VW-Skandal: Razzia bei VW-Kanzlei Jones Day

VW-Skandal: Razzia bei VW-Kanzlei Jones Day

Dieselgate und kein Ende: Nun ist Audi mit CEO Rubert Stadler im Visier der Ermittler sowie die US-Kanzlei Jones Day.

Die Ermittlungen in der Volkswagen-Abgasaffäre wurden gegen Audi und die US-Kanzlei Jones Day ausgedehnt. Bei Volkswagen ist man empört. Die Datensicherung der 100 Ermittler kann laut Staatsanwaltschaft noch bis Freitag dauern.

München/Wolfsburg. Volkswagen-Konzern-Chef Müller hatte am Dienstag zwar die VW-Dieselaffäre für beendet erklärt. Damit hat er aber die Rechnung ohne die Ermittler gemacht. Sie haben ihre Ermittlungen gegen Audi und die US-Kanzlei Jones Day ausgeweitet. Bei der Konzernmutter Volkswagen für Empörung. "Wir halten das Vorgehen der Staatsanwaltschaft München in jeder Hinsicht für inakzeptabel", teilte VW am Donnerstag mit.

"Die Durchsuchung einer vom Unternehmen beauftragten Rechtsanwaltskanzlei verstößt nach unserer Auffassung klar gegen die in der Strafprozessordnung festgeschriebenen rechtsstaatlichen Grundsätze. Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln hiergegen vorgehen", erklärte VW. Die Staatsanwaltschaft München lehnte eine Stellungnahme ab. Jones Day wolle sich ebenfalls nicht äußern. Die Ermittler sicherten unterdessen weiter Daten, was laut Staatsanwaltschaft noch bis Freitag dauern könnte.

Am Mittwoch waren rund 100 Ermittler bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm, bei der Konzernmutter Volkswagen in Wolfsburg und an weiteren Orten zur Razzia angerückt. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung beim Verkauf von rund 80.000 Dieselfahrzeugen in den USA.

Audi hatte Ende 2015, kurz nach Bekanntwerden der Abgasaffäre bei VW, den Einsatz von Schummel-Software in großen Dieselmotoren eingeräumt. Den Ermittlern sicherte Audi volle Kooperation zu. Welche weiteren Orte außer den Firmenstandorten durchsucht wurden, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Insidern zufolge waren auch Privaträume betroffen. Audi-Chef Rupert Stadler sagte, weder bei ihm zuhause noch in seinem Büro habe es Besuch von Ermittlern gegeben.

Durchforstung von riesigen Datenmengen

Die US-Anwaltskanzlei Jones Day war im Herbst 2015 vom VW-Konzern beauftragt worden, den Abgasskandal und seine Hintergründe aufzuarbeiten. Auch bei der Tochter Audi durchforsteten die Juristen von Jones Day riesige Datenmengen und befragten Manager, darunter auch Vorstandschef Stadler.

Insgesamt sollen es nach Insiderangaben mehr als eine Million Seiten sein: Dokumente, E-Mails, Gesprächsprotokolle und andere Daten. Die gesammelten Ergebnisse von Jones Day befinden sich Insidern zufolge bei der Anwaltskanzlei, im Unternehmen habe niemand einen schriftlichen Bericht bekommen.

Von seiner ursprünglichen Ankündigung, den Abschlussbericht von Jones Day zu veröffentlichen, nahm VW wieder Abstand. Die Erkenntnisse der Juristen seien in das von den US-Behörden veröffentlichte "Statement of Facts" eingeflossen, deshalb sei ein separater Bericht nicht mehr notwendig, argumentierte der Autobauer.

Der dynamische Prozess

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich, sagte, sicherten die Ermittler am Donnerstag bei Audi weiter Daten. Die Durchsuchungen seien noch nicht zu Ende; womöglich würden sie auch am Donnerstag noch nicht abgeschlossen. Details nannte der Sprecher nicht.

Bereits am Mittwoch seien umfangreiche Daten und Unterlagen sichergestellt und abtransportiert worden, die jetzt nach und nach ausgewertet würden. Erste Befragungen hätten bereits stattgefunden, weitere folgten, sagte Heidenreich. Auch dazu nannte er keine Einzelheiten. Wann mit ersten Ergebnissen aus der Auswertung der Daten oder Befragungen zu rechnen ist, könne man nicht sagen. "Das ist ein dynamischer Prozess."

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