Wald- und Forstbesitzer kritisieren EU-Forststrategie 2030

Die neue EU-Waldstrategie bis 2030, die den Mitgliedsländern und dem EU-Parlament seit Juli zur Bewertung vorliegt, stößt auf heftige Kritik bei den Forstministern waldreicher europäischer Staaten und bei den europäischen Waldbesitzern.

Wald- und Forstbesitzer kritisieren EU-Forststrategie 2030

In einer gemeinsamen Deklaration an die EU-Kommission fordern Forstminister waldreicher europäischer Staaten und europäische Waldbesitzer Korrekturen bei der geplanten EU-Waldstrategie 2030, eine der Leitinitiativen des europäischen Grünen Deals. Die Waldstrategie baut auf der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 auf und bezieht die vielfältigen Funktionen der Wälder ein, um die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken und bis 2050 klimaneutral zu sein. Der Strategie zufolge soll in der EU auch ein Aufforstungsprogramm gestartet werden, in dessen drei Milliarden Bäume neu gepflanzt werden sollen.

Diese Fokussierung auf das Klima-Thema ist den Forstministern und den Waldbesitzern ein Dorn im Auge. Besonders kritisiert wird von ihnen aber die in der EU-Waldstrategie vorgesehene Außernutzungstellung von Teilen der Waldfläche, konkret die Reduktion der Holzeinschlagmenge um 10 Prozent. Waldbesitzervertreter aus 16 europäischen Ländern, der sechs größten EU-Dachverbände und Europa-Parlamentarier hatten sich daher im Umfeld einer Forstminister-Konferenz in Wien getroffen und eine gemeinsame "Wiener Deklaration" verfasst, die der EU-Kommission übermittelt werden soll. Tenor: Die EU-Strategie ignoriere die Interessen der 16 Millionen Waldbesitzer Europas.

„Wir bekennen uns klar zum Klima- und Biodiversitätsschutz und tragen viel dazu bei. Faktum ist: Die Waldfläche in Europa ist seit 1990 um 14 Millionen Hektar und der Holzvorrat um 8,3 Milliarden Vorratsfestmeter gewachsen. In Österreich gibt es aktuell knapp vier Millionen Hektar Wald, was in 47,6 Prozent der Gesamtfläche entspricht. Die auch entsprechend bewirtschaftet wird. Die Forst- und Holzwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftssektor. "Eine zehnprozentige Reduktion der Rohstoffbasis wäre in Österreich mit einem Verlust von 1,75 Milliarden Euro an Gesamtwertschöpfung bzw. 15.400 Jobs in der Forst- und Holzwirtschaft verbunden“, warnt der Obmann des Waldverbands Österreich, Rudolf Rosenstatter.

Den Erkenntnissen der EU zufolge dürfe die steigende Waldfläche jedoch nicht überbewertet werden. In den Erläuterungen zur Waldstrategie heißt es: "Die Waldfläche hat sich in den letzten Jahrzehnten durch natürliche Prozesse, Aufforstung, nachhaltige Bewirtschaftung und aktive Wiederherstellung vergrößert. Parallel dazu hat sich jedoch der Verlust an Baumbedeckung beschleunigt und ist der Erhaltungszustand der Wälder schlecht. Dies betrifft auch die 27 Prozent der geschützten Waldfläche der EU, deren Gesundheitszustand am wichtigsten ist.

Forderungen an die EU

In der EU-Waldstrategie wird die Bedeutung der Holzwirtschaft auch gar nicht in Abrede gestellt. Dort heißt es: "Die Holzwirtschaft macht 20 Prozent der verarbeitenden Unternehmen in der gesamten EU aus, sichert 3,6 Millionen Arbeitsplätze und verzeichnet einen Jahresumsatz von 640 Milliarden Euro." In der Strategie werden aber eine laut EU optimale Holznutzung im Einklang mit dem Grundsatz der Kaskadennutzung gefordert und – insbesondere langlebige – Holzprodukte gefördert, die ihre aus fossilen Ressourcen gewonnenen Gegenstücke ersetzen können. Sie zielt auch darauf ab, die Waldwirtschaft außerhalb des Holzsektors, etwa den Ökotourismus, zu fördern.

Den Ministern und Waldbesitzern ist das zu wenig. Sie wollen ein grundsätzliches Bekenntnis zur wirtschaftlichen Nutzung der Wälder erreichen, selbst wenn in der Strategie die Entwicklung von Zahlungsregelungen für Waldbesitzer- und Waldbewirtschafter vorgesehen sind, die Ökosystemdienstleistungen erbringen, etwa indem sie Teile ihrer Wälder unberührt lassen. Zudem sind die Mitgliedstaaten aufgefordert, im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Zahlungsregelungen für Ökosystemdienstleistungen einzuführen, um Kosten und Einkommensverluste zu decken.

Übergangene Vertreter?

