VW-Dieselgate: Rückrufaktion wird ein Jahr dauern und Milliarden kosten

VW-Dieselgate: Rückrufaktion wird ein Jahr dauern und Milliarden kosten
VW-Dieselgate: Rückrufaktion wird ein Jahr dauern und Milliarden kosten

Rund elf Millionen VW-Fahrzeuge weltweit brauchen ein Software-Update - bei manchen muss auch an der Hardware etwas geändert werden.

Vor Volkswagen liegt eine Mammutaufgabe: Der Konzern muss elf Millionen Autos zurückrufen. Die Software-Update werden laut Porsche Austria bei jedem Auto ein bis zwei Stunden dauern. Die Rückrufaktion könnte im Jänner anlaufen. Alleine für die in Österreich betroffenen Autos fallen dabei Arbeitskosten von rund 45 Millionen Euro an.

Rund zweieinhalb Wochen nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals bei Volkswagen beginnt beim Wolfsburger Autokonzern das große Aufräumen - und das wird vermutlich rund ein Jahr in Anspruch nehmen. Konzernchef Matthias Müller sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass im Jänner mit dem Rückruf der Autos mit manipulierter Software begonnen werden könne. "Bis Ende 2016 sollten dann alle Autos in Ordnung sein", so der Nachfolger von Martin Winterkorn.

Allein in Österreich sind insgesamt 363.400 Fahrzeuge der Volkswagen-Marken VW, Audi, Skoda und Seat mit dem betroffenen Diesel-Motor vom Typ EA 189 betroffen und müssen in die Werkstätten. "Für die meisten Motoren genügt ein Update der Software in der lokalen Werkstatt", sagte VW-Chef Matthias Müller. Laut Porsche Holding Salzburg werde es ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen. Bei einem Teil der Wagen werden allerdings auch zusätzliche Eingriffe an der Hardware nötig sein. Sie würden neue Injektoren und Katalysatoren benötigen. Dann würde das Service auch länger dauern. Bei welchen Modellen Hand angelegt werden muss, steht noch nicht fest.

Kostspieliges Update

Die Nachrüstung der manipulierten VW-Dieselautos wird für Volkswagen teuer: Wenn man den Angaben von Porsche Austria zufolge für das Software-Update eineinhalb Stunden kalkuliert und dafür die im Juli 2014 von der Arbeiterkammer Oberösterreich erhobenen durchschnittlichen Kosten für Kfz-Meachaniker von 84 Euro pro Stunde berechnet, belaufen sich die Kosten alleine für die 363.400 in Österreich betroffenen Autos auf 45,78 Millionen Euro. Weltweit wird der Konzern dafür mehrere Milliarden Euro in die Hand nehmen müssen.

VW-Besitzer können sich auch weiterhin auf den jeweiligen Websites der VW-Marken über den aktuellen Stand der Dinge informieren. "Sobald die Rückrufaktion beginnt, werden die Kunden von den Händlern angeschrieben", heißt es bei der Porsche Holding in Salzburg.

Dies könnte schon bald sein, Volkswagen will in den nächsten Tagen Einzelheiten zur Umrüstung der manipulierten Diesel-Motoren nennen. Der Autokonzern habe dem deutschen Kraftfahrtbundesamt seine Pläne vorgelegt und werde nach Zustimmung der Behörde informieren.

VW-Aktie braucht Jahre, um sich zu erholen

Die Aktien von Volkswagen legten zu Mittwochmittag um 7,58 Prozent auf 104,45 Euro zu. Der Aktie kam der von Konzernchef Matthias Müller vorgelegte Zeitplan zugute, wann die Rückrufaktion der betroffenen VW-Fahrzeuge beginnen sollte. Außerdem hätte der "Dieselgate"-Skandal nicht zu einem Nachfrage-Einbruch geführt. Dennoch hat Volkswagen seit Bekanntwerden des Skandals rund 33 Milliarden US-Dollar (29,39 Milliarden Euro) an Börsenwert verloren.

Analysten verglichen den Absturz der VW-Aktie mit dem des Ölkonzerns BP nach der Explosion auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Die BP-Aktie erreichte nach der Katastrophe nie wieder den Aktienwert wie davor. Demnach würde es Jahre brauchen, bis sich die VW-Aktie wieder erholt.

Am 21. September sackte die VW-Aktie von 162,4 auf 128,45 Euro ab.

Manche Börsen-Experten sagen, die VW-Aktie wird kurzfristig auf 80 bis 83 Euro fallen. "Es gibt zu viele Unsicherheiten im Hinblick darauf, wie sie die Beanstandungen abstellen wollen, wie lange dies dauert und welche potenziellen Strafen sie in den USA und weltweit zu erwarten haben", sagte Klaus Breitenbach, Auto-Aktienanalyst bei der Baader Bank AG in Frankfurt zu Bloomberg. "Das ist alles unbekannt und belastet die Aktien."

Erste Klage gegen VW in Deutschland

Volkswagen darf sich neben der aufwenigen Rückrufaktion auch auf kostspielige Klagen einstellen. In Deutschland hat nun eine erste Käuferin Klage gegen den Autobauer eingereicht. Die Klägerin habe gezielt ein umweltfreundliches Auto kaufen wollen, die angeblich niedrigen Abgaswerte seien für sie "kaufentscheidend" gewesen, teilte die Kanzlei Jordan Fuhr Meyer in Bochum mit. Die Kanzlei erhob Klage auf Schadensersatz.

