VW will Konzernchef Müller durch Markenchef Diess ersetzen

VW will Konzernchef Müller durch Markenchef Diess ersetzen

Noch-VW-Chef Matthias Müller (i. Bild vorne re.) steht vor der Ablöse. Er soll vom VW-Markenchef Herbert Diess (Mitte) abgelöst werden.

Volkswagen plant den Umbau der Chefetage. Der Aufsichtsrat von Volkswagen wird am Freitag beraten, wer das Unternehmen künftig führen soll. CEO Matthias Müller soll von Markenchef Herbert Diess abgelöst werden. Müllers Vertrag läuft noch bis 2020.

Wolfsburg. Volkswagen steht offenbar vor einem Chefwechsel und größeren Umbau in der Konzernführung. VW-Markenchef Herbert Diess soll Matthias Müller an der Konzernspitze ablösen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Darüber hatte zuvor auch das "Handelsblatt" berichtet..

VW hatte am frühen Nachmittag in einer knappen Pflichtmitteilung lediglich erklärt, dass der Autobauer "eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern" erwäge. "Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören." Darüber hinaus äußerte sich der Konzern zunächst nicht. Insidern zufolge könnte die Entscheidung für Diess schon an diesem Freitag offiziell werden. Dann tage der Aufsichtsrat, der auch über den Konzernumbau beraten werde. Dabei gehe es unter anderem um die Einleitung des Börsengangs für die Lkw-Sparte.

Der Konzernumbau soll seit längerem schon ein Thema in Wolfsburg sein. Bei VW verweist man auf die komplexen Strukturen, die abgebaut werden sollen. Den einzelnen Marken und Regionen sollen mehr Verantwortung bekommen. Elektromobilität und Digitalisierung sollen die schlankeren Strukturen zudem notwendig machen.

Porsche hat fast zeitgleich mit der Konzernmutter in einer Aussendung erklärt, dass es auch bei Porsche SE zu Veränderungen im Management kommen werde.

Müller hatte noch kürzlich in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel erklärt, dass dass das Führungsteam „weiblicher, jünger und internationaler“ werden müsse.

Knapp drei Jahre nachdem Müller von Porsche in die Chefetage des Mutterkonzern befördert wurde, kommt nun die Abberufung. Der 64-jährige Müller hat noch einen bis zum Jahr 2020 datierten Vertrag. Er habe "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken". Nähere Angaben dazu machte der Dax-Konzern zunächst nicht.

Müller hatte maßgebend zur Aufklärung des Dieselbetrug beigetragen. Den Konzern hat das bereits mehr als 25 Mrd. Euro gekostet hat. Er hatte zudem VW eine neue Strategie verpasst. Die einzelnen Regionen erhielten mehr Mitsprache bei der Modellpolitik des Konzerns. Den Marken wurden mehr Eigenständigkeit zugestanden. Kritisiert wurde Müller, weil immer wieder der Staatsanwalt wegen des Dieselskandals an die Tür geklopft hatte, was zu weiteren Ermittlungen geführt hatte. Außerdem kam der Konzernumbau undd somit der versprochene "Kulturwandel" nicht so schnell voran, wie es von Müller beabsichtigt war. Fragwürdige Abgastests mit Affen hatten einmal mehr das Image des Konzerns stark angepatzt.

Diess war 2014 von BMW verpflichtet worden. Der heute 59-jährige hat im Jahr 2015 noch vor Ausbruch des Dieselskandals den Vorstandsposten und die Verantwortung für die Markenpolitik von VW übernommen. Er ist bei VW eingestiegen noch bevor der Dieselskandal aufgedeckt wurde. Diess wurde als logischer Nachfolger später gefeuerten VW-CEO Martin Winterkorn gehandelt, der bereits im Juli 2015 über die Abgasmanipulationen Bescheid gewusst haben soll, den Aktionären das aber nicht mitgeteilt habe.

