Waldbilanz 2020: Klimawandel belastet Österreichs Wälder massiv

Die Waldbilanz 2020 der Österreichischen Bundesforste zeigt, wie die heimischen Wälder unter dem Klimawandel leiden. Die direkt dem Klimawandel zurechenbaren Kosten sind auf 48 Millionen Euro gestiegen. 81 Prozent der Holzernte entfiel auf Schadholz.

Belastung Klimawandel: Im Jahr 2020 entfielen 81 Prozent der gesamten heimischen Holzernte auf Schadholz.

Belastung Klimawandel: Im Jahr 2020 entfielen 81 Prozent der gesamten heimischen Holzernte auf Schadholz.

Während die Menschheit im Jahr 2020 von der Corona-Pandemie geplagt wurde, litten die Wälder gleichzeitig weiter unter dem Klimawandel, wie die Waldbilanz der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) zeigt. Die Folge aus den heimischen Wäldern musste noch mehr Schadholz als zuvor herausgeholt werden. In Summe waren rund 1,4 Millionen Erntefestmeter Schadholz, was einem Anteil von 81 Prozent an der gesamten Holzernte entspricht. Damit hat der Schadholz-Anteil gegenüber 2019 (79 %) weiter zugenommen. "Die Folgen von Stürmen, Käfern und Schneebrüchen führten einmal mehr zu einer Waldbilanz im Zeichen des Klimawandels", fasst ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager zusammen.

Eine Hauptursache für die enorme Menge an Schadholz war die Aufarbeitung der großen Stürme und des Schneebruchs nach dem Jahrhundertschnee im Winter zuvor. Rund 360.000 weitere Festmeter sind durch Schneebruch angefallen, vor allem in den Regionen Traun-Innviertel, Kärnten-Lungau und dem Inneren Salzkammergut. 470.000 Festmeter Schadholz gehen auf Sturmschäden und Windwürfe zurück, die sich gleichmäßig auf die Regionen Waldviertel, Obersteiermark und Steyrtal verteilen.

Doch auch neue, kleinräumigere Schadereignisse und Wetterextreme bestimmten im abgelaufenen Jahr den forstlichen Alltag. „Das werden wir auch im Ergebnis spüren“, nimmt Bundesforste-Finanzvorstand Georg Schöppl vorweg. Denn damit angestiegen sind auch die Klimawandelkosten, die im Wesentlichen auf Mindererlöse durch Schadholz und Mehrkosten für Waldpflege und Holzernte zurückzuführen sind. „2020 sind die Klimawandelkosten weiter nach oben geschnellt von 42,1 Millionen Euro im Vorjahr auf rund 48 Millionen Euro und haben damit ein neues Rekordhoch erreicht“, stellt Schöppl besorgt fest.

Problem Borkenkäfer

Auch das durch Borkenkäfer geschädigte Käferholz hat wieder zugenommen. Mehr als ein Drittel der Schäden waren auf den Borkenkäfer, Österreichs größten Waldschädling, zurückzuführen. Das Käferholz hat sich auf knapp 500.000 Festmeter (Fm) verdoppelt, wobei der regnerische Sommer dem Wald sogar etwas Entlastung gebracht hat. „2020 war ein außergewöhnlich niederschlagsreiches Waldjahr“, bestätigt Freidhager, „das hat sich auch positiv auf die Widerstandskraft der Fichte gegen den Borkenkäfer ausgewirkt“.

Die Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl (li.) und Rudolf Freidhager

Die Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl (li.) und Rudolf Freidhager

Der Borkenkäfer ist ein Günstling des Klimawandels. Die Schwerpunktgebiete lagen mit dem Mühl- und Waldviertel erneut im Norden und Osten des Landes. Aber auch in Gebirgslagen waren Schäden zu verzeichnen etwa in der Obersteiermark und dem Traun-Innviertel. Bereits geschädigte und geschwächte Bäume waren leichtes Spiel für den Käfer, in denen sich das Brutmaterial des Käfers gut entwickeln konnte. „Insgesamt ist die Schädlingssituation noch geprägt von den Vorjahren, aus denen noch viel Brutmaterial und zahlreiche Borkenkäferlarven vorhanden sind. Leider sind die Borkenkäfer und ihre Larven nicht innerhalb eines Jahres verschwunden. Es dauert meist mehrere Jahre, bis eine Käferkalamität wieder abgeflaut ist“, erklärt Freidhager.

