Was der Terror von Brüssel für die Wirtschaft bedeutet

Was der Terror von Brüssel für die Wirtschaft bedeutet

Nach den Anschlägen am Flughafen und in der Ubahn von Brüssel lagen Europas Börsen zunächst im Minus, erholten sich im Lauf des Tages aber wieder. Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erläutert, was die Katastrophe für Europas Wirtschaft bedeutet.

Am Tag nach den Anschlägen von Brüssel hat das öffentliche Leben dort verhalten wieder begonnen. Die meisten öffentlichen Verkehrsmittel nahmen den Betrieb auf - auf Teilabschnitten auch die U-Bahn-Linie, auf die am Dienstag ein Anschlag verübt wurde. An den Eingängen kontrollierten Polizisten und Soldaten jede Tasche. Der Flughafen, wo zwei Bomben explodierten, blieb geschlossen.

Bei den Anschlägen im Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Europaviertel waren am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet worden. Rund 260 weitere wurden verletzt. Belgiens Außenminister Didier Reynders sagte am Mittwoch im Sender RTBF, unter den Toten und Verletzten gebe es wahrscheinlich Opfer aus "rund 40 verschiedenen Nationen".

Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block sprach von "ungefähr 31 Toten" und fast 260 Verletzten. Bei vielen sei die Identität noch nicht geklärt. "Wir kennen von einer ganzen Reihe von Menschen ihre Identität. Aber es gibt auch Menschen, die noch in Tiefschlaf gehalten werden und sich in einem kritischen Zustand befinden. Die können wir nicht aufwecken. Der Patient geht vor." Bisher gibt es keine Hinweise auf Opfer aus Österreich.

Die Bedeutung des Anschlags für die Wirtschaft

Der europäischen Wirtschaft werden die Anschläge laut Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), allerdings wenig Schaden zufügen - vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren Terrorakten. Solange nicht die Befürchtung bestehe, dass sich solches nun permanent wiederhole, sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen erst einmal gering bleiben, teilte er der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Marcel Fratzscher

Fratzscher zieht den Vergleich zu den Anschlägen von Paris im vergangenen November, die keine signifikanten wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland und Europa gebracht hätten. Daher sei er optimistisch, dass die Wirtschaft auch dieses Mal keine bleibenden Beeinträchtigungen erleben wird.

Börsen erholten sich wieder

Der Wissenschaftler verweist auch auf die Entwicklung der Aktienmärkte am Dienstag, "die doch eigentlich relativ ruhig waren." Am Tag der Brüsseler Anschläge haben die europäischen Börsen mehrheitlich im Plus geschlossen: Der Euro-Stoxx-50 ging mit einem knappen Plus von 2,46 Einheiten oder 0,08 Prozent bei 3.051,23 Zählern aus dem Handel, selbst der belgische Leitindex BEL-20 schloss mit leichten Gewinnen.

Nach Bekanntwerden der Anschläge hatten die europäischen Anschläge zunächst deutlich im Minus geöffnet. "Unsicherheit heißt an der Börse erstmal verkaufen", kommentierte ein Börsianer. Bereits am späten Vormittag grenzten sie ihre Verluste allerdings wieder etwas ein. Nachdem die Börsen in New York am Nachmittag stabil eröffneten, holten auch viele europäische Aktienmärkte wieder auf. Schlussendlich drehten viele sogar noch ins Plus.

In Deutschland überwiegen positive Signale

"Die wichtigste Sorge ist: sind die Menschen verunsichert", erklärt Fratzscher. Er glaubt, dass es in letzter Zeit gerade in Deutschland Nachrichten gab, die wichtiger für die Psychologie und das Empfinden der Konsumenten und Unternehmen seien als die Brüsseler Vorgänge. "Wir haben viele andere Entwicklungen im Moment, die positiv sind", sagt er. Fratzscher verweist als Beispiele auf die anstehenden kräftigen Rentenerhöhungen in Deutschland und die Lohnentwicklung. Auch eine Investitionszurückhaltung sehe er nicht heraufziehen.

"Also, zumindest in Deutschland deuten die Anzeichen darauf hin, dass wir auch dieses Jahr ein sehr robustes Jahr wirtschaftlich erleben werden", sagt er. Und was die Weltwirtschaft angehe, so rechne das DIW im Gegensatz zu anderen Experten mit "einer weitere Verbesserung der weltwirtschaftlichen Lage". Sein Institut rechne 2016 mit einem höheren globalen Wachstum als 2015 - nämlich um die 3,5 Prozent.

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