VW-Skandal - Kunden-Anwälte erhöhen Druck auf Konzern

Österreichs Autoimporteure wollen mit Pressekonferenz nächste Woche Diesel-Image verbessern. Den im VW-Abgasskandal geschädigten europäischen Autobesitzern soll zu ihrem Recht verholfen werden. Anwälte ziehen nun für ihre Mandaten vor Gericht.

VW-Skandal - Kunden-Anwälte erhöhen Druck auf Konzern

Der Abgasskandal ist noch nicht abgeschlossen. Nun ziehen die Anwälte vor Gericht.

Wolfsburg. Im Diesel-Abgasskandal wollen weitere Rechtsanwälte per Klage auch für deutsche Volkswagen-Kunden eine Entschädigung erzwingen. VW-Chef Matthias Müller hatte erst vergangene Woche in mehreren österreichischen Medien Zahlungen wie in den USA, wo VW 14 Mrd. Euro an Wiedergutmachung zahlt, ausgeschlossen.

"Offenbar will VW den Abgasskandal aussitzen und setzt darauf, dass Ansprüche der Kunden verjähren", sagte der frühere deutsche Innenminister Gerhart Baum von der Kanzlei Baum Reiter & Collegen am Montag in Berlin. Man setze deshalb nicht mehr nur auf einen Vergleich, sondern habe begonnen, Klagen vor deutschen Gerichten einzureichen, teilte Kanzleipartner Julius Reiter mit.

Ziel ist eine Rücknahme von VW-Dieselfahrzeugen, deren Abgaswerte manipuliert wurden, und die Erstattung des Kaufpreises. Statt einer Rückabwicklung besteht nach Darstellung der Anwälte - wie in den USA bereits durchgesetzt - in vielen Fällen eine Chance auf Schadenersatz oder auf eine Minderung des Kaufpreises. Es sei kein bloßer Sachmangel, wenn Autos deutlich mehr Stickoxid ausstießen als angegeben, sagte Reiter: "Wir sind überzeugt, dass dies den Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung erfüllt."

Die Düsseldorfer Anwälte und die Berliner Kanzlei Gansel suchen zugleich weiterhin über die niederländische Stiftung "Stichting Volkswagen Car Claim" nach einem Kompromiss auf dem Verhandlungsweg. Bei der Stiftung haben sich nach Angaben der Kanzleien rund 100.000 VW-Halter angemeldet, darunter 20.000 aus Deutschland.

Auch die EU-Kommission verlangt von dem Wolfsburger Konzern klare Zugeständnisse an die betroffenen Dieselkunden. Ende April ließ VW eine von EU-Justizkommissarin Vera Jourova gesetzte Frist verstreichen. Sie hatte "konkrete Ergebnisse" gefordert. Volkswagen erklärte dazu: "Wir befinden uns weiterhin im Austausch."

Der VW-Konzern hat in Österreich nunmehr 70 Prozent aller von dem Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge umgerüstet. In Deutschland sind es laut VW-Markenchef Herbert Diess 72 Prozent. Europaweit sollen es über 50 Prozent sein.

Medienberichten zufolge erwägt VW, gemeinsam mit anderen Herstellern, eine Kampagne für den Dieselantrieb. Offensichtlich sind diese Pläne schon weiter gediehen, denn erst heute hat der österreichische Arbeitskreis der Automobilimporteure zu einer Pressekonferenz nächste Woche gerufen - Titel: "Die Bedeutung des Dieselantriebs in Österreich".

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