USA: VW droht Rückkauf von 115.000 Autos

USA: VW droht Rückkauf von 115.000 Autos

Dunkle Zeiten für Volkswagen: Dem Autokonzern drohen in den USA Milliardenstrafen.

Bei fast 600.000 Autos in den USA trickste Volkswagen bei den Abgaswerten, nun muss der Wolfsburger Konzern offenbar rund ein Fünftel davon, 115.000 Wagen, zurückkaufen. Die Besitzer würden entweder den Kaufpreis erstattet oder über einen Umtausch deutlich vergünstigt ein neues Fahrzeug gestellt bekommen, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Die VW-Aktie ist wieder auf Talfahrt.

Bei den übrigen Autos in den USA gehe man bei VW davon aus, dass größere Umrüstungen mit hohen Materialkosten und langen Werkstatt-Zeiten notwendig seien. Teile des sogenannten Abgas-Strangs müssten neu konstruiert und zugelassen werden. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung wollen die US-Behörden darüber noch im Januar entscheiden.

Bei Volkswagen war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu dem Bericht erreichbar.

Die Zeitung berichtete zudem, dem Aufruf des Vorstands, sich zu melden, wenn man etwas über die Abgas-Manipulationen wisse, seien knapp 50 Mitarbeiter gefolgt. Darunter seien Sachbearbeiter, aber auch eine Abteilungsleiter, schrieb das Blatt unter Berufung auf einen Konzernsprecher. Die Mitarbeiter würden nun nach und nach befragt und die Erkenntnisse daraus ausgewertet.

VW-Aktie verliert wieder an Wert

An der Börse reagierte die Aktie von VW wieder empfindlich auf den Zeitungsbericht: Die Volkswagen-Papiere sackten am Donnerstag um rund sechs Prozent ab.

Weiterhin nicht zufrieden ist die US-Umweltbehörde EPA mit den Umrüstungsplänen von betroffenen VW-Dieselfahrzeugen. Rückruf-Diskussionen mit dem Unternehmen hätten "keinen akzeptablen Weg nach vorne ergeben", so die US-Behörde. "Die EPA besteht weiterhin darauf, dass VW effektive, angemessene Lösungen so rasch wie möglich entwickelt." Die EPA bestehe auf eine rasche, effektive und angemessene Lösung.

Einem Konzern-Insider zufolge hakt es, weil der technische Aufwand, die Fahrzeuge wieder zu gesetzeskonformen Abgaswerten zu bringen viel höher ist als in Europa, wo der Grenzwert für Stickoxid-Emissionen weniger streng ist. Zum Teil müssten Komponenten wie ein Katalysatorsystem neu entwickelt werden, was zu längeren Erprobungsphasen führe. Das könne die Genehmigung der Reparaturmaßnahmen durch die Behörden verzögern.

Der Konzern gibt zum Stand der Verhandlungen keine Auskunft.

Existenzgefährdende Rekordstrafe

Volkswagen droht wegen der Abgas-Affäre in den USA eine existenzgefährdende Rekordstrafe. Das US-Justizministerium verklagte den Wolfsburger Konzern wegen Verstoßes gegen das US-Luftreinhaltegesetz. Die Strafen könnten sich laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf bis zu 46 Milliarden Dollar summieren. Vorher war man von einer Summe von bis zu 90 Milliarden Dollar ausgegangen. Allerdings schätzen Experten, dass die Strafe am Ende deutlich niedriger ausfallen wird. Zudem wurden Hunderte von Sammelklagen privater Autobesitzer erhoben.

Der Autobauer hatte im September 2015 eingeräumt, bei 580.000 Dieselfahrzeugen in den USA den Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß nur im Prüfstand über eine illegale Software einzuhalten, im normalen Betrieb aber weit darüber zu liegen. Der Schadstoffausstoß liegt im Straßenverkehr bis zu 40 mal so hoch wie zulässig. Weltweit wurden rund elf Millionen Fahrzeuge manipuliert.

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