Der Auttrag von Diess war, der Konzernmarke VW Auftrieb zu geben und vor allem den Umsatz anzukurbeln. Diess soll VW außerdem bei der Elektromobilität voranbringen.

Auch der Personalvorstand Karlheinz Blessing soll abgelöst werden. Gunnar Kilian, der Generalsekretär des VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh ist, soll laut Nachrichtenagentur Reuters die Nachfolge von Blessing antreten.

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VW-Konzernchef Matthias Müller: "Eine beispiellose Krise"

Die Familien Porsche und Piech hatten sich damals nicht für Diess entschieden, sondern den damaligen Porsche-CEO Müller im September 2015 in die Chefposition gehoben, als der damalige Konzernchef Martin Winterkorn im Zuge des Dieselbetrugs zurücktreten musste. Müller hat ein blitzsaubere Karriere im Volkswagen-Konzern hingelegt. 2015 wurde er von der VW-Tochter Audi kommend bei Porsche als Chef installiert.

Der bevorstehende Konzernumbau, der nicht nur den Börsengang der Nutzfahrzeug-Sparte Truck & Bus umfassen könnte, trieb die Volkswagen-Aktie (ISIN DE0007664039) am Dienstag an. Die VW-Papiere kletterten um bis zu fünf Prozent. Müller hatte zuletzt auf dem Genfer Autosalon die Fantasie der Investoren angeregt, als er sagte, es gehe nicht nur um die Sparte Truck & Bus, "sondern um die Schlagkraft des VW-Konzerns insgesamt".

Unter Spartenchef Andreas Renschler, der vor drei Jahren von Daimler zu VW gekommen war, ist die Verzahnung der beiden selbstbewussten Lkw-Töchter MAN und Scania vorangekommen. Sie bilden zusammen mit dem Nutzfahrzeuggeschäft in Brasilien und der Digitalmarke RIO Volkswagen Truck & Bus.

Das von CEO Müller verantwortete Jahresergebnis 2017 dürfte für die Umbesetzung des Vorstands wohl nicht entscheidend sein. Volkswagen hat das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte eingefahren.

Mitte März hat der VW-Konzern hervorragende Zahlen präsentiert. Der Konzernumsatz ist im Jahr 2017 auf die neue Bestmarke von 230,7 Milliarden Euro gestiegen und lag somit um 6,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Operative Ergebnis ist vor als auch nach Sondereinflüssen ebenfalls so gut aus wie nie zuvor – es betrug vor Sondereinflüssen 17,0 Milliarden Euro, nach Sondereinflüssen 13,8 Milliarden Euro. „Das ist das beste Operative Ergebnis, auch nach Sondereinflüssen, das der Volkswagen Konzern je erreicht hat“, betonte Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter bei der Präsentation der Jahresergebnisse.

Die "Sondereinflüsse" sind die Folgekosten des Diesel-Skandals - VW-intern spricht man von der "Dieselthematik". Nach 6,4 Milliarden Euro im Jahr 2016 musste der Konzern im Vorjahr für seine Rückkauf- und Nachrüstprogramme sowie wegen der höheren Rechtsrisiken zuletzt 3,2 Milliarden Euro aufwenden.

Umsätze nach Marken (GJ 2017)

  • Volkswagen (Pkw) Umsatz: 80,0 Mrd. € (+ 8 %)
  • Audi (inkl. Lamborghini und Ducati) Umsatz: 60,1 Mrd. € (+ 1,35 %)
  • Skoda Umsatz: 16,6 Mrd. € (+ 20,8 %)
  • SEAT Umsatz: 9,9 Mrd. € (+ 11,2 %)
  • Bentley Umsatz: 1,8 Mrd. € (- 9,2 %)
  • Porsche Umsatz: 21,7 Mrd. € (+ 4,7 %)
  • Volkswagen (Nutzfahrzeuge) Umsatz: 11,9 Mrd. € (+ 7,2 %)
  • Scania Umsatz: 12,8 Mrd. € (+ 13,3 %)
  • MAN Umsatz: 11,1 Mrd. € (+ 2,8 %)

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