteil dar. Erfolgreiche Unternehmen schaffen es besser, die passenden Mitarbeitenden zu finden, zu halten und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie ihre Stärken entfalten können. Anreizsystem spielen dabei auch eine wichtige Rolle, wobei klassische monetäre Anreize nur einen kleinen Teil der Klaviatur ausmachen. Vielmehr sind Anerkennung, Sichtbarkeit und das richtige Umfeld die Aspekte, die eine große Rolle spielen.

Welchen Einfluss hat die Unternehmenskultur auf Produktivität und Innovation?
Mathi: Offenheit, Mut, Kreativität, Zuverlässigkeit und Wertschätzung sind jene Werte, auf denen unserer Überzeugung nach eine Firmenkultur basieren muss. Erfolg kann man nicht voraussetzen, genauso wenig kann man von Mitarbeitenden verlangen, ­permanent kreativ zu sein. Der richtige Umgang mit Fehlern und Scheitern ist eine wesentliche Komponente der Firmenkultur. Thomas Edison hat einst von zehn Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration gesprochen. Die Phase der Transpiration ist auch geprägt von Fehlern. Nur wer den Mut hat, solche Fehler einzugestehen und offen damit umgeht, schafft ein Klima des Vertrauens. Die Ideen für Lösungen entstehen dann meist von selbst. Und so schafft man es auch, neue Meilensteine im Unternehmen zu erreichen – ein solcher Meilenstein bei KNAPP war der Aufbau von 1.000 zusätzlichen Mitarbeitern im vergangenen Jahr, die alle an einem Strang ziehen und unsere Kultur leben. Darauf sind wir sehr stolz.

Jurceka: Die Unternehmenskultur ist im besten Fall Nährboden, im schlechtesten Fall aber auch Showstopper für Produktivität und Innovation. Dabei gibt es nicht den einen Königsweg, der zum Erfolg führt. Unternehmenskultur ist der wichtigste Umfeldfaktor, der darüber entscheidet, die richtigen Talente anzuziehen, zu binden und sie – vereinfacht gesagt – ihren Job machen zu lassen. Ob die Unternehmenskultur ein förderliches Umfeld für Innovation bietet, lässt sich in einem ersten Schritt anhand von drei Punkten abklopfen: Wie wird mit Ideen, Fehlern und schwierigen Situationen umgegangen?


Zu den Personen

Franz Mathi (r.) ist Chief Operations Officer (COO) von KNAPP. Die KNAPP AG mit Hauptsitz in Hart bei Graz zählt zu den führenden Technologieunternehmen und bietet effiziente, sichere und wirtschaftliche Automatisierungslösungen für die gesamte Wertschöpfungskette.

Georg Jurceka (l.) ist Director bei Deloitte Human Capital und unterstützt Kunden bei der Gestaltung und Einführung von Vergütungssystemen, Berufsbildern, Job Grading, Performance-­Management-Systemen und weiteren Themen im Personalbereich. Darüber hinaus ist Georg Jurceka Vortragender an mehreren Fachhochschulen und bei Seminaranbietern.



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