VW-Skandal: Aufsichtsratschef Pötsch in Erklärungsnot

VW-Skandal: Aufsichtsratschef Pötsch in Erklärungsnot
VW-Skandal: Aufsichtsratschef Pötsch in Erklärungsnot

Volkswagen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch: Was wusste er über den VW-Abgasskandal und vor allem wann?

In der Dieselgate Abgasaffäre beim Volkswagen-Konzern hat nun Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Erklärungsbedarf. Der frühere Finanzvorstand soll bereits am 8. September 2015 von den Manipulationen erfahren haben. Eine Meldung an die Aktionäre ist jedoch ausgeblieben.

In der VW-Abgasaffäre hat nun auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Erklärungsbedarf. Der österreichische Manager, der seit Oktober 2015 Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG ist, soll in seiner damaligen Funktion als Finanzvorstand bereits in der Vorstandssitzung am 8. September informiert worden sein, dass in den USA gegen den VW-Konzern ermittelt wird. Auch vom Einsatz der Software, mit der Abgaswerte bei verschiedenen Diesel-Modellen aus dem Haus Volkswagen manipuliert wurden, soll spätestens seit diesem Tag gewusst haben.

Dem Aktienrecht zufolge hätte der Volkswagen-Konzern diese kursrelevante Informationen umgehend mittels einer ad-hoc-Meldung an die Aktionäre weitergeben müssen. Pötsch hat das jedoch unterlassen. Erst am 20. September 2015 ging der Volkswagen-Konzern mit der Information an die Öffentlichkeit. Dem Konzern stehen nun zahlreiche Klagen von Aktionären ins Haus, die der Meinung sind, zu spät informiert worden zu sein und deshalb auf den eingetretenen Kursverlust nicht rechtzeitig reagieren konnten. Die VW-Aktie (ISIN DE0007664005) hatte am Freitag, den 18. September noch mit 161 Euro geschlossen. Nach der Bekanntgabe der Manipulationen schloss sie am Montag, den 21. September mit 133,70 Euro, am 5. Oktober 2015 rutschte sie sogar bis auf 95 Euro ab.

Der Kursverlauf der Volkswagen-Aktie vom 1. September 2015 bis zum 7. März 2016.

Noch weiter zurück reichen die ersten Informationen an Konzernchef Martin Winterkorn (siehe Artikel: "Winterkorn war über Dieselgate schon früh informiert"). Er wurde bereits eineinhalb Jahre zuvor, zu Beginn der Ermittlungen durch amerikanische Umweltbehörden wurde Winterkorn im Mai 2014 informiert. Im November 2014 habe es eine weitere Notiz an WInterkorn gegeben. Später wurde auch eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit den Problemen von VW mit Abgasgrenzwerten in den USA befasste. Am 27. Juli 2015 schließlich hätten Mitarbeiter in Anwesenheit von Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess über die Diesel-Thematik gesprochen.

Der VW-Konzern ist dennoch der Meinung, die kapitalmarktrechtlichen Anforderungen erfüllt zu haben. Ein VW-Sprecher erklärte, dass sich der Konzern grundsätzlich nicht zu den Inhalten von Vorstandssitzungen äußert. Wie angekündigt will der Automobilhersteller in der zweiten April-Hälfte über die Ergebnisse der intern eingeleiteten Untersuchung berichten.

Geheimhaltungsinteresse

Das "Geheimhaltungsinteresse im Konzern habe bis zum 20. September 2015 überwogen. Der Vorstand, dem auch Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller als damaliger Porsche-Chef angehörte, hatte gehofft, mit den US-Behörden einen Deal vereinbaren zu können - eine Kulanzlösung ohne höhere Strafen.

Der Konzern wollte sich zu den Vorwürfen gegen das Top-Management bislang nicht äußern. Ein Sprecher verwies auf die VW-Erklärung vom 2. März 2016, wonach die im Aktienrecht vorgeschriebene Pflicht zur Veröffentlichung potenziell aktienkursbewegender Erkenntnisse (Ad-hoc-Pflicht) nicht verletzt worden sei. Die Tübinger Anwaltskanzlei Tilp, die eine Anlegerklage vor dem Landgericht Braunschweig eingereicht hat, bezeichnete dagegen die Auslegung der Informationspflicht als unzutreffend und die Erklärung des Konzerns als "irreführend und falsch."

Teure Einigung in den USA

Herbert Diess, der neue Vorsitzende des Markenvorstands von Volkswagen PKW, sagte nun der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung", er sehe gute Chancen, "in den nächsten Monaten" eine Übereinkunft mit den US-Behörden zu erzielen. US-Bezirksrichter Charles Breyer hatte VW und der amerikanischen Umweltbehörde EPA eine Frist bis zum 24. März gesetzt. Bis dann müssen sie mitteilen, ob sie sich auf ein Vorgehen zur Reparatur der manipulierten Dieselautos geeinigt haben. VW-Chef Müller sprach dagegen nicht von einer Frist, sondern von einem Gesprächstermin.

Die Einigung in den USA wird dem Konzern jedenfalls einiges kosten. Diess bekräftigte zugleich Forderungen nach weiteren Einsparungen in der größten Konzernsparte, nachdem Seat, Skoda, Audi und Porsche Erfolge eingefahren hätten. "Die Marke Volkswagen muss dagegen noch einiges tun, um in den nächsten Jahren profitabler zu werden." Es wird damit gerechnet, dass Diess seine Pläne zur Effizienzsteigerung am Dienstag bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg vor Tausenden Mitarbeitern erläutert. Auch Konzernchef Müller, der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sollen dort Reden halten.

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