trend-Umfrage: Was wir für den Klimaschutz tun

trend-Umfrage: Was wir für den Klimaschutz tun

Die trend-Umfrage zum politischen Schlüsselthema der kommenden Nationalratswahl: welche Parteien die höchste Klimakompetenz haben - und was die Österreicher in ihrem Alltag bereit sind, zutun, um das Klima zu schonen.

Anders als im Nationalratswahlkampf 2017, der vom Migrationsthema beherrscht wurde, kommt aktuell keine politische Partei am Thema Klimaschutz vorbei. ÖVP-Chef Sebastian Kurz ließ soeben mit der Ansage aufhorchen, Klimaschutz als Staatsziel in die Verfassung schreiben lassen zu wollen sowie im Forschungs-und Mobilitätsbereich die Wasserstofftechnologie zu forcieren (siehe rechts). Selbst die traditionell klimaskeptische FPÖ will unter ihrem neuen Chef Norbert Hofer Klimaschutz zu einem Schwerpunktthema machen.

Damit orientieren sich Kurz, Hofer & Co. lediglich an dem, was sie aus der Bevölkerung und von Meinungsforschern hören. Denn zusätzlich befeuert durch einen extrem heißen Juni, wollen immer mehr Menschen wissen, wie es die Politik nun wirklich mit dem "K-Wort" hält.

Laut einer Umfrage des Linzer market-Instituts für den trend sind 68 Prozent der Befragten skeptisch, ob die österreichische Politik genug für den Klimaschutz unternimmt. Nur sieben Prozent glauben, dass das "auf jeden Fall" zutreffe, weitere 25 Prozent antworten mit "eher doch". Während die Großparteien ÖVP, SPÖ und FPÖ erst ihr Profil schärfen müssen, starten die seit 2017 nicht mehr im Parlament vertretenen Grünen beim derzeitigen Schlüsselthema mit einem Riesenvorsprung in den vorgezogenen Wahlkampf. 53 Prozent der Österreicher meinen, dass die Umweltpartei die glaubwürdigste politische Instanz in Sachen Klimaschutz ist.

Je städtischer und je höher der Bildungsgrad der Befragten ist, umso stärker wird diese Meinung vertreten. Aber auch in den westlichen Bundesländern votieren besonders viele Befragte für die Öko-Partei. "Man erwartet sich von den Grünen geradezu, dass sie für dieses Thema stehen", sagt Expertin Birgit Starmayr von market.

Nur zehn Prozent favorisieren die ÖVP, acht Prozent die FPÖ und sechs Prozent die SPÖ. Inwieweit die zugeschriebene Glaubwürdigkeit auch in Wählerstimmen ummünzbar ist, wird erst der 29. September zeigen. In Deutschland liegen die Grünen derzeit in einigen Meinungsumfragen bereits vor den dortigen Koalitionsparteien CDU/CSU und klar vor der SPD.

Noten über die politische Kompetenz der anderen abzugeben, ist das eine, das eigene Verhalten zu ändern, das andere. Je mehr klimaschonendes Verhalten mit einer schmerzhaften Umstellung eigener Gewohnheiten verbunden ist, desto geringer ist die Bereitschaft dazu.

Klar mehrheitsfähig ist etwa die Ansage, künftig mehr regionale und Biolebensmittel einzukaufen. "Das Thema wird jedoch kaum mit dem Klimaschutz verbunden", so Starmayr, es genieße auch unabhängig davon hohen Zuspruch.

Wenn es hingegen darum geht, weniger mit dem Benzin-oder Diesel-Auto zu fahren und statt dessen auf die Bahn umzusteigen oder auf ein E-Fahrzeug zu setzen, ist die Zustimmung deutlich geringer: 27 Prozent sind dazu "auf jeden Fall" bereit, ebenso viele "eher doch".

Interessant sind dabei die Details. Das Auto stehen zu lassen, ist für Akademiker und Maturanten wesentlich leichter vorstellbar als für Menschen mit niedrigerer Bildung: 30 versus 24 Prozent sind bereit, auf die Bahn und andere klimafreundlichere Transportmittel umzusteigen.

Dagegen sind die Höhergebildeteten, die traditionell auch mehr mit dem Flugzeug fliegen, deutlich kritischer, wenn es um eine Einschränkung bei dieser besonders CO2-intensiven Art der Fortbewegung geht. Während sich 53 Prozent aller anderen Österreicher "auf jeden Fall" vorstellen können, weniger zu fliegen, sind es bei den Befragten mit höherer Bildung nur 40 Prozent. Ähnliche Unterschiede gibt es beim Fleischkonsum, der wegen der CO2-intensiven Futtermittelproduktion und Viehwirtschaft einen vergleichsweise schlechten ökologischen Fußabdruck hat: 39 Prozent der Befragten mit höherer Bildung sind "auf jeden Fall" bereit, bei Schnitzel, Schweinsbraten &Co. zurückzustecken -bei allen anderen sind es nur 27 Prozent.

Solche Bereitschaftsbekundungen sind jedoch prinzipiell mit Vorsicht zu genießen. Starmayr kennt aus vielen Jahren Marktforschung die Diskrepanz zwischen Wollen und Wirklichkeit. "Das Wunschbild fällt oft positiver aus als das tatsächliche Verhalten", weiß sie. Deshalb sind Aussagen wie jene in der trend-Umfrage sinnvollerweise in einem Jahr mit einer Nachfrage zu ergänzen: "Was haben Sie tatsächlich im letzten Jahr umgesetzt?"



Die trend-Umfrage ist der trend-Ausgabe 27-28/2019 vom 5. Juli 2019 entnommen.


"Kein Goldscheißer": Westbahn kommt auf Sparschiene

Wirtschaft

"Kein Goldscheißer": Westbahn kommt auf Sparschiene

Interview
Peter Voser, Verwaltungsratspräsident und CEO ABB Group

Wirtschaft

ABB-CEO Peter Voser: "Den Rest erledigt der Markt"

Steuern

Steuerprüfung: Darauf sollten Sie sich gefasst machen

PlusCity Ernst Kirchmayr

Wirtschaft

Ernst Kirchmayr wird Alleineigentümer der PlusCity