VW-Firmenpatriarch Piëch ist zurück auf der Porsche-Bühne

Ferdinand Piëch ist noch nicht von Bord. Auch wenn er seinen Anteil an seinen Bruder Hans Michel verkauft hat. Die Tuchfühlung zur Macht gibt der 80jährige Firmenpatriarch noch nicht auf.

VW-Firmenpatriarch Piëch ist zurück auf der Porsche-Bühne

Ferdinand Piëch ist bei der Porsche SE noch immer an Bord. Er wurde einstimmig als Aufsichtsrat bestätigt.

Die heute in Stuttgart abgehaltene Hauptversammlung der Porsche SE, die den Volkswagen-Konzern maßgeblich kontrolliert (als Hauptaktionär hält sie die Mehrheit der Stimmrechte), wurde einmal mehr zu einer Show für Ferdinand Piëch. Der Firmenpatriarch, der seit seinem Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz bei VW vor gut zwei Jahren zu den Aktionärstreffen nicht mehr erschienen war, nahm gelassen am Aufsichtsratspodest Platz und verfolgte von dort aus die siebenstündige Versammlung weitgehend reglos. Schweigend hörte er sich die Vorhaltungen von Kleinaktionären etwa über Versagen des Managements im VW-Dieselskandal an. Auch bei Kritik oder Beifall zu seiner erneuten Kandidatur für den Aufsichtsrat verzog er keine Miene.

Erst im April hatte der 80-jährige Österreicher seinen Unternehmensanteil von 14,7 Prozent an der von den Familien Porsche und Piëch kontrollierten Porsche SE an seinen Bruder Hans Michel Piëch verkauft. Die Transaktion ist allerdings formell noch nicht abgeschlossen, und F. K. Piëch hat mit dem Unternehmen offenbar auch noch nicht abgeschlossen und sich daher der Wiederwahl in den Aufsichtsrat gestellt.

Die folgende Wahl wurde zur Familienangelegenheit, denn die einzig stimmberechtigten Stammaktien sind allesamt in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Auch die Neuwahl des Aufsichtsrats, dem auch der im Groll aus allen VW-Kontrollgremien ausgeschiedene Piëch noch angehören soll, war reine Formsache. Piëch und die fünf weiteren Aufsichtsratsmitglieder wurden einstimmig im Amt bestätigt.

Der Aufsichtsrat der Porsche SE wird künftig nur noch aus sechs Vertretern der Eignerseite bestehen. Die Arbeitnehmerseite verzichtete auf die Präsenz in dem Gremium, da nach einer einvernehmlichen Regelung die Mitbestimmung in der Dachgesellschaft ausgesetzt wurde. Die Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter sehen die Mitbestimmung durch ihre Mandate in den Aufsichtsräten der operativen VW-Konzerngesellschaften ausreichend gewahrt.

Unzufriedene Kleinaktionäre

Trotz Aufforderungen von Kleinaktionären äußerte sich Piëch nicht zu seiner erneuten Kandidatur und wie lange er das Mandat wahrnehmen wolle. Fragen von Kleinaktionären zu mangelnder Aufklärung des VW-Dieselskandals liefen ebenfalls wieder einmal ins Leere. Wie schon auf der Aktionärsversammlung von VW machten bekannte Kleinaktionäre auf dem Aktionärstreffen ihrem Ärger über "Dieselgate" Luft. Aber egal, ob es um die Verantwortung von Vorstandsmitgliedern, die ausbleibende Veröffentlichung eines umfassenden Aufklärungsberichts oder eine Prüfung durch neutrale Experten ging: Vorstandschef Hans-Dieter Pötsch und Rechtsvorstand Manfred Döss beschieden den Fragestellern, dies sei allein Sache von Volkswagen. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Finanzholding betreibe keine eigene Aufklärung.

Die Abgasmanipulationen im Volkswagen-Konzern haben auch auf die Porsche SE durchgeschlagen. Das Unternehmen wurde vielfach auf Schadenersatz verklagt und sieht sich so wie VW staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Marktmanipulation ausgesetzt. Den Vorwurf, die Aktionäre im September 2014,7 beim Auffliegen des Skandals zu spät über die finanziellen Konsequenzen gewarnt zu haben, wies Pötsch allerdings ebenso wie sämtliche Schadenersatzforderungen in Deutschland zurück.

Aktionärsvertreter Manfred Klein aus Saarbrücken bezeichnete die PSE und den VW-Konzern wegen des Dieselskandals als kriminelle Vereinigung, Abfindungen und Boni an ausgeschiedene Manager als Schweigegeld. Der Wirtschaftsprofessor Christian Strenger, Experte für Standards guter Unternehmensführung, bemängelte "rekordnahe zehn Abweichungen" von den Empfehlungen des deutschen Corporate-Governance-Kodexes. Auch prangerte er die Personalunion etwa von Pötsch an, der zugleich Porsche SE-Vorstandschef und Aufsichtsratschef bei VW ist. "Selbstbestellung, Selbstkontrolle, Selbstprüfung und Selbstentlastung durch eine ziemlich verschworene Gemeinschaft von Familienmitgliedern" sei das, sagte er. Doch für Abstimmungen bleibt die Kritik von Kleinaktionären bei der Porsche SE per se folgenlos.


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Generationswechsel steht aus

Wolfgang Porsche ist weiterhin Aufsichtsratschef der Porsche SE. Unter den übrigen Verwandten im PSE-Aufsichtsrat stammt nur der 56-Jährige Ferdinand Oliver Porsche der vierten Generation, sonst wird die Finanzholding noch von den betagten Enkeln des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche kontrolliert.

Die vierte Generation übernimmt jedoch allmählich mehr Verantwortung. Dass ihr automobiltechnischer Sachverstand allenfalls angelesen ist, ist Porsche zufolge kein Problem. "Man muss nicht Ingenieur sein", sagte er. Künftig soll bewusst kein Familienmitglied mehr operativ im Konzern tätig sein wie einst Ferdinand Piëch, der viele Jahre hinweg Audi- und VW-Chef war.

Louise Kiesling, eine Nichte von Ferdinand Piëch, ist die älteste Porsche-Urenkelin, sie feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Seit zwei Jahren sitzt sie bereits im Aufsichtsrat von Volkswagen und wäre ebenso wie ihre Cousine Julia Kuhn-Piëch (Jahrgang 1981) Kandidatin, wenn Piëchs Platz frei wird.

Auch Peter Daniell Porsche (Jahrgang 1973) bereitet sich vor, in nicht allzu ferner Zukunft seinen Vater Hans-Peter Porsche im PSE-Aufsichtsrat abzulösen. Dieser überschrieb seinen Anteil bereits dem einzigen Sohn. Ende 2015 hatte der mittlerweile 76-jährige Ingenieur angekündigt, in zwei bis vier Jahren sein Mandat an Daniell abtreten zu wollen. Der Musiktherapeut und Verleger sitzt bereits im Aufsichtsrat der tschechischen VW-Tochter Skoda.

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