Die Klägerin wirft Volkswagen außerdem vor, dass durch die anstehende Nachbesserung Motorleistung, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sowie weitere wichtige Parameter ihres Fahrzeugs sinken und der Kraftstoffverbrauch steigen werde.

Nachbesserungen an dem Fahrzeug reichten "aus juristischer Sicht" nicht aus, erklärte Rechtsanwalt Sascha Conradi. Die Weiternutzung "eines nicht schadstoffarmen Kraftfahrzeugs" sei für die Klägerin "unzumutbar". Deshalb habe die Kanzlei im Auftrag der Mandantin den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt und klage auf Rückabwicklung.

Nur wenige Mitarbeiter an Manipulationen beteiligt

Die notwendigen Software-Updates wolle Volkswagen bis zur Jahresmitte 2016 auf die betroffenen Fahrzeuge der Kunden in Europa aufspielen, sagten zwei mit dem Zeitplan vertraute Personen Reuters. Bis Ende 2015 müsse die Software erst entwickelt und getestet werden. Die Entwicklung ist aufwendig: "Es geht um den EA 189 in Kombination mit verschiedenen Getrieben und länderspezifischen Auslegungen", sagte VW-Chef Müller. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern tausende." Nachbesserungen an Hardware-Komponenten der Fahrzeuge dürften sich den Insidern zufolge bis in die zweite Jahreshälfte hinziehen. Eine VW-Sprecherin für die USA sagte, dass die Maßnahmen zuerst mit der Umweltbehörde EPA abgestimmt werden müssten.

Volkswagen hat zugegeben, millionenfach Fahrzeuge in den vergangenen Jahren mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Abgaswerte manipulieren kann. Allein in Europa sind acht Millionen Fahrzeuge davon betroffen, weltweit sind es bis zu elf Millionen. Der langjährige Vorstandschef Martin Winterkorn musste daraufhin seinen Sessel räumen.

Zur Behebung des Schadens habe Volkswagen in dieser Woche dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt technische Lösungsvorschläge vorgestellt, sagte Müller. Er fügte hinzu, nach aktuellem Kenntnisstand seien an den Manipulationen nur wenige Entwickler in Wolfsburg beteiligt gewesen. Bisher seien vier Mitarbeiter beurlaubt, "davon drei Vorstände, die zu unterschiedlichen Zeiten Verantwortung für die Motorenentwicklung bei Volkswagen hatten", führte Müller aus. "Andere sind teils schon in Pension."

In bestimmten Dieselmotoren von Volkswagen ist eine Abschaltvorrichtung installiert, um die Abgaswerte zu manipulieren. Bei einer weltweiten Rückrufaktion sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge umgerüstet werden.

VW will in zwei, drei Jahren wieder glänzen

Für die Zukunft des Autobauers zeigte sich Müller dennoch optimistisch: "Volkswagen hat unverändert eine starke Substanz und deshalb beste Aussichten, in zwei bis drei Jahren wieder zu glänzen. In dieser Krise steckt die Chance, die Strukturen von Volkswagen zu reformieren", sagte er. Er wolle das Unternehmen verschlanken und den Marken mehr Verantwortung übertragen. Das solle zu mehr Effizienz und Entscheidungsgeschwindigkeit führen. "Freilich werden wir das evolutionär machen. Ich halte nichts von Revolution."

Auf die Frage, ob VW im Abgasskandal gegen die Ad-hoc-Veröffentlichungspflicht verstoßen habe, sagte Müller: "Unsere Rechtsauffassung besagt, dass wir rechtzeitig informiert haben". VW hatte am 3. September 2015 gegenüber der amerikanischen Umweltbehörde die Manipulation eingestanden. Der Kapitalmarkt wurde erst zwei Wochen später informiert.

Pötsch zum neuen Aufsichtsratchef gewählt

Erwartungsgemäß hat der Aufsichtsrat von Volkswagen den bisherigen Konzern-Finanzchef Hans Dieter Pötsch zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 64-jährige Österreicher folgt damit dem Firmenpatriarchen Ferdinand Piech, der sich nach einem verlorenen Machtkampf mit Winterkorn im April von allen Ämtern im Konzern zurückgezogen hatte.

Pötsch will die Aufklärung des Abgas-Skandals vorantreiben. "Es ist mir ein persönliches Anliegen, alles zu tun, damit die Vorgänge restlos aufgeklärt werden", versprach der bisherige Finanzvorstand. Zum neuen Finanzvorstand wurde Frank Witter bestellt, der bisher die VW-Tochter Financial Services leitet.

Nach dem Rücktritt von Ferdinand Piech wird der bisherige Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch Aufsichtsratchef.

Kritiker wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sehen in Pötsch den falschen Kandidaten zur Aufarbeitung der Abgas-Krise, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass er keine persönliche Verantwortung für Verfehlungen in der Diesel-Affäre trage.

Der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, soll wegen des Skandals am 8. Oktober vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. In den USA verschickte VW Entschuldigungsbriefe an die Kunden.

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