VW-Dieselskandal: Autotests auf den Prüfstand - VKI will klagen

Die Verbraucherschützer in Europa fordern neue Testverfahren für Autos. Labortests täuschen den realen Verbrauch nur vor. Auch Österreichs Konsumentenschützer wollen sich einer US-Sammelklage anschließen.

VW-Dieselskandal: Autotests auf den Prüfstand - VKI will klagen

Raus aus dem Labor: Verbraucherschützer fordern neue Testverfahren für Abgasausstoß und Spritverbrauch

Wien/Wolfsburg. Für die Automobildindustrie kommt es nun ganz dick: Neben unzähliger Sammelklagen gegen Volkswagen wegen der Manipulaiton von Abgaswerten von rund el Millionen Dieselfahrzeugen sowie Ausdehnung der Untersuchungen auf Dieselautos anderer Hersteller, haben nun Konsumentenschützer die Testverfahren ins Visier genommen. Sämtliche Testverfahren, auch die Messung von Spritverbrauch und CO2-Ausstoß sollen nun auf den Prüfstand.

Echte Tests statt Laborwerte

Der Europäische Verbraucherverband BEUC (Bureau Européen des Unions de Consommateurs) fordert nun von der EU, „On-Road“-Testverfahren für Abgaswerte und Treibstoffverbrauch zu entwickeln. Die Labortests, in denen der Spritverbrauch sowie die Abgaswerte weit niedriger ausfallen, als bei Tests im Straßenverkehr, sollen abgelöst werden.


BEUC-Generaldirektorin Monique Goyens fordert in einer Aussendung, dass neue Testverfahren die Labortests abslösen sollen.

50 Prozent über den Angaben

Erst im Vorjahr hatte die italienische BEUC-Mitgliedsorganisation Altroconsumo Fahrzeugtests mit einem VW-Golf durchgeführt, mit dem die extremen Unterschiede aufgezeigt wurden. Die Ergebnisse zeigten einen um 50 Prozent höheren Kraftstoffverbrauch als aus den offiziellen Zahlen von Volkswagen ersichtlich war.

Für Autobesitzer bedeutet dies Zusatzausgaben für Sprit in der Höhe von rund 500 Euro pro Jahr als infolge der Werbeaussagen von VW in diesem Fall zu erwarten gewesen wäre. Ein Gericht in Venedig wird sich voraussichtlich demnächst mit dieser Sache beschäftigen.

Doch nicht nur in Italien werden sich die Gerichte mit VW befassen. Wie bereits berichtet sind bereits 37 Sammelklagen in den USA und Kanada bei US-Gerichten eingereicht worden. VW hatte Anfang der Woche noch vor dem Rücktritt von CEO Martin Winterkorn eine Rückstellung in der Höhe von 6,5 Millionen Euro für Rückrufe der betroffenen Autos angekündigt. Für den VW-Konzern ist damit aber noch nicht abgerechnet. Laut US-Umweltbehörde EPA drohe VW eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Auch in Österreich droht VW eine Sammelklage. Österreichs Konsumentenschützer wollen nun Schadenersatzersatzansprüche prüfen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bietet VW-Kunden an sich kostenlos an einer Sammelaktion zu beteiligen, teilte der VKI am Freitag mit.

Der VKI sucht die Zusammenarbeit mit US-Anwälten, die in den USA Sammelklagen einbringen. Denn es sei nicht einzusehen, warum US-Kunden Schadenersatz bekommen, weil es das Instrument der Sammelklagen dort gibt, europäische Kunden aber leer ausgehen.

VW hat eingeräumt, dass die Software mancher Modelle so manipuliert war, dass am Prüfstand weniger Schadstoffe ausgestoßen wurde als im realen Verkehr. Käufer eines betroffenen Fahrzeuges könnten für ein vermeintlich umweltfreundliches Fahrzeug einen höheren Preis gezahlt haben, im Zuge eines Rückrufs oder Umbaus Aufwendungen haben und allenfalls sogar Kfz-Steuer nachzahlen müssen, meint der VKI.

"Wir gehen davon aus, dass eine Werbung mit einer bestimmten Abgasleistung, die sich als falsch herausstellt, zum einen irreführend ist und zum anderen für kausale Schäden Schadenersatzansprüche auslöst", schreibt Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI, in einer Aussendung. Zwar habe der VKI noch zu wenig Informationen für die Prüfung von Schadenersatzansprüchen, sammele aber insbesondere Werbung, die von VW an die Kunden gegangen ist.

Warnung bereits 2008

Die Kritik an den Labortests der Automobilhersteller ist nicht neu. Der VKI hat bereits im Jahr 2008 (Ausgabe 7/2008) darauf hingewiesen, dass die Angaben der Hersteller und die Testergebnisse der Autoindustrie massive Unterschiede aufweisen. Dabei wurden Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß unter die Lupe genommen und massive Abweichungen festgestellt. "Schon damals stellten wir zum Teil signifikante Abweichungen bis an die dreißig Prozent fest", so der VKI.

Eine aktualisierte Studie des Forschungsinstituts ICCT zeigt, dass auch der CO2-Ausstoß in echten Fahrsituationen um rund 40 Prozent über den Hersteller-Angaben aus Labortests liegt. Diese Differenz habe sich damit seit 2001 vervierfacht. Seit 2010 gebe es damit in der Realitiät praktisch keine Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes bei Autos.

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