VW streicht 30.000 Stellen - und schafft 9000 neue

VW streicht 30.000 Stellen - und schafft 9000 neue

Die VW-Vorstandsriege im Spiegel der Zeit: Der "Zukunftspakt" führt zu einem kräftigen Stellenabbau - aber auch zu neuen Jobs.

Der VW-Konzern setzt im Rahmen seines "Zukunftspakt" den Rotstift an: Neben den 23.000 Jobs in Deutschland sollen auch Stellen bei den Konzern-Töchtern im Ausland gestrichen werden. Bis zu 30.000 Jobs sollen global gestrichen werden. Gleichzeitig will der Konzern 9000 neue Jobs schaffen.

Der deutsche Autokonzern VW verpasst sich eine Schlankheitskur. Im Rahmen des sogenannten "Zukunftspakts" setzt der weltweit größte Automobilkonzern den Rotstift an und wird Stellen abbauen. Allein in Deutschland sollen 23.000 Mitarbeiter bis zum Jahr 2025 gehen. Bis zu 30.000 Mitarbeiter sollen weltweit bis dahin abgebaut werden. Das Unternehmen und der Betriebsrat haben dies am Freitagvormittag mitgeteilt.

Zu betriebsbedingten Kündigungen soll es dabei nicht kommen, wie der Konzern mitgeteilt hat. Der Abbau soll im Rahmen von Pensionierungen und natürlichem Abgang in den kommenden Jahren vollzogen werden. VW hat erklärt keine seiner Standorte schließen zu wollen.

Im gesamten Volkswagen-Konzern werden derzeit mehr als 624.000 Menschen beschäftigt - 282.000 davon allein in Deutschland.

VW muss in Zukunft an der Kosten- und Investitionsschraube drehen. Bis zum Jahr 2020 sollen die Kosten konzernweit um rund 3,7 Milliarden Euro pro Jahr gedrückt werden. Alleine drei Milliarden Euro soll in den sieben Werken in Deutschland eingespart werden.

Die Sachinvestitionsquote soll ebenso von bisher 6,9 Prozent auf 6,0 Prozent gesenkt werden. Die Investitionen werden somit von 13 Milliarden auf 12 Milliarden Euro jährlich gesenkt. VW-Chef Matthias Müller: „Der Volkswagen-Konzern wird fokussierter – auch bei den Investitionen und Entwicklungsaufwendungen." Im Fokus ist vor allem der Transformationsprozess mit Blick auf die Zukunftsthemen Elektromobilität, Digitalisierung und Autonomes Fahren.

"Die Arbeitsplätze in der Stammbelegschaft sind sicher", betonte VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh. Der Pakt habe "Licht und Schatten", sei insgesamt aber ein "Ergebnis der Vernunft". "Ein unkontrollierter Stellenabbau" sei damit vom Tisch.

"In vielen Regionen sind wir zur Zeit nicht profitabel", erklärt der VW-Markenvorstand Herbert Diess. Der Makrenchef des Konzerns weiß auch schon, wo zuallererst Einsparungen vollzogen werden. Vor allem soll die interne Bürokratie abgebaut und Doppelgleisigkeiten vermieden werden.

Neue Jobs für neue Marken

Gleichzeitig will Volkswagen im Rahmen einer neuen Strategie 9000 Jobs neu schaffen. Dabei handelt es sich um neue Berufsfelder, die das Unternehmen für seine neue Markenstrategie benötigt. VW-Konzernchef Müller betonte: "Der Zukunftspakt ist das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte unserer Kernmarke." Müller: "Uns allen ist bewusst: die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt."

Seit mehreren Monaten führten die Konzerngeschäftsführung und den Arbeitnehmervertreter intensive Verhandlungen über den Personalabbau sowie der Neuausrichtung.

Beim Aufbau des neuen Bereichs Elektromobilität will VW bis zum Jahr 2025 insgesamt 30 neue, reine E-Autos auf den Markt bringen. Erst Mitte September hat VW dazu die Einführung einer eigene Auto-Marke angekündigt. In einer eigenen Automarke sollen die E-Auto-Aktivitäten des VW-Konzern angefahren werden. Die E-Auto-Marke ist somit Automarke Nummer 13 des VW-Konzerns.

VW hat bereits im Frühjahr 2016 mit Beteiligungen an den neuen Mobilitätsdienstleistern Gett und FR8 zwei neue Geschäftsfelder eröffnet. Damit hatte der neue VW-Chef Müller bereits drei neue Projekte angedeutet und zumindest die Weichen für den Umbau des Konzerns bereits in die Wege geleitet. Im Jahr 2020 soll die Marke Volkswagen völlig neu aufgestellt sein.

Mit dem Zukunftspakt wollen Betriebsrat und Unternehmen die aus Sicht aller Beteiligten nötigen Reformen bei der gewinnschwachen Kernmarke VW-Pkw mit Absicherungen für die Belegschaft vereinen.

"Dieser Pakt ist für Volkswagen ein großer Schritt nach vorne, sicherlich einer der größten in der Geschichte des Konzerns", betont Markenvorstand Diess. Bisher sei Volkswagen nicht gewappnet gewesen für den Wandel, bei der Produktivität habe man an Boden verloren. Bei der Rendite liege der Konzern weit hinter der Konkurrenz.. "Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den Zukunftssturm wappnen," sagt Diess.

Zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Die Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe sind die Zukunftsthemen, die angegangen werden müssen. Dafür hat der Autoriese bereits Investitionen in der Höhe von 100 Milliarden Euro beschlossen.

Der Abschluss des Zukunftspakts war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, über den der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beraten und vor allem beschließen sollte.


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Volkswagen hat gleich in mehreren Bereichen zu kämpfen. Der im September 2015 aufgedeckte Abgasskandal zwingt den Autobauer zum Sparen und zur Zahlung von Milliardenentschädigungen vor allem in den USA.

Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit längerem ein Rendite-Problem, das die neue Führung bereits vom alten VW-Vorstandchef Martin Winterkorn geerbt hat. Der Hausmarke um Golf und Passat blieb zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen. Zudem hatte VW eine massives Absatzproblem am Zukunftsmarkt China.

An der Börse kommt der "Zukunftspakt" mit dem Jobabbau jedenfalls gut an. Der Kurse der VW-Aktie ist am Freitagvormittag um ein halbes Prozent gestiegen.

Der Zukunftspakt für die 7 deutschen VW-Produktionen

Der sogenannte "Zukunftspakt" soll für den VW-Konzern der große Wurf werden. Für die Standorte in Deutschland und vor allem für die Kernmarke VW bringt die Entscheidung zum Teil gravierende Änderungen. Die Auswirkungen für die sieben deutschen Standorte im Detail:

WOLFSBURG Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus - unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

KASSEL Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden - samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

SALZGITTER Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und - soweit wirtschaftlich tragbar - auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

EMDEN Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werks an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2.150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

HANNOVER Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

BRAUNSCHWEIG Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

ZWICKAU Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

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