VW-Übernahmeschlacht 2008: Fiel Piech Cousin Porsche in den Rücken?

Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche (r.): Die beiden Cousins sind ein ungleiches Paar.

Ferdinand Piech und Wolfgang Porsche (r.): Die beiden Cousins gelten als sehr verschieden.

Die Rolle Ferdinand Piech beim Übernahmekampf von Porsche und VW im Jahr 2008 wird derzeit vor Gericht untersucht. Er war damals Aufsichtsrat von Porsche als auch von VW-Konzern und soll seinem Cousin Wolfgang Porsche durch eine geschickte Rochade in den Rücken gefallen sein. Investoren fordern Schadensatz in Milliardenhöhe.

Der damalige Chefjurist der Porsche-Holding PSE sagte im Landgericht in Hannover über die heiße Phase der Übernahmeschlacht Ende 2008: "Ich weiß aus diversen Gesprächen mit den Vorständen der PSE, Wendelin Wiedeking und Holger Härter, dass Zweifel daran bestanden, ob Prof. Piech auf Porsche-Linie war." Der VW-Patriarch und Großaktionär hatte damals eine Aufsichtsrats-Doppelrolle bei der PSE und bei Volkswagen. Er gilt als eine zentrale Person der Vorgänge.

Der Zeuge begründete seine Aussage damit, dass "am 12. September 2008 im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG Prof. Piech es ermöglichte, dass Beschlüsse gefasst wurden, die nicht im Sinne von Porsche waren". Im damaligen Ringen um den Einstieg der PSE bei Volkswagen fehlte der VW-Chefaufseher Piech bei einer entscheidenden Sitzung des Kontrollgremiums und verhalf der Arbeitnehmerseite mit seiner fehlenden Stimme so zu einem wichtigen Etappensieg.

Piech fiel Porsche damit in den Rücken. Sein Cousin Wolfgang Porsche - Chef des Aufsichtsrates bei der PSE - zeigte sich damals fassungslos. Der PS-Clan Piech/Porsche besitzt die PSE und ist VW-Großeigner.

Der 78-jährige Piech war Ende April nach einem Machtkampf in der VW-Spitze von allen Ämtern im VW-Konzern zurückgetreten. Piech sitzt aber auch noch heute im Aufsichtsrat der PSE. Für kommenden Mittwoch (13. Mai) ist die Hauptversammlung der Porsche-Holding angesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass Aufsichtsratsmitglied Piech teilnimmt.

Streitwert: Zwei Milliarden

Der Prozess in Hannover (Az.: 18 O 159/13) dreht sich um knapp zwei Mrd. Euro Schadenersatz, den Investoren einfordern. In dem Fall geht es um die Informationspolitik beim Aufbau der VW-Beteiligung, bei der es anfangs hieß, die PSE strebe nicht nach der Macht bei den Wolfsburgern. Am 26. Oktober 2008 teilte die PSE das Gegenteil mit.


Da die weiteren stimmberechtigten Volkswagen-Stammaktien damals schon knapp waren - auch weil die PSE sich Optionen darauf gesichert hatte -, explodierte der Kurs. Investoren verloren dabei viel Geld mit Kurswetten und klagen nun in diversen Prozessen. Zudem müssen sich Wiedeking und Härter in Stuttgart auch strafrechtlich verantworten.

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