Die Folgen des weltweiten Schuldenwachstums

China hat seit 2008 massiv und so die Weltwirtschaft am laufen gehalten. Jetzt nimmt der Nutzen solcher Konjunkturspritzen aber ab.

China hat seit 2008 hohe Schulden angehäuft und so die Weltwirtschaft am Laufen gehalten. Jetzt nimmt der Nutzen solcher Konjunkturspritzen aber deutlich ab.

Regierungen und Notenbanken halten die Weltwirtschaft durch Geldspritzen am laufen. Doch nun ist nach Einschätzung von Experten das Schuldenwachstum an einem kritischen Punkt angelangt. Was das für die Weltwirtschaft bedeuten könnte.

Der Schuldenberg vieler Staaten wird immer größer – trotz gegenteiliger Beteuerungen eben dieser. Vereinzelt gibt es Länder wie Irland und vermutlich auch Griechenland, die ihre Schulden abbauen. „Aber die Mehrheit scheint ihre Schuldenberg seit der Finanzkrise 2008 nicht verringert zu haben, sondern ganz im Gegenteil erhöht zu haben“, erklärt Matthias Hoppe, Vizepräsident und Fondsmanager der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton.

So lag die globale nichtfinanzielle Verschuldung - das sind private Haushalte, private Organisationen, Kapitalgesellschaften und öffentliche Haushalte - im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2008 bei über 200 Prozent, heute liegen diese bereits bei rund 235 Prozent. Damit hat es insgesamt gar keinen Schuldenabbau gegeben, sondern einen Anstieg.

Seit 2008 sind die Schulden weltweit deutlich gestiegen.

Einkommensentwicklung im Verhältnis zur Verschuldung wesentlich

Es hat zwar weltweit einige Schuldenschnitte gegeben und das absolute Schuldenwachstum wurde verringert, ist stets das Verhältnis von Schulden und Einkommen gemeint. Bei der Berechnung der Schulden ist demnach auch die Entwicklung des globalen Einkommens von Bedeutung. „Da sich das globale BIP-Wachstum deutlich verlangsamt hat, steigt die Verschuldung im Verhältnis zum BIP weiter“, erklärt Hoppe. Die Verschuldung gemessen an der sogenannten Schulden/BIP-Quote ist zu einem großen Teil auf die Zunahme der Lockerungsmaßnahmen der Notenbanken zurückzuführen. Die privaten Schulden im Verhältnis zum BIP-Wachstum ist dagegen seit 2008 gleich geblieben.

Schuldenanstieg erschwert nachhaltige Erholung der Wirtschaft

Generell haben die Privathaushalte weltweit ihre Schulden abgebaut, während die Gesamtverschuldung hartnäckig auf hohem Niveau verharrt. „Das erschwert eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung erheblich“, so Hoppe. Die Geldschwemme hat auch einen Vorteil: Die Zinsen für die Schulden sind auf historisch tiefen Niveaus. Doch das werde laut Hoppe nicht ewig so weitergeführt werden können.

China als Zünglein an der Waage

Einen wesentlichen Anteil an der globalen Verschuldung trägt China. Der Staat hat in den vergangenen Jahren massiv in Konjunkturförderungen investiert. Hoppe: „So konnte sich die Welt erst durch die schwere Krise nach 2008 durchwursteln.“ Die Schulden/BIP-Quote Chinas ist von 2008 bis 2014 um fast 90 Prozent gestiegen.

China auf dem Schuldenniveau von Griechenland vor drei Jahren

Chinas Schulden/BIP-Quote sei im Grunde auf dem Niveau, auf dem sich Griechenland vor drei Jahren befand. Rund 80 Prozent der Schulden stammen aus dem Unternehmenssektor, wobei allerdings viele chinesische Unternehmen staatlich finanziert sind, sodass ein beträchtlicher Teil dieser Verschuldung auch als Staatsschulden betrachtet werden können.

So paradox es klingt: Der hohe Verschuldungsgrad Chinas ist unter anderem die Folge einer hohen Sparquote privater Haushalte in Kombination mit finanzieller Hilfe durch chinesische Banken. Die chinesischen Haushalte sind grundsätzlich Nettosparer und die Haushaltsverschuldung in China tatsächlich tiefer als in den meisten anderen asiatischen Ländern. Thailand zum Beispiel hat etwa gemessen am BIP einen doppelt so hohen Verschuldungsgrad wie China.

China in der Schuldenfalle. Die Verschuldung steigt rapide, der Nutzen nimmt dagegen zuletzt stark ab.

In China ist kritischer Punkt erreicht

Auf der anderen Seite sind chinesische Unternehmen Nettoschuldner. Hoppe: „Die Ersparnisse der chinesischen Haushalte werden so in Form von Krediten an die Unternehmen weitergegeben.“ Dies sollte zunächst etwas Positives sein, da die Ersparnisse einer Person die Schulden einer anderen Person darstellen. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Vorgang zu einer Beschleunigung der Wirtschaft führt, da die Ressourcen in die profitabelsten Geschäfte geleitet werden. „Nur ist in China ein Punkt erreicht, wo sich eine höhere Verschuldung nicht mehr im gleichen Ausmaß in den Wachstumsraten niederschlägt wie in der Vergangenheit“, erläutert Hoppe. Noch zwischen 2004 bis 2007 führte jede zusätzliche Verschuldung zu einer BIP-Zunahme in gleicher Höhe. Heute wird laut Templeton eine zusätzliche Verschuldung von ungefähr drei Renminbi benötigt, um ein BIP-Wachstum von einem Renminbi zu erzeugen. Hoppe: „Das ist das wirkliche Problem.“

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