VW-Skandal: VW-Chef Müller kündigt Lösungspaket und Großinvestition an

VW-Skandal: VW-Chef Müller kündigt Lösungspaket und Großinvestition an

VW-Chef Matthias Müller bei der Detroiter Autoshow: Die USA "sind und bleiben ein Kernmarkt" für VW.

Volkswagen ist auf einem Kurs der Wiedergutmachung: VW-Chef Matthias Müller entschuldigte sich erneut für die massenhafte Täuschung in den USA, ein Paket mit Lösungsvorschlägen für die US-Umweltbehörde EPA soll bereits fertig sein. Außerdem bekräftigt Müller das Engagement für den US-Markt und will fast eine Milliarde Dollar investieren.

"Das Paket steht. Jetzt müssen wir sehen, was die EPA dazu sagt", sagte VW-Konzernchef Matthias Müller bei der Automesse in Detroit. Es ist der erste Besuch des neuen VW-Chefs in den USA.

Er hat zugleich das Engagement des Konzerns auf dem nordamerikanischen Markt bekräftigt. "Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben. Ich bitte daher um Entschuldigung für das, was bei Volkswagen falsch gelaufen ist", sagte Müller in Detroit und erklärte: "Unser ganzer Einsatz zielt jetzt darauf ab, die Dinge in Ordnung zu bringen." Bei der Lösung der Krise stehe das Unternehmen mit der US-Umweltbehörde EPA in einem "konstruktiven" Dialog.

Müller: Rückkauf Teil der Lösung

"Wir glauben, dass wir ein Paket anbieten, das in Ordnung ist", sagte Müller nach seiner Rede vor Journalisten. "Jetzt müssen wir eben schauen, ob die EPA das genauso sieht, und dann werden wir irgendwann in der nächsten Zeit ein Ergebnis bekommen." Müller bestätigte, dass er am Mittwoch die EPA-Chefin Gina McCarthy treffen wird. Zum weiteren Besuchsprogramm wollte er sich nicht äußern. Im Ringen um die manipulierten Diesel-Fahrzeuge ist es das erste Spitzentreffen zwischen den US-Aufsehern und der Konzern-Führung. "Ich gehe da mit einem sehr guten Gefühl hin", sagte Müller. Schon im November hatte VW erste Lösungsideen vorgelegt, die die Behörden aber noch nicht überzeugten.

Auch bei Einzelheiten der Umrüstungspläne blieb der Volkswagen-Chef wortkarg. Auf die Frage, ob ein Rückkauf von 100.000 der fast 600.000 betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA erwogen werde, sagte er: "Das ist Teil der Lösung, die wir mit Frau McCarthy besprechen wollen."

Aus gut informierten Kreisen verlautete, dass Volkswagen auch die Möglichkeit erwägt, die Autos einiger Kunden gegen Neuwagen einzutauschen. Für den Rest der betroffenen Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten wird angesichts der strengen US-Abgasnormen eine aufwendige Umrüstung erwartet.

VW entwickelte neuen Katalysator

Einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge entwickelten VW-Ingenieure in den vergangenen Monaten einen neuen Katalysator, mit dem bei 430.000 betroffenen Autos die geforderten Grenzwerte erreicht werden können. Die EPA müsse die Technik aber erst noch genehmigen, ehe der Konzern die Serienproduktion starten könne.

An der Börse kam diese Nachricht gut an: Die Volkswagen-Aktie gewinnen 1,7 Prozent. Offenbar setzten Anleger darauf, dass die US-Behörden dem Konzern grünes Licht zur Umrüstung der US-Fahrzeuge mit einem neu entwickelten Katalysator geben, sagt Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF.

Nach US-Ermittlungen hatte Volkswagen im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als auf der Straße. Vergangenen Montag hatte das US-Justizministerium im Auftrag der EPA Klage gegen den Konzern eingereicht, dem eine Milliardenstrafe droht.

Volkswagen wird in der Klageschrift die Manipulation von Abgaswerten bei in den USA verkauften Autos der Marken VW, Audi und Porsche sowie der Verstoß gegen ein Gesetz zur Luftreinhaltung vorgeworfen. Außerdem wird dem Unternehmen zur Last gelegt, die US-Behörden bei der Aufklärung behindert und sogar gezielt in die Irre geführt zu haben. Ende vergangener Woche sagte der New Yorker Bundesanwalt Eric Schneiderman der "New York Times": "Unsere Geduld geht zu Ende." So weigere sich Volkswagen unter Berufung auf deutsche Datenschutzgesetze, US-Staatsanwälten E-Mails und anderes Material zur Kommunikation von Führungskräften offenzulegen.

