VW-Dieselskandal - Summen in schwindelerregenden Höhen

VW-Dieselskandal - Summen in schwindelerregenden Höhen

Der deutsche Volkswagen-Konzern soll Verbraucher, Aktionäre und Staaten entschädigen. Auch zwei Wochen nach dem Aufdecken des Manipulationsskandals um Abgaswerte ist noch immer nicht absehbar, wie hoch der Schaden ist. Die 5 wichtigsten Fragen.

Frankfurt/Wolfsburg Zwei Wochen nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen ist noch unklar, wie hoch die Zahlungen sind, die auf den Konzern zukommen. VW-Fahrer und Aktionäre wollen Entschädigung, Staaten kündigen Strafen an und fordern Steuernachzahlungen. Eins ist klar: Die Summe dürfte gewaltig sein. Und es ist der größte Skandal der deutschen, wenn nicht der internationalen Wirtschaftsgeschichte.

Was droht VW von staatlicher Seite?

Der dickste Brocken wartet für die Wolfsburger wohl in den USA. Die Strafe für die Manipulationen liegt bei bis zu 18 Mrd. Dollar (16,1 Mrd. Euro). Auch in anderen Ländern drohen VW empfindliche Geldstrafen: Für jedes Auto, indem die Manipulationssoftware genutzt wurde, könnte in Australien eine Strafe von umgerechnet 687.800 Euro fällig werden. Weitere Strafen in weiteren Ländern könnten folgen. Im US-Bundesstaat Texas etwa hat ein Landkreis VW verklagt, weil der Autobauer die Verbesserung der Luftqualität untergraben habe. Harris County fordert umgerechnet rund 89 Mio. Euro für die etwa 6.000 VW-Diesel-Fahrzeuge, die dort verkauft wurden.

Muss VW-Schadenersatz an VW-Fahrer zahlen?

In Deutschland, wo rund 2,8 Millionen VW-Autos vom Skandal betroffen sind, ist dies noch unklar. VW hat bereits angekündigt, Autos zurückzurufen und die Manipulation zu beheben. Eine Kaufpreisminderung ist nur dann möglich, wenn VW die Manipulation nicht in den Griff bekommt. Darüber hinausgehende Schadenersatzansprüche haben nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn dem Verkäufer oder VW nachgewiesen werden kann, dass sie die Mängel kannten und vorsätzlich verschwiegen haben.

Warum können Aktionäre VW verklagen?

Alle börsennotierten Unternehmen sind durch das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflichtet, die Aktionäre in einer sogenannten Ad-hoc-Mitteilung über wesentliche Ereignisse zu informieren, die Einfluss auf den Aktienkurs haben können. VW wird vorgeworfen, genau dies nicht getan zu haben und Anteilseignern Informationen vorenthalten zu haben.

Die Rechtsanwaltskanzlei Tilp, die bereits die erste Klage eines deutschen Aktionärs gegen VW eingereicht hat, argumentiert, dass der Konzern schon am 6. Juni 2008 eine Ad-hoc-Meldung hätte abgeben müssen. Damals beantragte VW die Zulassung eines manipulierten Jetta-Modells in den USA. VW hätte klar sein müssen, dass die Täuschung immense Strafzahlungen nach sich ziehen - und somit auch Auswirkungen auf den Börsenkurs haben könnte.

Wie können Aktionäre VW verklagen?

Die Prozedur ist von Land zu Land unterschiedlich. In den USA gibt es beispielsweise die Möglichkeit für sogenannte Sammelklagen: Ein betroffener Aktionär klagt, die anderen - in gleicher Weise betroffenen Aktionäre - warten ab und erhalten bei Erfolg des Klägers die gleichen Ansprüche.

In Deutschland ist dies so nicht möglich. Hierzulande muss jeder Aktionär selbst klagen. Allerdings können Musterverfahren die Prozedur vereinfachen. Sie sind ab zehn Klägern möglich. Künftig könnten in Deutschland zudem sogenannte Gruppenklagen möglich werden. Sie sind nicht mit amerikanischen Sammelklagen vergleichbar. Verbraucher könnten damit nur die Ansprüche geltend machen, die jedem einzelnen zustehen und die theoretisch auch individuell durchsetzbar wären.

Wie teuer werden die Aktionärs-Klagen für VW?

Die Gesamtsumme ist schwer zu beziffern. Laut der Kanzlei Tilp dürfte es in Deutschland für Aktionäre möglich sein, den Kurssturz-Schaden zurückzubekommenen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2011 mache dies möglich. Konkret heißt das: Aktionäre, die VW-Aktien zwischen einer mutmaßlich unterlassenen Ad-hoc-Meldung - beispielsweise am 6. Juni 2008 - und dem Bekanntwerden der Manipulationsaffäre am 18. September gekauft haben, können die durch den Kurssturz verlorene Summe zurückfordern. Im Vergleich zum Kurshoch im März dieses Jahres verlor VW fast 50 Mrd. Euro an Börsenwert.

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