Die EU-Kommission habe es verabsäumt, bei der Entwicklung der Waldstrategie die Mitgliedstaaten miteinzubeziehen - der Übergang zu einer grünen Waldbewirtschaftung bleibe in der geplanten Waldstrategie unerwähnt, argumentiert Köstinger. "Wir haben ein Bekenntnis zum Umbau unseres Wirtschaftssystems - da geht es darum, fossile Energieträger raus- und erneuerbare Energieträger reinzubringen", so die Ministerin. Der Wald bzw. die Forstwirtschaft sei Teil der Lösung. Aber das setze voraus, dass man Wald bewirtschafte und auch Produkte aus Holz als grün und kreislauforientiert anerkenne - und das sei derzeit nicht der Fall, meinte Köstinger.

Laut EU-Kommission wurden während der Ausarbeitung der Strategie jedoch wurden eine ganze Reihe von Konsultationen durchgeführt. So fand eine Konsultation zum Fahrplan statt und auf der Website der Europäischen Kommission war eine öffentliche Konsultation in allen Amtssprachen der EU zugänglich, bei der mehr als 19 000 Antworten eingingen. Gezielte Konsultationen seien auch mit den für die Forstwirtschaft zuständigen Behörden der EU-Mitgliedstaaten, der Holz- und Forstwirtschaft und in dem Bereich tätigen Unternehmen, NRO, Hochschulen und internationalen Organisationen durchgeführt worden. Die Evaluierung der derzeitigen Waldstrategie der EU und anderer waldbezogener Politikbereiche (z. B. biologische Vielfalt, Entwicklung des ländlichen Raums) wurde ebenfalls berücksichtigt. Auch einschlägige Beiträge der anderen EU-Organe seien einbezogen worden.

Wirtschaftliche Waldnutzung

Der finnische Landwirtschaftsminister Jari Leppä strich die Notwendigkeit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung der europäischen Wälder hervor: "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Forstbesitzer mit marktwirtschaftlichen Anreizen dazu ermutigt werden, ihre Wälder zu verwalten", sagte er. Die Multifunktionalität der Wälder solle in einer Produkt-, Umwelt- und Klimastrategie berücksichtigt werden.

Der Präsident der Land&Forst-Betriebe Österreichs, Felix Montecuccoli, kritisierte die zentrale Fokussierung auf nur zwei Aspekte des Waldes - Kohlenstoff speichern und die Biodiversität erhalten. "Der Wald kann mehr. Die 16 Millionen Waldbesitzer können ihre Verantwortung wahrnehmen - mit einer guten Bioökonomie", so Montecuccoli. Ziel müsse es sein, in Zukunft einen realistischen und zielgerichteten Klimaschutz sowie eine Beibehaltung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu ermöglichen. Die vorliegende Strategie der EU konterkariere dies. "Der europäische Holzmarkt ist nicht reguliert und wir wollen auch keine zentrale Regulierung", strich Montecuccoli hervor. Der Holzmarkt sei "sehr mengensensibel" - der Preis richte sich nach Angebot und Nachfrage. Die Mengenbeschränkung würde zudem die Holzpreise in die Höhe treiben und die Holzimporte aus Nicht-EU-Ländern ansteigen lassen, gab Köstinger zu bedenken. "Das ist absolut kontraproduktiv, das schadet der Wirtschaft. Der Klimaschutz hört nicht an den Grenzen der EU auf."

Die EU-Kommission denkt allerdings anders und argumentiert in ihrer Waldstrategie, dass private Waldbesitzer und Waldbewirtschafter, insbesondere Kleinbetriebe, bisher häufig direkt auf Wälder angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dass andere Dienste, insbesondere die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen, allerdings selten oder nie honoriert werden. Das müsse sich ändern.

Der geschätzte Wert aller geernteten Nichtholzprodukte in Europa belaufe sich auf 19,5 Milliarden Euro pro Jahr und berge ein beträchtliches Wachstumspotenzial. Die Kommission argumentiert: "Waldbesitzer und Waldbewirtschafter brauchen (finanzielle) Anreize, um Ökosystemdienstleistungen auch durch den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern erbringen zu können und die Widerstandsfähigkeit ihrer Wälder durch die Anwendung der klima- und biodiversitätsfreundlichsten Waldbewirtschaftungsmethoden zu
erhöhen."

Entsprechend reagierte auch Thomas Waitz, EU-Abgeordneter der Grünen und Co-Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, in einer Aussendung. Er schrieb: "Heute wird wieder sichtbar warum wir eine starke, paneuropäische Waldstrategie brauchen." Aufgrund von ausbeuterischem Missmanagement einiger Mitgliedstaaten wie Rumänien, Polen oder Kroatien und der Entwicklung hin zur reinen Industriebewirtschaftung mit Großerntemaschinen sei der Handlungsbedarf groß. "Wir brauchen ein festes Bekenntnis zu ökologischen Mindeststandards in allen Mitgliedsstaaten. Leider ist davon in Österreich noch nicht viel zu spüren."

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