Müller, der nach Bekanntwerden des Skandals das Ruder bei VW übernommen hatte, sagte in Detroit, dass er mit der Klage gerechnet, der Zeitpunkt ihn aber überrascht habe. Erneut wies er die Darstellung zurück, Volkswagen habe kriminell gehandelt. Der Konzern habe "riesige" technische Fehler gemacht, die Öffentlichkeit und die Behörden in den USA aber nicht absichtlich getäuscht.

An Spekulationen über die mögliche Strafe wollte sich Müller nicht beteiligen. "Man überbietet sich ja täglich", sagte der VW-Chef zu den unterschiedlichen Zahlen, die kursieren. "Ich bin gespannt, wann der erste über hundert Milliarden schreibt. Wir haben dazu nichts zu sagen."

Großinvestition in US-Werk Chattanooga

Die Vereinigten Staaten "sind und bleiben ein Kernmarkt" für das Unternehmen, betonte Müller. Volkswagen plant eine Großinvestition von 900 Mio. Dollar (rund 830 Mio. Euro) am Standort Chattanooga für den Bau eines neuen Sportgeländewagens. Dies werde etwa 2.000 Arbeitsplätze schaffen, sagte Müller in Detroit. Die Produktion des neuen SUV werde Ende dieses Jahres beginnen.

US-Branchenexperten sehen die VW-Manager vor einer Herkulesaufgabe. "Wir haben doch nur abgewartet bisher. Die müssen jetzt endlich mal sagen, was sie tun wollen. Und wenn sie das getan haben, dann sehen wir mal weiter. Fest steht schon: Es wird ein langer, langer Weg", sagte die renommierte Branchenkennerin Michelle Krebs am Rande der Messe. Ihr Kollege Karl Brauer meinte zur Frage der Rückrufe oder Rückkäufe: "VW hat ein großes Problem, das überhaupt logistisch zu lösen." Er halte es zwar für verfrüht, über ein Verschwinden der Kernmarke aus den USA zu spekulieren. "Aber es wird ein langer, langer Weg zurück", sagte er zu den Perspektiven für Europas Branchenprimus.

VW hinkt Ziel in den USA hinterher

Während die VW-Töchter Audi und Porsche in den USA erfolgsverwöhnt sind, fährt die Kernmarke hinterher. 2015 verkaufte VW-Pkw in den USA nur 349.000 Wagen, vor allem Jetta und Passat. Das sind 5 Prozent unter dem Vorjahreswert und meilenweit vom Ziel entfernt, bis 2018 rund 800.000 Wagen abzusetzen. Die Marke stammt noch vom Müller-Vorgänger Martin Winterkorn - und wurde bisher nicht kassiert.

Bis zum Dieselskandal hatten die USA eine Schlüsselrolle gespielt beim Volkswagen-Ziel, bis 2018 auch vor Toyota weltgrößter Autobauer zu werden. Als Hauptgründe für die US-Schwäche gelten Lücken im Angebot und mangelndes Verständnis für die Kundenwünsche. So geriet der Zyklus für eine kosmetische Überarbeitung der Modelle (Facelifts) zu lang. Schicke, neue Wagen begeisterten die US-Kunden nicht mehr so lange wie früher, als die Zyklen beim Design noch länger reichten, sagte Analystin Krebs. "Das verschwindet rascher als jemals zuvor."

Bei VW soll es auf Modellseite eine Siebensitzer-Geländelimousine richten - Arbeitstitel CrossBlue. Sie soll Ende 2016 kommen und auch helfen, VW-Pkw in den USA endlich profitabler zu machen. Der Autobauer hat seit Jahren keine Zahlen mehr dazu veröffentlicht.

Geld

In diesen Urlaubsländern kriegen Sie am meisten für Ihren Euro

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Wirtschaft

Sonja Sarközi wird Chefin der russischen Sberbank Europe

Auto & Mobilität

Bau Lobautunnel genehmigt: Stau auf der Tangente ade