VW stemmt sich weiter gegen Hardware-Nachrüstungen

VW stemmt sich weiter gegen Hardware-Nachrüstungen

Die Messungen haben ergeben, dass ein Software-Update alleine nicht reicht, um den giftigen Stickoxid-Ausstoß in Griff zu bekommen.

Die Software-Updates für Diesel reichen nicht aus, um die Stickoxid-Werte (NOX) unter die Marke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel zu drücken. Die deutsche Umweltministerin Hendrix fordert deshalb vehement den Umbau von Dieselmotoren. VW stemmt sich dagegen. Die deutsche Umwelthilfe fordert Fahrverbote.

Wolfsburg. Nach der Kritik der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks an den Beschlüssen des deutschen Dieselgipfels hat VW auf die Umweltfreundlichkeit seiner neuesten Motoren verwiesen und lehnt Hardware-Lösungen weiter ab. "Beim Diesel-Gipfel gab es einen vernünftigen Kompromiss", sagte ein Volkswagen-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

"Verabredet wurden technische Nachbesserungen und Umtauschprämien, die schnell umsetzbar und nachhaltig sind. Bis verlässliche Hardware-Lösungen in der Fläche verfügbar und von den Behörden freigegeben wären, würden mehrere Jahre vergehen."

Der VW-Sprecher sagte, Hardware-Lösungen wären nur für einen Teil der Fahrzeugflotte überhaupt technisch umsetzbar, mit enormem Aufwand und "fragwürdigen Resultaten". Weiter sagte er: "In Kombination mit der Umweltprämie für alte Dieselfahrzeuge und dem Umweltfonds für die nachhaltige Mobilität in den Städten ist ein Maßnahmenpaket geschnürt, das die Luftqualität kurz- und mittelfristig deutlich verbessern wird."

Die Fahrverbote drohen

Umweltministerin Hendricks hatte einmal mehr bei älteren Dieselfahrzeugen Umbauten am Motor gefordert, sogenannte Hardware-Lösungen. Die auf dem Dieselgipfel Anfang August beschlossenen Software-Updates reichten nicht aus, hatte sie kritisiert. Wie das Bundesumweltamt (UBA) ausgerechnet hatte, bleibt die Luft in fast 70 deutschen Städten auch nach den Beschlüssen des Dieselgipfels schmutziger als erlaubt.

So würden die Software-Updates für eine bessere Abgasreinigung und Umtauschprämien für ältere Diesel nach Berechnungen des deutschen Umweltbundesamts (UBA) die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickoxid (NOX) nur um bis zu sechs Prozent senken. Das reiche aber nur in etwa 20 betroffenen Städten, um die Stickoxid-Werte unter die Marke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel zu drücken, teilte das deutsche Umweltministerium mit. Damit drohen weiterhin Diesel-Fahrverbote.

Bei seinen Berechnungen ging das UBA laut Mitteilung davon aus, dass zwischen 3,5 und 5 Millionen Besitzer neuerer Diesel der Abgasnormen Euro 5 und 6 das freiwillige Update an der Motorsoftware vornehmen lassen. Die Experten rechneten mit einer Minderung des Stickoxid-Ausstoßes zwischen 15 und 25 Prozent durch die Updates.

Der VW-Sprecher trommelt hingegen weiter die Werbetrommel für die neuesten VW-Motoren und deren "Umweltfreundlichkeit". Eine Messaktion des ADAC belege, dass die aktuellsten Generationen der Verbrennungsmotoren des VW-Konzerns in Sachen Emissionen und Verbrauch zu den besten im Markt gehörten. Der ADAC hatte eine Auswertung der Stickoxid-Emissionen (NOx) von Euro-6-Dieseln in realitätsnahen Tests veröffentlicht. Bei den 188 Modellen, die seit 2013 untersucht wurden, schnitten demnach die Fahrzeuge von BMW, von Marken aus dem VW-Konzern sowie von Mercedes am besten ab.

Die Wirkung der Umtauschprämien für Besitzer älterer Diesel, die sich neue Modelle zulegen, schätzen die Experten auf null bis zwei Prozent. "Deutlich höher wäre die Wirkung, wenn die Prämie nur für den Kauf sehr sauberer Fahrzeuge eingesetzt würde", hieß es in der Mitteilung. Prämien gibt es derzeit auch für neue Euro-6-Diesel, die im Alltagsgebrauch deutlich schmutziger sind als im Labor.

Weitere Forderungen von Fahrverboten

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhöht in der Debatte um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wegen deren hohem Stickoxidausstoß den Druck. Solche Fahrverbote seien ab 2018 in mehr als 60 deutschen Städten zwingend, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Donnerstag in Berlin.

Zugleich teilte er mit, dass die DUH nun 45 weitere Rechtsverfahren gegen Städte wegen Nichteinhaltung von Grenzwerten für die Luftqualität eingeleitet habe. Die DUH warf Bund, Ländern und Kommunen erneut vor, trotz eindeutiger Gerichtsentscheide keine für den Schutz der Gesundheit der Menschen notwendigen Luftreinhaltemaßnahmen zu ergreifen. Daher intensiviere die Umwelthilfe ihre Rechtsverfahren über die bereits laufenden 16 Verfahren hinaus.

Resch wies auch darauf hin, dass das Umweltbundesamt die Auffassung der DUH hinsichtlich der weitgehenden Unwirksamkeit von Software-Updates für Diesel-Fahrzeuge bestätigt habe. Bereits heute führe die durch das Diesel-Abgas Stickstoffdioxid verursachte innerstädtische Luftbelastung in ganz Deutschland jährlich zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen.

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