Warnung vor „Diffamierung des Automobils“

Magna, Miba, AVL List – die heimischen Autozuliefergrößen plädieren mitten in einer erhitzten politischen Diskussion für Technologieoffenheit und Wettbewerb bei den Antriebssystemen.

Warnung vor „Diffamierung des Automobils“

Hochspannung zwischen Autozulieferern und der Politik: Die Vorstellungen zu den Automotoren der Zukunft gehen weit auseinander.

Als führende Vertreter österreichischer Autozulieferer Mitte Mai skizzierten, wie sie sich die Rahmenbedingungen für ihre Industrie in den nächsten Jahren vorstellen, war ein Elefant im Raum. Genau genommen: eine Elefantin.

Der Name von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler wurde zwar nicht ausgesprochen, aber dennoch war die grüne Politikerin ständig präsent. Man solle doch bitte nicht die bestehende Mobilitätsindustrie „durch unkluge Politik vertreiben“, deponierte Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung. F. Peter Mitterbauer, CEO des oberösterreichischen Miba-Konzerns, warnte davor, „falsche Zeichen zu setzen“ oder gar „das Kind mit dem Bade auszuschütten.“ Helmut List vom Motorenentwickler AVL List mit Sitz in Graz beschwor eine „Gefahr für die Bruttowertschöpfung der Industrie“, wenn es eine vorzeitige Festlegung auf ein Antriebssystem gebe - ähnliches sagte Magna-Europa-Chef Günther Apfalter.

Zwischen der Ministerin und den Industrievertretern herrscht Hochspannung. Gewessler hatte sich im März gemeinsam mit acht anderen europäischen Ländern in einem Brief an die EU-Kommission dafür ausgesprochen, dem Verbrennungsmotor auf EU-Ebene ein Ablaufdatum zu setzen (siehe auch => Gewessler-Interview im neuen trend.PREMIUM vom 12. Mai 2021).

Die Folge: ein Offener Brief von heimischen Branchenvertretern, darunter AVL, Magna und Miba, an Sebastian Kurz. Grundbotschaft: Der Kanzler solle seine Regierungskollegin bei ihren Aktivitäten bremsen.

Eine weitere Idee der Ministerin wurde vorzeitig geleakt: Im geplanten Klimaschutzgesetz einen Notfallmechanismus zu verankern, der bei Nichterreichung der CO2-Ziele eine automatische Erhöhung von Steuern auf Benzin und Gas vorsieht. Wirtschaftskammergeneral Karlheinz Kopf schoss prompt und scharf dagegen („ideologiegetriebene Bestrafungsfantasien“), ÖVP-Finanzminister Blümel sprang einige Tage später bei: „Linksideologische Umsetzungen von Fantasien, die dem Mittelstand das Leben verteuern" nannte er Gewesslers Pläne.

Die Technologieoffenheit

Nun traten Knill, Apfalter & Co. an, um für Technologieoffenheit zu werben. Sowohl AVL, Miba, Magna und Knills Unternehmen Rosendahl Nextrom erzielen bereits substanzielle Umsätze mit Produkten und Forschungsaufträgen für die E-Mobilität. Dennoch halten sie an einem Wettbewerb der Systeme fest. Die von einzelnen Autoherstellern - etwa Volvo, die GM-Tochter Cadillac oder Honda - bereits gesetzten Enddaten für Verbrennungsmotoren gelte in der Regel nicht für deren Hybridaktivitäten, relativierte etwa Apfalter: Somit seien die Verbrenner länger im Spiel.

Motoren-Experte List hält lange Übergangszeiten auch deswegen für sinnvoll, um ausreichend Grünstrom für die Mobilitätswende bereit stellen und den im Zuge der Transformation nötigen Mehraufwand für die Forschung und Entwicklung durch ein adäquates Förderregime begleiten zu können. Weil Wettbewerb Innovation fördere, sorge Technologieoffenheit für ein „rascheres Erreichen der Klimaziele“, so Lists Ansatz. Mitterbauer warnte generell vor einer „Diffamierung des Automobils“, die „junge Menschen von den klassischen Studienrichtungen der Fahrzeugbranche zusehends fernhält.“

Auf bevorstehende Gesetzesvorhaben wie dass Klimaschutzgesetz oder die CO2-Besteuerung gingen die Branchenvertreter nicht ein. Deutliche Kritik gab es aber an Maßnahmen wie der NoVA-Erhöhung ab Juli und der Ausdehnung auch auf leichte Nutzfahrzeuge.



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