Warum Fiat Chrysler und Renault einen Partner brauchen könnten

Es könnte die Fusion zweier angeschlagener Autokonzerne sein, wenn sich Renault mit dem Fiat Chrysler-Konzern (FCA) zusammenschließen sollte. Mit welchen unterschiedlichen Problemen die beiden zu kämpfen haben und warum eine Fusion dennoch sinnvoll sein könnte.

Warum Fiat Chrysler und Renault einen Partner brauchen könnten

Renault: Moderne Technologie (Bild) aber in China praktisch nicht vertreten. Fiat Chrysler kämpft wiederum mit alter Technik und schwächelt in Europa.

Die Autogiganten Renault (ISIN FR0000131906) und Fiat Chrysler (ISIN NL0010877643)haben beide schon bessere Zeiten gesehen. Ihre Geschäfte laufen schleppend, Marktanteile schrumpfen die Gewinne pro Auto sind alles andere als berauschend, Tendenz weiter sinkend.

Nun hat der transatlantische Hersteller Fiat Chrysler (FCA) einen Vorstoß gewagt und einen Zusammenschluss der beiden Hersteller angeregt. Sie sollen je zur Hälfte die Anteile am anderen übernehmen. Die Fusion würde sie zum größten Autohersteller der Welt mit zuletzt 15,6 Millionen verkauften Autos entstehen. Nach Einschätzung von Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg und dort Leiter des Center Automotive Research (CAR) sprechen gute Gründe für eine solche Allianz. Allerdings bestehen auch zahlreiche Risiken.

Einen Schnitt machen könnten jedenfalls schon Aktionäre: Nach Bekanntgabe der Fusionsabsichten ist der Kurs der Renault-Aktie geradezu in einer Fusionseuphorie um rund 13 Prozent auf einen Kurswert von 56,63 Euro gestiegen. Die Nord/LB empfiehlt, diese Kursteigerung zum Ausstieg zu nutzen und die Wertpapiere abzustoßen.

Lesen Sie warum, die Ausgangslage für beide Hersteller laut Experten zwar nicht rosig ist, aber beide voneinander profitieren könnten. Welches Einsparungspotential erwartet wird.


DARUM BRAUCHT RENAULT EINEN NEUEN PARTNER

Die Kooperation mit Nissan

Wunsch nach vertiefter Kooperation zwischen Nissan und Renault findet in Japan wenig Anklang
Renault hat bereits seit Jahren mit Nissan-Mitsubishi einen gewichtigen Partner in der Branche. Doch so richtig rund läuft die Sache längst nicht mehr. „Das Verhältnis zwischen Renault und seinem Partner Nissan-Mitsubishi ist seit dem Sturz des Managers Carlos Ghosn sichtlich abgekühlt“, befindet Autoexperte Dudenhöffer. Ghosn wollte die Allianz vertiefen und Renault mit Nissan fusionieren und damit deutlich enger verzahnen. „Was in Japan wenig Gegenliebe fand und findet“, glaubt Dudenhöffer.

Die japanischen Kooperationspartner Nissan und Mitsubishi sind nämlich in den vergangenen Jahren zum stärkeren Partner in der Allianz avanciert. Die Franzosen sind gemessen an den Absatzzahlen gegenüber der japanischen Achse weit im Hintertreffen: Von 10,8 Millionen Fahrzeugen, die die Gruppe im Jahr 2018 abgesetzt hat, stammen nur 3,9 Millionen von Renault - inklusive der Marken Dacia, Renault Samsung Motors und Lada. „Eine führende Rolle bei einer Fusion hätte den Japanern nicht geschmeckt“, so Dudenhöffer.

Allianz mit Nissan dürfte bestehen bleiben - tiefe Verzahnung besteht
Dass die Kooperation der Franzosen mit Nissan und Mitsubishi beendet wird scheint jedoch unwahrscheinlich. "Renault hat gegenwärtig mit seinem Allianz-Partner Nissan alle Hände voll zu tun. Undenkbar, dass diese Partnerschaft aufgegeben wird", so Nord/LB Autoexperte Frank Schwope in einer Analyse. Die Verzahnung von Renault und Nissan ist schließlich bereits weit fortgeschritten. "Eine Trennung wäre für beide Seiten sehr kostspielig", prognostiziert Schwope.

Für Renault ist die Allianz mit den Japanern gleich in zweierlei Hinsicht lohnend: Als Aktionär von Nissan und beim Einkauf von Gleichteilen sparen die Franzosen viel Geld. Ghosn wollte die Integration von Renault weiter vorantreiben und durch die komplette Integration die Einsparungen deutlich steigern. "Derzeit sieht es aber eher danach aus, als würde man sich weiter voneinander wegbewegen. Die Schwäche der Allianz ist für Renault ein Risiko", glaubt Dudenhöffer.

Nissan ist in der Kooperation Renault mit Nissan-Mitsubishi der starke Partner. Eine Fusion von FCA und Renault würde die beiden in eine neue Liga katapultieren.

Renault ist international schwach aufgestellt
Das Problem von Renault liegt vor allem in seiner regionalen Aufstellung. Denn die Franzosen sind in den USA, dem weltweit zweitgrößten Markt nicht vertreten. In Asien, dem größten Wachstumsmarkt der Welt, verkaufte der Hersteller im Jahr 2018 gerade einmal 330.000 Stück. "Damit ist Renault in China nicht sichtbar", bemerkt Dudenhöffer.

Ganz anders sind Nissan und Mitsubishi in den USA und in China aufgestellt. Sie sind in beiden Märkten gut unterwegs. Renault verkauft dagegen die Hälfte seiner Fahrzeuge in Europa und knapp 20 Prozent in Euroasien, also Ländern wie Russland, Türkei, Rumänien und Ukraine.


