VW-Skandal: Die Top-Kandidaten für die Winterkorn-Nachfolge

Den Machtkampf mit Firmenpatriarch Ferdinand Piech hatte VW-Chef Martin Winterkorn überstanden - doch für den Betrug mit Diesel-Abgaswerten übernahm er jetzt die Verantwortung und trat zurück. Insidern zufolge sind Porsche-Chef Matthias Müller, VW-Markenchef Herbert Diess und Audi-Chef Rupert Stadler als Nachfolger in der engeren Wahl.

VW-Skandal: Die Top-Kandidaten für die Winterkorn-Nachfolge VW-Skandal: Die Top-Kandidaten für die Winterkorn-Nachfolge

Das Volkswagen-Aufsichtsratspräsidium hat nach dem Rücktritt Martin Winterkorns große Betroffenheit signalisiert. Das Gremium bedauert neben dem wirtschaftlichen Schaden vor allem den Vertrauensverlust bei den Kunden.

Winterkorns Rücktritt sei mit "großem Respekt" zur Kenntnis genommen worden. Das Präsidium stellt fest, dass Winterkorn keine Kenntnis von der Manipulation von Abgaswerten hatte. Das Präsidium hat außerdem beschlossen, durch das Unternehmen Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig zu erheben. Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können

Das Präsidium schlägt dem Aufsichtsrat außerdem vor, einen Sonderausschuss zu bilden, unter dessen Leitung die weitere Aufklärung erfolgen soll. Ebenfalls sollen die notwendigen Konsequenzen vorbereitet werden.

Auszug aus der Erklärung des VW-Präsidiums. Zum Download klicken.

Am Freitag könnte bereits ein Nachfolger an der Spitze des VW-Konzerns bestimmt werden. Porsche-Chef Matthias Müller gilt wegen seiner langjährigen Konzernerfahrung als Favorit für den Posten des bestbezahlten DAX-Konzernchefs. Auch dem aktuellen Audi-Chef Rupert Stadler und dem erst kürzlich von BMW in den Volkswagen-Konzern geholten Herbert Diess werden gute Chancen eingeräumt. Für Diess spricht seine potenzielle Unbefangenheit im VW-Skandal.

Matthias Müller

Der 62-jährige Chef der VW-Tochter Porsche war während der Führungskrise im Frühjahr schon als Kandidat für eine Übergangszeit gehandelt worden. Er könnte den Konzern führen, bis ein jüngerer Manager wie Diess den Vorstandsposten übernähme. Müller ist seit bald vier Jahrzehnten im VW-Konzern: Er lernte bei Audi in Ingolstadt Werkzeugmacher und kehrte nach dem Informatikstudium dorthin zurück. Als Winterkorn 2007 als Chef von Audi an die VW-Spitze wechselte, ging Müller als Produktstratege mit ihm nach Wolfsburg. Nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche, die schließlich mit der Unterordnung von Porsche als VW-Marke endete, übernahm er 2010 auf Geheiß von Piech die Führung der Sportwagenschmiede und trieb den Absatz auf neue Rekordhöhen.

Vergangene Woche noch erklärte Müller im Interview mit Reuters, in einer neuen Konzernstruktur gerne die Leitung der Sportwagengruppe übernehmen zu wollen. Er bezeichnet sich selbst gern als Konzernzögling. Daher würde das VW-Vorstandsmitglied seine Stuttgarter Wahlheimat wohl aufgeben, sollte der Aufsichtsrat ihn rufen.

Herbert Diess

Der 56 Jahre alte Münchner wechselte am 1. Juli von BMW zu Volkswagen und übernahm von Winterkorn die Führung der schwächelnden Hauptmarke VW. Er kam Insidern zufolge auf Betreiben von Piech nach Wolfsburg. Der VW-Miteigentümer hatte im Frühjahr versucht, Winterkorn zu kippen und war als Aufsichtsratschef zurückgetreten, nachdem sich die anderen maßgeblichen Eigner und der Betriebsrat hinter Winterkorn gestellt hatten. Mit Diess an der Spitze könnte VW einen konsequenten Neuanfang demonstrieren. Ein Nachteil ist allerdings, dass Diess die Mechanismen und Netzwerke in dem Riesenkonzern mit zwölf Marken und rund 600.000 Beschäftigten noch nicht lange kennt.

Auch gibt es unter den Arbeitnehmern Vorbehalte gegen den Manager, der den Ruf eines knallharten Kostendrückers hat, der Sparprogramme kompromisslos gegen Kritik der Belegschaft durchsetzt. Bei BMW rückte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur nach rund zehn Jahren 2007 in den Vorstand als Einkaufschef auf, um mit Milliardeneinsparungen die Rendite hochzutreiben. Zeitweise galt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur als möglicher Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer, doch das wurde Produktionschef Harald Krüger.

Rupert Stadler

Als Kronprinz gilt auch schon lange der 52-jährige Audi-Chef Rupert Stadler. Sein Aufstieg im Konzern begann 1997 als Büroleiter des damaligen VW-Chefs Piech. Bei Audi übernahm er 2003 zunächst das Finanzressort und rückte 2007 an die Spitze der Premiumtochter, die zusammen mit Porsche den Löwenanteil zum Konzerngewinn beiträgt. Unter seiner Führung hat Audi als zweitgrößter Premiumhersteller weltweit aber damit zu kämpfen, vom Platzhirsch BMW in den Schatten gestellt zu werden. Zuletzt wurde Stadler als Nachfolger von VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch gehandelt, der neuer Aufsichtsratschef von VW werden soll. Dass Stadler Winterkorn beerben könnte, bezweifeln Experten allerdings mit dem Hinweis auf die VW-Tradition, wonach ein Ingenieur an der Spitze des Konzerns stehen muss. Stadler ist Betriebswirt.

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