Was macht Roboterhersteller Kuka so interessant?

Was macht Roboterhersteller Kuka so interessant?

Das Angebot ist fast unmoralisch: Der chinesische Haushaltsgeräteprofi Midea will für den Einstieg beim deutschen Roboterhersteller Kuka bis zu 4,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Um 35 Prozent mehr als das Unternehmen derzeit an der Börse wert ist. Doch was macht Kuka für den potentiellen Investor so interessant? Die Fakten.

Ein chinesischer Konzern greift nach dem Aushängeschild für deutsche Robotertechnik: Kuka. Die Chinesen wollen dem Kuka-Chef Till Reuter sogar weitgehend freie Hand lassen und würden sich auch mit einer Beteiligung von über 30 Prozent begnügen. Im Vorjahr machte Kuka einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Heuer soll der Umsatz über drei Milliarden Euro steigen, der Gewinn vor Steuern auf 155 Millionen Euro. Der 5-Jahresplan ist ambitioniert. Bis 2020 will Kuka den Umsatz auf 4 bis 4,5 Milliarden Euro erhöhen. Ziel sei es, den Umsatz in dem fernöstlichen Land auf eine Milliarde Euro mehr als zu verdoppeln. Da kommt das Übernahmeoffert vom chinesischen Geschäftspartner Midea nicht ungelegen.

Die Übernahmeofferte aus Guangdong ist so hoch, dass viele Kuka-Aktionäre einschlagen dürften. Mit 115 Euro je Aktie bietet Midea 35 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Dienstag. An der Börse schoss das Papier um 26 Prozent auf 106,45 Euro nach oben.

Vorreiter bei "Industrie 4.0"

Kuka gilt als Pionier in der Robotik und Automationstechnologie und zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Industrierobotern. Das Unternehmen bietet eine besondes breite Auswahl an Industrierobotern in nahezu alle Traglastbereiche und Robotertypen. Für eine Vielzahl an Anwendungen gibt es Softwarepakete. Kuka gilt als Vorreiter, wenn es um die unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" bekannte Automatisierung und Digitalisierung aller Produktionsprozesse geht.

China-Markt bringt eine Milliarde Umsatz

Bei den Plänen des schwäbischen Unternehmens, den Umsatz bis 2020 auf bis zu 4,5 (2015: 3,0) Milliarden Euro auszubauen, spielt China eine große Rolle. Der Markt allein soll 2020 eine Milliarde Euro zum Umsatz beisteuern, gut doppelt so viel wie jetzt. "China wird für die Robotik entscheidend sein", sagte Kuka-Boss Reuter. Midea passt das gut ins Konzept. Auch in China stiegen die Arbeitskosten, erläuterte Gu. "Das heißt, dass Effizienz für wachsende Unternehmen wie uns und die ganze Wirtschaft in China wichtiger wird." In China, auf dem größten Robotermarkt der Welt, ist der Automatisierungsgrad bisher jedoch vergleichsweise gering. Weshalb es auch schon bisher das Ziel von Kuka war, besondes in China zu wachsen.

Midea: weltweit größter Hausgerätehersteller

Doch die Einsatzmöglichkeiten von Kuka-Robotern erschöpfen sich nicht in den Logistikzentren von Midea, mit 18,7 Milliarden Euro Umsatz einer der weltweit führenden Hausgeräte-Hersteller. Auch Serviceroboter in vernetzten Häusern, in der Medizin oder der Altenpflege seien denkbar.

Kuka baut Roboter für BMW, VW oder Daimler

Kuka, bisher als Lieferant für Produktionsroboter oder Fertigungsstraßen für Autobauer wie VW, BMW, Daimler und Ford bekannt, will die Abhängigkeit von der Branche reduzieren und mehr Geschäft mit der Luftfahrt, mit Herstellern von Computern oder Telefonen zu machen. In China arbeiten rund acht Millionen Menschen an der Produktion von Tablets oder Smartphones, rund ein Drittel ihrer Arbeit könnten auch Roboter übernehmen.
Siemens wiederum setzt in der Elektromotorenproduktion auf flexible Zellen für die sogenannte Mensch-Roboter-Kommunikation.

Aktien-Kurs seit November verdoppelt

Größter Kuka-Aktionär ist der Anlagenbauer Voith mit 25,1 Prozent. Das kapitalschwache Familienunternehmen aus Heidenheim hatte mit dem Einstieg vor eineinhalb Jahren die Hoffnung auf mehr Schwung für seine "Industrie 4.0"-Strategie verbunden. Von der Midea-Offerte wurde Voith überrascht. Finanziell wäre ein Verkauf lukrativ: Der Aktienkurs von Kuka hat sich seit November 2014 mehr als verdoppelt, Voith könnte sein Paket für mehr als 1,1 Milliarden Euro losschlagen. Der hessische Unternehmer Friedhelm Loh hält zehn Prozent an Kuka. "Ich würde begrüßen, wenn alle drei großen Aktionäre an Bord blieben", sagte Kuka-Chef Reuter.

In der Vergangenheit wurde Siemens immer wieder Interesse an Kuka nachgesagt. Die Münchner arbeiten bei Fabrikausstattungen oft mit den Schwaben zusammen und liefern Systemsteuerungen für die Anlagen, etwa für große Autofabriken. Siemens wollte sich zu dem Angebot nicht äußern. Vorstandschef Joe Kaeser hatte aber in der Vergangenheit gezeigt, dass er vor einem Bieterwettstreit nicht zurückschreckt.

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