VW-Chef Müller: "Wir müssen uns von vielem verabschieden"

VW-Konzernchef Matthias Müller: "Mobilität neu denken und erfinden."

VW-Konzernchef Matthias Müller: "Mobilität neu denken und erfinden."

Das Autofahren wie wir es heute kennen wird bald Geschichte sein. Die Zukunft gehört autonom und emissionsfrei fahrenden Fahrzeugen. Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller hat in dem deutschen Automobilkonzern längst die Weichen in diese Richtung gestellt.

Menschen neigen tendenziell dazu, dem Neuen gegenüber skeptisch zu sein und Veränderungen zunächst einmal mit Misstrauen und Ablehnung zu begegnen. Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller gehört nicht zu dieser Gruppe. Auch auf die Gefahr hin, in seiner bis dato wichtigsten Klientel, den Autofahrern, auf Ablehnung zu stoßen erklärte er auf der Volkswagen Group Media Night am Vorabend des Genfer Autosalons 2018: "Wenn wir die Freiheit individueller Mobilität erhalten wollen, dann müssen wir uns von vielem verabschieden, was wir heute mit dem Autofahren verbinden."

Müller stellt damit die Freiheit der individuellen Straßennutzung generell infrage, wenn die Autofahrer ihr Verhalten und ihre Einstellung gegenüber dem Fahren nicht grundlegend ändern. Im Hintergrund steht, wie der Konzernchef betont, dass die vor allem im urbanen Bereich durch das Wachstum der Städte ständig weiter steigenden Probleme hinsichtlich Luftqualität, überfüllter Straßen und Staus mit einer Mobilität wie wir sie bisher kennen nicht in Griff zu bekommen sein werden. "Wir müssen Mobilität neu denken und neu definieren", fordert Müller daher

Den Kopf in der Zukunft

Im Volkswagen-Konzern selbst ist ein Team von rund 200 Experten aller Bereiche und Marken mit dem "neu denken" beschäftigt. Die Aufgabe der sogenannten "Future Heads", ist es Innovationen und Entwicklungen zu erkennen, abzuwägen und im Konzern eigene Lösungen voranzutreiben.

Die Herausforderungen sind dabei in allen urbanen Räumen groß, aber nicht überall gleichlaufend. Im Raum San Francisco beispielsweise wird bis Ende des nächsten Jahrzehnts eine technikaffine und umweltbewusste Bevölkerung für eine schnelle Verbreitung von E-Fahrzeugen sorgen. Im Großraum Peking werden bis dahin - im Jahr 2030 schon rund 130 Millionen Menschen leben. Man zerbricht sich die Köpfe, wie deren Mobilität überhaupt noch gewährleistet werden kann. Eigene Schnellstraßen für komplett autonome, elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind eine denkbare Variante. Selbst Drohnen, die Personen transportieren, sind vorstellbar.

Volkswagen Konzernchef Matthias Müller bei der Präsentation der Konzernstrategie, Genfer Autosalon 2018

"Roadmap E": Elektromobilität ist nur ein Teil von Müllers Zukunftsstrategie.

Shared Mobility Konzepte, E-Mobility-Zonen in Stadtzentren - die Ansätze, um die chronisch überlasteten Verkehrssysteme in Städten und die durch den Verkehr verursachte Luftverschmutzung in Griff zu bekommen sind sehr vielfältig.

Für Müller ist es ein strategischer Ansatz, den Volkswagen-Konzern als Partner der Städte zu positionieren. Mit einigen Dutzend Städten wurden bereits Partnerschaften geschlossen, um die Bedürfnisse der Kommunen auszuloten und entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Längst geht es nicht mehr nur darum, Autos zu verkaufen, wie das Beispiel Hamburg zeigt. Die Konzerntochter MAN testet etwa autonome Lkw am Hamburger Hafen und auf ausgewählten Autobahnabschnitten. Mit MOIA, dem im Dezember 2016 gestarteten Unternehmen für neue Mobilität im urbanen Raum entwickelt der Konzern unter anderem On-Demand-Angebote. Ein neu entwickeltes, vollelektrisches Shuttle, das sechs Passagieren Platz bietet, soll bald auf Hamburgss Straßen unterwegs sein. 200 Fahrzeuge sollen es noch dieses Jahr sein, im Vollausbau bis zu 1.000.

Neue Konzepte, neuer Konzern

In Kooperation mit Unternehmen wie dem Robotik-Spezialisten Kuka arbeitet Volkswagen an weiteren Lösungen rund um das Thema Mobilität. Eines der Resultate dieser Kooperationen ist "CarLa", ein mobiler Roboter, der Autos ganz selbstständig belädt und der für Müller sogar das Potenzial zum Industriestandard hat.

Vor allem geht es Müller jedoch darum, den Volkswagen-Konzern fit für die Zukunft, auch die Zeit nach seiner Zeit zu machen. Die konsequente E-Mobility-Ausrichtung - konzernintern "Roadmap E" bezeichnet - ist dabei nur ein Punkt. „Bei all den Herausforderungen, die wir insbesondere in den Städten sehen, wollen wir Teil der Lösung sein", gibt der Konzernchef als Devise aus. Mit zwölf Marken und seiner Finanzkraft bringt Volkswagen dafür durchaus gute Voraussetzungen mit. "Als Gruppe haben wir die Dimension und die Globalität, um wirklich etwas zu bewegen", weiß Müller.

Brigitte Ederer

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