Wasserstoff - Die übernächste Zukunftshoffnung

 Wasserstoff - Die übernächste Zukunftshoffnung

WASSERTANK. Bis 2025 soll ein flächendeckendes Tankstellennetz entstehen.

Was hinter dem überraschenden Vorstoß von ÖVP-Chef Sebastian Kurz steckt, Wasserstoff im Verkehr zu pushen.

Exakt 32 Wasserstoffautos fuhren mit Ende Mai auf Österreichs Straßen. Sie konnten an fünf OMV-Tankstellen in Wien, Wiener Neudorf, Asten, Innsbruck und Graz tanken. Dennoch will ÖVP-Chef Sebastian Kurz bereits bis 2025 ein flächendeckendes Tankstellennetz etabliert haben und mit 500 Forschungsmillionen Österreich zur "Wasserstoffnation Nummer eins" machen.

Die Industrie freut sich über die forsche Ansage des Altkanzlers. Voestalpine, Verbund und Siemens tüfteln derzeit an einer großen Wasserstoff-Pilotanlage in Linz, es geht um nichts weniger als eine klimafreundliche Stahlproduktion der Zukunft. Zusätzliche Forschungsgelder sind da willkommen.

Doch dass die Technologie der Zukunft nach den Vorstellungen von Kurz auf der Straße schon so früh eine Rolle spielen soll, hat Freund und Feind überrascht. In den letzten Monaten hatten im trend prominente Autozulieferindustrielle wie KTM-Chef Stefan Pierer, voestalpine-Boss Wolfgang Eder oder Magna-Europa-CEO Günther Apfalter einen seriellen Durchbruch des Wasserstoffautos erst zwischen 2035 und 2040 gesehen.

Theoretisch sollten sich die Vertreter der erneuerbaren Energien über die Entwicklung freuen. Wenn es "grüner" Wasserstoff sein soll, muss die Energie zur Herstellung aus Windkraft, Photovoltaik &Co. kommen. Doch es gibt keinen Plan, wie das gelingen soll, kritisiert Florian Maringer, Geschäftsführer des Verbands für Erneuerbare Energie Österreich, der die jetzt vorgelegten Ideen für "unausgegoren" hält.

Welche Wertschöpfung man in diesem Sektor in Österreich lukrieren könne, sei etwa noch nicht einmal ansatzweise klar. Anders als bei industriellen Anwendungen und im Schwerverkehr sei Wasserstoff "im Pkw-Bereich Nonsens", so Maringer. Hauptprofiteur des Kurz-Vorstoßes dürfte die OMV sein. Sie hat praktisch zeitgleich mit Kurz und Ex-Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger angekündigt, gemeinsam mit dem Verbund den Bau einer Elektrolyse-Wasserstoff-Produktion prüfen zu wollen. Der propagierte Ausbau des Tankstellennetzes ist ein Milliardengeschäft: Die Kosten pro Station werden in Branchenkreisen mit rund zwei Millionen Euro angegeben. Der Öl-und Gaskonzern ist auch in den Arbeitsgruppen zur heimischen Wasserstoff-Strategie, die im Nachhaltigkeitsministerium bis Jahresende erarbeitet wird, fix miteingebunden.



Die Geschichte ist der trend-Ausgabe 27-28/2019 vom 5. Juli 2019 entnommen.


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