DARUM BRAUCHT FIAT EINEN PARTNER

Die Suche nach einem Partner ist bei Fiat nichts Neues. Die Italiener haben in den letzten Jahren kaum einen Automobil-Konzern bei der Suche nach Kooperationen, Allianzen oder Fusionspartnern ausgelassen.

Die Marke Fiat steht alles andere als gut da. "Bei Fiat lebt man mehr oder weniger von dem, in die Jahre gekommenen Fiat 500," sagt Dudenhöffer. Die Modellpalette ist überaltet, es sind keine Elektroautos in der Pipeline. Fiat hat gerade in Europa mittlerweile einen schlechten Stand. Der Marktanteil ist in Europa seit 2010 von sechs Prozent auf 4,6 Prozent gesunken.

"Ein fusionierter Konzern würde über eine starke Marktpräsenz in vielen Regionen und Fahrzeugsegmenten verfügen", nennt die Nord/LB als einer der Gründe, die für eine Fusion sprechen.

Doch der FCA-Konzern (Fiat Chrysler) setzt aber, anders als Renault, auf die USA. Der verstorbene FCA-Boss Sergio Marchionne hatte daher auch Investitionen in Europa gestrichen und die Fabriken am Kontinent verschlankt. Die USA sind die Cashcow. FCA macht mehr als 90 Prozent seiner Gewinne im amerikanischen Raum. "Europa ist ein teures Anhängsel und China ein Verlustpflaster mit wenigen Verkäufen", analysiert Dudenhöffer. Und weiter: "FCA ist deutlich schwächer als seine Bilanzkennzahlen und der jährliche Report es auszuweisen."

Gewinne mit Autos veralteter Technologie

Allerdings hat das US-Geschäft auch ein großes Handicap: Die Produkt-Innovationen sind überschaubar. Die US-Marken Jeep, RAM und Dodge stehen mit ihren SUVs und Pick-Ups für „Old Technology“.

Die Verkaufszahlen sind mit 4,8 Millionen Stück im ganzen FCA-Konzern ebenso mager wie die Gewinne. FCA verdient pro Auto im Schnitt sind es 848 Euro.Zum Vergleich: Bei Renault sind es 930 Euro, im VW-Konzern 1.277 Euro und bei PSA (Peugeot und Opel) 1.467 Euro.

Und auf die Konzerne kommen weitere Herausforderungen zu, die Renditen und Erlöse weiter drücken könnten. Dudenhöffer: "Der US-Markt wird schwerer und in Europa drohen hohe Strafzahlungen, wenn die erlaubten CO2 -Emissionswerte weiter reduziert werden."

Hintergrund: Fiat Chrysler steht wegen der schärferen Abgasvorschriften unter Druck. Sogar mehr als etliche Konkurrenten, denn der italienisch-amerikanische Autobauer hat bisher nur wenige Elektro- und Hybridmodelle im Angebot. Damit birgt der transatlantische Hersteller auch über ein erhebliches Risiko.


Renault und FCA: auf der Suche nach einem Ausweg

Schwache Erträge: Das eint die beiden Hersteller Renault und FCA.

Die Schlussfolgerung, die nun für einen Zusammenschluss von Renault und Fiat Chrysler spricht: "FCA braucht einen Partner für neue Produkte und Renault ist gut beraten, sich besser gegenüber seinem Allianz-Partner aufzustellen", glaubt Dudenhöffer.

Ob die Allianz klappt ist ein zweites Thema. Es gäbe natürlich eine Menge Synergien. Die Einsparungen könnten für beide Seiten hoch sein. Bisher gibt es zwei Entwicklungszentren. Das von Renault befindet sich in Paris, das von Fiat in Turin. Eines könnte man sich sparen - wenn das mit dem Nationalstolz der Franzosen und der Italiener vereinbar ist. Das Synergiepotenzial wird jedenfalls von Seiten der Italiener auf mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Ein Vorteil für Fiat: Der Autohersteller ist schon lange kein italienisches Unternehmen mehr, sondern hat seine Firmensitze in Amsterdam und London, verdient wird das Geld in USA. Dudenhöffer: "Damit ist Fiat auch kein nationales Heiligtum in Italien mehr." Die Familie Agnelli, die Besitzer, können das Unternehmen deshalb auch verkaufen oder sich in Renault einkaufen und vielleicht sogar mit Nissan–Aktien von Renault ausgleichen lassen.

Fiat Chrysler: Gewinne sinken, Stellen sollen in Europa abgebaut werden

Gemessen an den Gewinnmargen steht FCA schlecht da. Fiat-Chrysler weist eine Gewinnmarge von nur 3,7 Prozent auf, bei der Renault Gruppe sind es immerhin 6,3 Prozent. Die erreicht nicht einmal der VW-Konzern.

Wegen der schlechten Gewinnaussichten ist Fiat Chrysler zu Jahresbeginn auch auf die Kostenbremse getreten. Der Grund waren schlechte Gewinnaussichten. Der Autobauer hat einen operativen Gewinn von 6,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Analysten gingen ursprünglich von rund 7,3 Milliarden Euro aus. In Europa sollen Stellen abgebaut, Verwaltungskosten gesenkt und die Auslastung der Werke verbessert werden. Mit anderen Herstellern will man sich Fahrzeug-Plattformen und Technologien teilen.

Ein einfacher Weg würde es aber nicht werden. Die Geschichte von PSA-Opel könnte sich wiederholen. Würde Fiat das Opel-Schicksal erleiden, wäre das für Fiat sicher nicht einfach - auch wenn es nicht mehr der italienische Nationalstolz sein mag.

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