12 Millionen Euro für klimafitte Wälder

„Das letzte Waldjahr hat einmal mehr gezeigt, dass die Anpassung der Wälder an den Klimawandel alternativlos und ein Gebot der Stunde ist“, betont der ÖBf-Vorstand. „Allein in den letzten drei Jahren haben sich die Klimawandelkosten in unseren Wäldern verdoppelt.“ Der gesunkene Holzpreis infolge des außergewöhnlich hohen Schadholzaufkommens in Mitteleuropa schlägt dabei am deutlichsten zu Buche.

„Für 2021 sind erneut rund zwölf Millionen Euro an Investitionen in den Wald und Waldpflege geplant“, erklärt Finanzvorstand Schöppl die Wichtigkeit einer an das Klima angepassten Waldbewirtschaftung: Standortegerechte, artenreiche Mischwälder sind resilienter und besser gegen Umwelteinflüsse gewappnet als artenarme. Für alle ihre 120 Forstreviere haben die Bundesforste bereits neue Waldpläne entwickelt. „Nur vitale und gesunde Wälder können im Klimawandel bestehen, die Folgen des Klimawandels mildern und uns auf lange Sicht vor Schlimmeren bewahren“, ist Freidhager überzeugt.

Aus diesem Grund wird auch die Käferbekämpfung konsequent fortgesetzt. Allein 5,1 Millionen Euro werden heuer in die Käferprävention gehen, weitere 2,1 Millionen in ein Aufforstungsprogramm. 2021 wird zudem wieder eine große Anzahl an Käferfallen und Fangbäumen in ganz Österreich ausgebracht. Darüber hinaus wurden Lagerkapazitäten geschaffen, um Spitzen in der käferbedingten Holzaufarbeitung abfangen zu können. „Auch wenn der Klimawandel und der Waldumbau Geld kosten, so sind Investitionen in intakte und gesunde Wälder nachhaltig doch der beste Klimaschutz für uns und die nächsten Generationen“, betont Schöppl.

Ausblick 2021

„Das überdurchschnittlich regennasse Waldjahr hat den Wäldern gutgetan“, hebt Freidhager aus der 2020er Bilanz positiv hervor. Auch die Wälder in den zuletzt niederschlagsarmen Regionen im Osten des Landes oder im Waldviertel konnten sich etwas erholen. Durch die günstige Niederschlagssituation und dem Ausbleiben größerer Schadereignisse ist es gelungen, das noch aus den Vorjahren stammende Schadholz gut aufzuarbeiten. „Ende 2020 waren die Bundesforste-Wälder fast frei von Schadholz. Wir starten nahezu „lastenfrei“ ins neue Jahr“, so der ÖBf-Vorstand.

„Im Moment sind die Wälder witterungsbedingt gut mit Niederschlag versorgt und die Waldböden gut durchfeuchtet. Wenn das so bleibt und kein allzu warmer, trockener Februar oder März folgen, sind das ideale Voraussetzungen für das Frühjahr. Mit Beginn der neuen Vegetationsperiode steht den Pflanzen dann ausreichend Winterfeuchte zur Verfügung – ideal für einen gesunden Austrieb und gutes Wachstum im Frühjahr“, meint Freidhager vorsichtig optimistisch.

Corona-Härtefallfonds: Antragsfrist läuft

Ab sofort können Anträge für den neuen Corona-Härtefallfonds eingebracht …

Mozartkugel-Hersteller Salzburg Schokolade ist in Konkurs

Der Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade mit Sitz in Grödig, der unter …

Zugeständnis an den Handel: Einkaufs-Sonntag am 19.12.

Der stationäre Handel fällt heuer Lockdown-bedingt um drei der vier …

Theodor Thanner, langjähriger Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB)

BWB-Chef Theodor Tanner zieht sich zurück

Theodor Tanner, langjähriger Chef der Bundeswettbewerbsbehörde BWB, legt …