VW-Chef: "Verbrennungsmotoren verbieten ist nicht realistisch"

VW-Markenchef Herbert Diess

Vom Käfer zum Golf in die elektrische Zukunft: Für VW-Markenchef Herbert Diess noch ein langer Weg.

Ein Verbot von Verbrennungsmotoren lässt sich nach Ansicht von Volkswagen nicht so schnell umsetzen wie in der Politik diskutiert wird. "Einen raschen, kompletten Umstieg zu elektrischen Autos wird es nicht geben", sagte VW-Markenchef Herbert Diess.

Diesel, und am besten gleich alle Verbrennungsmotoren verbieten - diese Forderung ist von Seiten der Politik zuletzt immer öfter zu hören. In Norwegen wurde bereits beschlossen, dass ab 2025 nur noch Elektroautos oder mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge neu zugelassen werden dürfen, Großbritannien hat den beginnenden Ausstieg aus dem Verbrennungs-Zeitalter mit 2040 angesetzt.

In der Industrie lösen die politischen Forderungen und Zeitpläne jedoch viel Kopfschütteln aus. Auch bei Volkswagen-Markenchef Herbert Diess, der überzeugt ist, dass sich ein Verbot von Verbrennungsmotoren nicht so schnell umsetzen wie in der Politik diskutiert wird. "Einen raschen, kompletten Umstieg aller Kunden von den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu elektrischen Autos wird es nicht geben", sagte Diess in einem der Zeitschrift "auto, motor und sport". Zuerst müsse eine ausreichende Infrastruktur und eine leistungsfähige Batterieproduktion aufgebaut werden. Wichtig sei, dass die Elektromobilität insgesamt an Dynamik gewinne.

Diess spielt damit den Ball Richtung Politik zurück, doch selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die für die bedeutende Automobilindustrie Deutschlands immer ein ein offenes Ohr hat, hatte jüngst schon ein Verbot neuer Dieselautos auf lange Sicht als sinnvolles Mittel bezeichnet und erklärt: "Ich habe manchmal Sorge, ob Autokonzerne auch in den richtigen Bereichen innovatov sind."

Elektro-Fahrplan

Der Volkswagen-Konzern will seinen Absatz von Elektroautos bis zum Jahr 2025 auf eine Million im Jahr steigern. Auf dieses Niveau soll der Absatz ab 2020, dem Startjahr der angekündigten Elektro-Offensive, zügig hochgefahren werden. Gemessen an der aktuellen Jahresproduktion wäre damit etwa jedes zehnte Auto aus dem Konzern ein Elektroauto. Eine höhere Quote wird der Konzern auch nur schwer erreichen. Die Modellentwicklung sowie der Aufbau der notwendigen Batterie-Kapazitäten braucht seine Zeit.

Wie alle weiteren großen Hersteller setzt daher VW darauf, dass sich die Kundschaft nicht durch die Debatte über das Ende von Verbrennungsmotoren abschrecken lässt. Denn nur dann können nach Meinung der Unternehmen die Investitionen in die neue Technologie gestemmt werden. "Benzin- und Dieselmotoren werden noch auf Jahre hinaus Bestand haben", wiederholte Diess das Mantra der Branche.

Überraschend zuversichtlich zeigte sich Diess, dass VW den ab Anfang des kommenden Jahrzehnts geltenden schärferen CO2-Grenzwert von 95 Gramm je Kilometer einhalten wird. "Den werden wir erreichen", sagte er. Zuletzt war der durchschnittliche CO2-Ausstoß bei neu zugelassenen Pkw in Deutschland gestiegen, weil wegen der Debatte über Fahrverbote für Dieselautos mehr Wagen mit Benzinmotor gekauft werden. Diesel-Autos stoßen weniger Kohlendioxid (CO2) aus, dafür aber mehr giftiges Stickoxid.

Im Juli lag der CO2-Ausstoß der Neuwagen dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt zufolge im Schnitt bei 128,4 Gramm pro Kilometer. Um den CO2-Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer zu erreichen, sollen Dieselmotoren sauberer werden und zudem bei Benzinern die Hybridtechnik zum Einsatz kommen.

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